"Tatort"-Star Miroslav Nemec: "Manchmal Kopf einschalten"

Miroslav Nemec mit Filmpartnerin Marion Mitterhammer Foto: ARD Degeto/ORF/Bavaria/Graf Film/Erika Haur

Miroslav Nemec als Literaturprofessor, der in der malerischen Landschaft rund um den Wolfgangsee um seine große Liebe kämpft? Ein ungewohntes Setting für den "Tatort"-Kommissar.

 

"Tatort"-Kommissar Miroslav Nemec (59) ist in seinem neuen Film "Liebe mit Familienanschluss" am 13. September um 20.15 Uhr im Ersten in der Mission Liebe in der malerischen Gegend vom Wolfgangsee und in Salzburg unterwegs. Dort will er nach Jahrzehnten der Funkstille seine große Liebe zurückerobern. Wie romantisch Nemec im wahren Leben ist und warum Liebe für ihn auch mit Egoismus zu tun hat, erzählt er spot on news.

Man kennt Sie vor allem aus Krimi-Serien. Geballte Emotionen und romantische Heimatbilder wie im aktuellen Film "Liebe mit Familienanschluss" scheinen eher ein ungewohntes Setting für Sie zu sein?

Miroslav Nemec: Ich komme vom Theater und da bin ich es gewohnt, ganz unterschiedliche Rollen zu spielen. Es ist mein Beruf Rollen zu wechseln, aber ich verstehe die Wahrnehmung, da der "Tatort" schon dominant ist. Für mich ist dieser Film eine Abwechslung.

Was hat Sie an dem Film rund um die vertrackten Liebesgeschichten gereizt?

Nemec: Ich fand das Buch witzig. Außerdem wusste ich, dass Marion Mitterhammer und Peter Krämer mit im Boot sind und wenn man weiß, dass Kollegen dabei sind, die man mag und kennt, ist das wunderbar. Ich hatte einfach mal wieder Lust in einem Ferienparadies wie dem Wolfgangsee zu drehen.

Ihre Figur Walter platzt einfach in das Leben von Johanna und bringt alles durcheinander. Was ist er für ein Kerl - ist er rücksichtslos oder gibt er alles für die Liebe?

Nemec: Rücksichtslos kann auch bedeuten, dass jemand ein wenig weltfremd ist und deshalb nicht auf die Idee kommt, an andere Menschen zu denken. Das bedeutet nicht, dass er zwangsläufig egoistisch ist. Aber auch, wenn es bei Walter keine böse Absicht ist, bleibt ein gewisser Egoismus bestehen. Die Liebe ist die Triebfeder, die das Ganze anheizt und noch unkontrollierbarer macht.

Im Film machen Sie sich über den Balkon davon. Haben Sie Erfahrung darin, bei Frauen durchs Fenster ein- und auszugehen, in Bayern auch als Fensterln bekannt?

Nemec: Das Fensterln können auch Balkone und Fassaden sein und ja, das kam schon mal vor. Das gibt es aber nicht nur in Bayern, sondern das ist auch an der Küste Kroatiens üblich gewesen. Es gibt überall etwas zu überwinden, ob es nun Balkone oder Fenster sind. Doch die Liebe macht vor den Grenzen nicht Halt.

Glauben Sie daran, dass es die eine große unvergängliche Liebe gibt?

Nemec: Ja, die gibt es natürlich. Ich habe einiges erlebt, darf ich dazu sagen und daher kann ich das bestätigen. Es gibt Paare, die lernen sich als junge Menschen kennen und bleiben ewig zusammen und Leute, die lernen sich kennen, trennen sich, gründen Familien und kommen später wieder zusammen.

Sind Sie ein Romantiker?

Nemec: Ja durchaus, ich versuche die Romantik so realistisch wie möglich zu zeigen, um nicht zu schmieren. Diese Romantik gibt es tatsächlich und wir wissen ja alle, wenn man verliebt ist, kommt einem das Gehirn teilweise abhanden.

