Teilnehmer, Politik, Kosten Fragen und Antworten zu den Europaspielen in Baku

Der Gastgeber ist startklar: Werbung in Baku für die bevorstehenden Europaspiele. Foto: dpa

Vom 12. bis 28. Juni finden in Aserbaidschans Hauptstadt Baku die ersten Europaspiele statt. Alle wichtigen Antworten zum "Turnier-Prototypen" gibt es hier.

 

Baku - Die Millionen-Metropole am Kaspischen Meer, der einzige Bewerber, erhielt 2012 den Zuschlag bei der Generalversammlung der Europäischen Olympischen Komitees (EOC). Das Event knüpft an die lange Tradition von Multisport-Veranstaltungen auf anderen Kontinenten an, wie den Asienspielen oder den Panamerikanischen Spielen. Die Erstauflage wird von offizieller Seite als "Testballon" bezeichnet.

Dennoch wurde im Mai bereits die zweite Ausgabe vergeben, Gastgeber 2019 sind die Niederlande mit dem Zentrum Amsterdam.

Wer nimmt teil?

Sämtliche 50 Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in Europa haben ihre Teilnahme zugesagt - trotz mehr oder weniger deutlicher Kritik an dem Format, der Terminierung und der Menschenrechtslage in Aserbaidschan. Über 6000 Athleten kämpfen in 20 Sportarten (davon 16 olympisch) um Medaillen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entsendet mit 265 Athleten (124 Frauen und 141 Männer) eines der größten Kontingente.

Nicht vertreten ist Deutschland im Beachsoccer, der Kampfsportart Sambo, Basketball drei gegen drei und in der Leichtathletik. Prominenteste Starter sind die Olympiasieger Britta Heidemann (Fechten) und Sebastian Brendel (Kanu), die Tischtennis-Asse Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov sowie Turn-Weltmeister Fabian Hambüchen.

Wie hoch ist der sportliche Wert?

Überschaubar. Die Judoka tragen in Baku ihre Europameisterschaften aus, allerdings als Ersatzveranstaltung für das abgesagte Event in Glasgow. Ansonsten bringen Titel bei den Europaspielen neben überschaubaren Meriten bestenfalls ein direktes Ticket für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro ein. Dies gilt für die Sieger im Tischtennis, Triathlon und Schießen. Ranglistenpunkte für die Olympia-Qualifikation können im Bogenschießen, Boxen, Judo, Radsport, Taekwondo, Ringen und Volleyball gesammelt werden.

Die wichtigsten olympischen Sportarten liegen allerdings brach: In der Leichtathletik wird nur die dritte Liga der Team-EM ausgetragen, die Schwimmer veranstalten Junioren-Europameisterschaften. Generell mangelt es in vielen Disziplinen an der Leistungsdichte, weil die europäische Elite nicht geschlossen am Start ist.

Warum ist der Gastgeber umstritten?

Aserbaidschan steht bei Menschenrechtsorganisationen massiv in der Kritik. Staatspräsident Ilham Alijew gilt als Autokrat, der einen rigiden Kurs gegen Kritiker und Oppositionelle fährt. "Nach unseren Kenntnissen sind mindestens 80 Regimekritiker aus fadenscheinigen Gründen inhaftiert. Viele unserer Ansprechpartner vor Ort wollen aus Angst nicht mehr sprechen", sagte Wenzel Michalski von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) dem Sport-Informations-Dienst (SID). Im Ranking der Pressefreiheit führt die Organisation Reporter ohne Grenzen Aserbaidschan auf Position 160 von 180, nur knapp vor China oder Nordkorea.

Wie positionieren sich Sport und Politik?

Die Signale aus Sport und Politik sind verhalten. Der Bundestag wird sich mit einer kleinen Anfrage wohlgemerkt erst nach den Europaspielen befassen. Der DOSB hat die Problematik im Vorfeld thematisiert und angekündigt, auch vor Ort Missstände ansprechen zu wollen. Die Diskussion, ob man die Premiere der Spiele nicht an ein Land mit besserem Leumund hätte vergeben müssen, bezeichnete der Vorstandsvorsitzende Michael Vesper im Gespräch mit dem SID allerdings als "müßig".

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Wie teuer sind die Europaspiele?

Offizielle Zahlen gibt es nicht. Schätzungen zufolge hat sich Despot Alijew den Bau der hochmodernen Arenen mindestens sechs Milliarden Euro kosten lassen. Kein Problem für den 53-Jährigen, der auch Präsident des Nationalen Olympischen Komitees und Vizepräsident der staatlichen Ölgesellschaft ist. Für Alijew ist der Sport - wie auch der Eurovision Song Contest 2012 - ein Propagandamittel: 2016 macht die Formel 1 in Baku Station, 2020 die Fußball-Europameisterschaft. Das große Ziel ist die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele. Medienberichten zufolge übernimmt Alijew sämtliche Kosten der Teilnehmer. Der DOSB bestreitet dies: Die Entsendungskosten lägen "bei einer Million Euro". Mindestens die Hälfte davon übernimmt der Steuerzahler. Das Prozedere ist laut Vesper "identisch mit dem bei Olympischen Spielen".

Wie ist die Perspektive der Europaspiele?

Die Flugdauer des "Testballons" scheint überschaubar, weil Kontinentalmeisterschaften in den jeweiligen Fachverbänden in Europa eine große Tradition haben. Die IAAF (Leichtathletik) und FINA (Schwimmen) zählen zu den größten Kritikern des neuen Formats - auch, weil Europaspiele kurz vor den Weltmeisterschaften in den beiden olympischen Kernsportarten stattfinden.

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Ohne die Zugpferde wird es auf Dauer kaum gehen. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: 2018 feiert die "Gegenveranstaltung" European Sports Championships Premiere. Bei der Erstauflage in Berlin und Glasgow tragen unter anderem die Leichtathleten, Schwimmer und Turner ihre Europameisterschaften gleichzeitig aus.

Werden die Europaspiele im TV zu sehen sein?

In Deutschland hat sich Sport1 die Rechte gesichert. Der Münchner Sender überträgt täglich rund sechs Stunden live aus Baku. Zusätzlich werden die Ereignisse jedes Wettkampftages am Abend in einem 30-minütigen Magazin zusammengefasst.

 

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