Tausende Mieter betroffen GBW: Der 900-Millionen-Deal

Richtfeste zu feiern, wie hier in den Nymphenburger Höfen, wird seltener bei der GBW. In den nächsten Monaten wird das Unternehmen wohl vor allem große Verkaufsgeschäfte feiern. Foto: Sigi Müller

Wie die Mieter merken, dass ihre Wohnungen bald verkauft werden – und welche Summen die Investoren damit verdienen werden.

 

München - So hat Manuel Hierl seinen Vermieter bisher gar nicht gekannt, sagt er. Warum wurden die Türen neu gestrichen? Warum gibt es neue Türklingeln? Sonst habe man sich doch nie groß um so etwas gekümmert.

Jetzt ahnt Manuel Hierl, was los ist: Seine Wohnung und die seiner Nachbarn sollen verkauft werden. Eigentümer des Blocks an der Theresien- und Luisenstraße ist die GBW. Die will, wie die AZ exklusiv berichtete, bis Ende 2015 insgesamt 4488 Wohnungen aus ihrem Bestand verkaufen.

Das macht den Mietern Angst. Manuel Hierl will daher nicht mit seinem richtigen Namen in der Zeitung stehen. Er fürchtet, dass seine Wohnung bald verscherbelt wird und dann die Miete drastisch steigt. Offiziell hat er zwar ein Vorkaufsrecht. Doch einen Kauf könnte er sich gar nicht leisten.

Denn bei den Verkäufen geht es für die Eigentümer um viel Geld. Die GBW-Wohnungen gehören einem verworrenen Konsortium um eine Immobilienfirma mit dem Namen „Pearl AquiCo“. Auch die Augsburger Patrizia ist daran beteiligt. Laut internen Dokumenten, die der AZ vorliegen, rechnen die Eigentümer für die Verkäufe aus dem Jahr 2013 mit einem Erlös von rund 31,4 Millionen Euro. 2014 sollen die Verkäufe rund 47,4 Millionen Euro bringen, 2015 sogar 55,4 Millionen.

Und das ist nur der Erlös. Wie viel Geld insgesamt in den Deals steckt, wird deutlich, wenn man nachrechnet:

Der Plan der GBW sieht vor, ihre besten Stücke zu verkaufen, die viel Gewinn bringen. Bei diesen Wohnungen in München und im Umland dürften die Preise pro Quadratmeter bei 2000 bis 6000 Euro liegen. Bei einer Wohnung mit 100 Quadratmetern läge der Kaufpreis dann bei 200000 bis 600000 Euro.

Zum Bestand der GBW gehören viele Wohnungen in Top-Lage in Schwabing und der Maxvorstadt, für die hohe Preise erzielt werden können.

Zum anderen sollen unrentable Objekte in strukturschwachen Regionen abgestoßen werden. Hier liegen die Preise niedriger.

Aber selbst wenn man vorsichtig rechnet und von einem durchschnittlichen Preis von 200000 Euro pro Wohnung ausgeht, brächte das eine Summe von knapp 900 Millionen Euro. Damit hätte das Konsortium gut 35 Prozent der Ausgaben für den Kauf der etwa 33000 GBW-Wohnungen wieder drin – mit einem Abverkauf von nicht mal 14Prozent der Wohnungen.

 

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