Telefonische Befragung "Grüß Gott, hier spricht der Mietspiegel"

Nach dem Mietspiegel ist vor dem Mietspiegel. Eine, die das am eigenen Leib spürt, ist Sozialreferentin Schiwy. Foto: Nagy

Die Münchner werden seit dieser Woche wieder telefonisch nach ihrem Mietverhältnis befragt.

 

MünchenDass Sepp Herberger einst noch zu solchen Ehren kommen würde, hätte der alte Trainer-Fuchs wahrscheinlich auch nicht gedacht. Das Erstellen des Mietspiegels ist allerdings so aufwendig, dass es in Abwandlung eines geflügelten Herberger-Wortes im städtischen Sozialreferat gerne heißt: Nach dem Mietspiegel ist vor dem Mietspiegel.

Alle zwei Jahre wird in München der Mietspiegel aktualisiert. Erst vergangenen März hat der Stadtrat den Datensatz für 2017 gebilligt. Nun, mit kaum einem Jahr Verschnaufpause, wird schon wieder an dem neuen Mietspiegel für 2019 gearbeitet.

Nicht jeder Haushalt ist geeignet

Das Forschungsinstitut Kantar TNS hat Anfang dieser Woche damit begonnen, Münchner Haushalte abzutelefonieren. 40.000 Festnetznummern wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Die Marktforscher hoffen, auf diese Weise gut 3.000 Leute zu finden, die für die Studie in Frage kommen.

Bei Weitem nicht jeder Haushalt ist für die Befragung geeignet. In den Mietspiegel fließen nämlich nur Wohnungen ein, die in den vergangenen vier Jahren neu vermietet worden sind. Sozialwohnungen oder Mieten, bei denen die letzte Erhöhung schon länger als vier Jahre zurückliegt, werden nicht berücksichtigt.

Für Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) liegt in genau diesen Kriterien die Schwäche des Instruments. So sei der Mietspiegel zwar die maßgebende Instanz für die sogenannte Mietpreisbremse. Der gemäß darf bei der Neuvergabe einer Wohnung die Miete maximal zehn Prozent über dem liegen, was die Nachbarn im näheren Umfeld durchschnittlich an Miete zahlen. Dadurch, dass der Mietspiegel Bestandsmieten ausklammert, beschleunige er die Preisspirale letztendlich aber erheblich.

Mietspiegel versus Mieterhöhungsspiegel

Schiwy zufolge müsste man eigentlich von einem "Mieterhöhungsspiegel" sprechen. Sie fordert deshalb auch eine Reform des Mietspiegels. Alte Bestandsmieten müssten dringend in die Berechnung mit einfließen, sagt sie. Derzeit bildeten die Daten nicht das tatsächliche Mietniveau in der Stadt ab, sondern befeuerten nur einen ohnehin schon überhitzen Markt.

"Die Bundespolitik muss endlich erkennen, wie angespannt die Lage in den Ballungsräumen ist", sagt Schiwy. Ob sich die künftige Bundesregierung des Themas annimmt? Eine Prognose will Schiwy da nicht abgeben.

Die Durchschnittsmiete lag in München laut Mietspiegel vergangenes Jahr bei 11,23 Euro. Bis nächstes Jahr im März wollen die Marktforscher dann den neuen Mietspiegel berechnet haben. Man muss kein Hellseher sein, um sagen zu können: Die durchschnittliche Miete wird dann sicher noch einmal ein bisschen angestiegen sein. Denn wie hätte Sepp Herberger gesagt: Nach der Mieterhöhung ist vor der Mieterhöhung.

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