Haben Sie sich wohlgefühlt in der Rolle des Verführers?

Nemec: Verführer klingt eigentlich negativ. Verführt kann nur werden, wer sich verführen lassen will. Sonst ist es Zwang. Es war ein Verführen im positiven Sinne, wenn man seine Emotionen zeigt.

Eine Verführung zur Liebe?

Nemec: Ja, denn die Liebe ist ja immer egoistisch. Man sagt ja auch "Ich liebe dich" und normalerweise nicht "Ich liebe dich so wie du bist". Es gibt einen bösen Satz bei Horvath, da heißt es: "Meiner Liebe entkommst du nicht." Das ist der Schluss eines Stückes und da ist die Liebe pervertiert. Das ist furchtbar.

Würden Sie im Zweifel auf Herz oder Verstand hören?

Nemec: Im Prinzip höre ich gerne auf Herz und Bauch, aber manchmal ist es unvernünftig das zu tun. Ich habe es aber trotzdem oft getan.

Wenn Sie zurückblicken - wie haben Sie Ihre besten Entscheidungen getroffen?

Nemec: Das waren gute Bauchentscheidungen. Ich bin da so veranlagt und habe lernen müssen, dass ich auch manchmal den Kopf einschalten muss.

Im Film sagen Sie, Sie hätten noch nie einen Reifen gewechselt. Sind Sie im wahren Leben begabter was Handwerkliches angeht?

Nemec: Absolut, in meiner Jugend habe ich ganze Autos zerlegt. Ich bin viel unterm Auto gelegen.

Der Film spielt in traumhaften Landschaften. Salzburg ist Ihnen ja auch vertraut. War der Dreh wie Heimkommen?

Nemec: Ja das war wie Heimkommen. Alle meine Freunde aus Freilassing haben mich besucht. Wir kennen die ganze Gegend, waren beim Skifahren dort und ich liebe diese Ecke. Das war sicher auch ein Grund, warum ich so viel Spaß am Dreh hatte.

Sie sind aber auch Ihrer Heimat Kroatien sehr verbunden. Waren Sie dieses Jahr schon unten?

Nemec: Ja schon drei oder vier Mal, einmal waren wir auch schon mit unserer kleinen Tochter unten. Die Verwandtschaft musste ja das Kind begutachten. Aber die langen Reisen sind nichts für die Kleinen. Im Oktober sind wir noch mal unten. Wir sind meist in Istrien, da kann man mit dem Auto gut hin, wirft alles rein, was man braucht - und so ein Kleinkind braucht ja mehr als ich und meine Frau zusammen. (lacht).

Haben Sie Ihre Hochzeit inzwischen im großen Kreis nachgefeiert?

Nemec: Ja, wir hatten eine große Feier in Freilassing. Da kam auch ein Teil meiner kroatischen Familie angereist. Ich bin auch mit meinen beiden Bands aufgetreten. In Kroatien feiern wir nicht mehr extra, das ist sowieso eine durchgehende Feier, wenn wir dort zu Besuch sind.

Sie stehen auf der Bühne, rocken, drehen Filme, haben noch kleine Kinder und gehen auf die 60 zu. Wie alt fühlen Sie sich?

Nemec: Ich muss manchmal Zeit finden, um darüber nachzudenken. Zum Glück habe ich nicht so viel Zeit. Aber ich denke schon auch über das Alter nach, das ist ganz klar. Jeder Zehner ist einfach eine Hürde und es ändert sich was.

Haben Sie schon darüber nachgedacht, wie Sie Ihren 60. Geburtstag feiern?

Nemec: Nicht direkt, aber eine Freundin aus Split hat mich gefragt: ,Hey Miro, nächstes Jahr müssen wir zusammen eine Bosna-Party feiern'. Und ich meinte: ,Na lass mal gucken, ob ich was machen will'. Jetzt haben wir dieses Jahr schon viel gefeiert, aber feiern sollte man. Also werden wir es wohl doch machen, vielleicht in Kroatien.

 

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