Gefahr einer Selbsttötung Noch kein konkretes Tatmotiv für Amokfahrt von Münster

Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster, steht am Tatort vor dem Kiepenkerl. Ein Mann war am 07.04. mit einem Kleintransporter vor dem Restaurant in eine Gruppe von Menschen gerast und hatte zwei von ihnen getötet. Anschließend erschoss er sich nach Polizeiangaben in dem Wagen selbst. Foto: Guido Kirchner/dpa

Nach dem Tod von drei Menschen in Münster stehen die Ermittlungen noch am Anfang. Forderungen nach mehr Pollern, um solche Taten zu verhindern, stoßen in der Politik auf Zurückhaltung: "Wir brauchen auch Rettungswege."

 

Düsseldorf - Nach der Amokfahrt von Münster gibt es noch keine Hinweise auf das konkrete Motiv. "Warum der Tatverdächtige mit seinem Auto in die Menschenmenge gefahren ist, ist noch unklar", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag in Düsseldorf. Nach bisherigem Ermittlungsstand sei der Mann psychisch krank gewesen und habe keinerlei politische Motivation gehabt. Bei seiner Todesfahrt in Münster hatte der Mann am Samstag zwei Menschen getötet und zahlreiche andere verletzt, bevor er sich in seinem Campingbus selbst erschoss.

Minister Herbert Reul bittet um Geduld bei der Aufklärung

"Die Ermittlungen sind erst am Anfang. Jetzt wird es kompliziert", sagte Reul. Er bat die Öffentlichkeit um Geduld. "Die Öffentlichkeit hat einen Anspruch auf gründliche Informationen, es gibt aber auch einen Anspruch auf gründliche Ermittlungen", betonte der Minister. "Wir können nicht jeden Tag etwas Neues verkünden."

Die Ermittlungen würden voraussichtlich viel Zeit brauchen. "Es bleibt mühsam", sagte Reul. Unklar sei unter anderem, woher die Pistole stamme, mit der der Mann sich nach seiner Amokfahrt erschossen habe.

Viele verschiedene Varianten von Schutzvorkehrungen

"Poller können helfen", sagte Reul zur Gefahrenabwehr. "Wir können aber nicht alle Städte zupollern, wir brauchen auch Rettungswege." Es gebe viele verschiedene Varianten von Schutzvorkehrungen, über die die Kommunen allein zu entscheiden hätten. Zur Wahrheit gehöre, dass Täter auch die teuersten Absperrungen etwa mit einem Messer oder einer Bombe in der Tasche umgehen könnten.

Die Regeln zum Umgang der Behörden mit Suizidgefährdeten halte er für ausreichend, sagte der Minister. Die Polizei hatte in der Vergangenheit bereits erfolglos versucht, den späteren Amokfahrer von Münster in seiner Wohnung aufzusuchen, weil es Hinweise auf die Gefahr einer Selbsttötung gegeben hatte.

Neben der Aufklärung der Tat stehe nun die Hilfe für die Opfer im Vordergrund, unterstrich der Innenminister. Dies betreffe auch die Menschen, die am Samstag auf der Kiepenkerl-Terrasse gesessen hätten und nicht körperlich verletzt worden seien. "Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Tisch und nebenan rauscht ein Wagen heran. Auch um diese Menschen muss sich jemand kümmern. Das packt man nicht einfach weg." Notfallseelsorger seien am Wochenende in großer Zahl im Einsatz gewesen.

 

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