Taten in Stuttgart und Bamberg Juwelier-Diebstahl in München: Jagt die Polizei eine Serienbande?

Der Sichtschutz am Eingang zum Juwelier Bucherer ist weg, eine Holzplatte mit Tür muss für die kommenden Tage als Provisorium genügen. Foto: rah

In Tarnkleidung räumen vier Männer den Juwelier Bucherer in der Residenzstraße aus. Es gibt offensichtliche, auffallende Parallelen zu vier ähnlichen Taten in Stuttgart und Bamberg.

 

München - Die Gangster tragen Militärkleidung. "Camouflage" heißt deshalb der Ermittlungskomplex gegen die Bande, die in den vergangenen zwölf Monaten in München, Bamberg und Stuttgart vermutlich fünf Mal zugeschlagen hat. Immer verwendeten die Täter ein Auto als Rammbock. Eine Blutspur könnte der Bande jetzt zum Verhängnis werden. Denn bei dem jüngsten Coup in der Residenzstraße hat sich ein Täter verletzt.

Auf dem Video der Überwachungskamera ist zu sehen, wie ein Audi A6 gegen 3.40 Uhr die Sicherungen im Eingangsbereich des Juweliers durchbricht. Anschließend zertrümmerten vier Männer in Tarnkleidung mit Hämmern die Vitrinen und räumen sie leer.

Täter verletzt sich an Glasscherben

Der Bande fielen Luxusuhren verschiedener Edelmarken in die Hände, zudem Schmuck. Der Wert der Beute soll nach AZ-Informationen bei über 1,5 Millionen liegen. Die vier von der Camouflage-Bande hatten nur wenig Minuten. In der Hektik verletzte sich einer der Männer an Glasscherben einer Vitrine. Blut wurde auch im Fluchtwagen, einem VW Golf, gefunden. "Die Verletzung ist so erheblich, dass der Betreffenden ärztliche Hilfe benötigt", sagt Kriminaloberrat Holger Schmidt.

Die Fahnder überprüfen derzeit Münchner Kliniken und Notfallpraxen. Sie suchen nach einem Patienten, der wegen einer Schnittverletzung behandelt wurde – bisher ohne Erfolg. Im Kriminallabor wird aus dem sichergestellten Blut ein genetischer Fingerabdruck erstellt. "Ein Ergebnis ist bis kommende Woche zu erwarten", sagt Polizeisprecher Ronny Ledwoch. Die DNA wird mit der Datenbank der Polizei abgeglichen, in der Straftäter gespeichert sind. Nach dem Coup vom Montag gingen bisher nur eine Hand voll Hinweise aus der Bevölkerung ein. "Sie werden überprüft, eine heiße Spur ist bisher nicht dabei", sagt Ronny Ledwoch.

Parallelen zu anderen Taten

Ein konkreter Ermittlungsansatz führt nach Stuttgart. Dort war am 9. Oktober 2019 ein Juwelier in der Eberhardstraße das Ziel. Auch hier trugen die Täter, zwei Männer, Jacken und Hosen mit Tarnmuster. Um 4.15 Uhr rammten sie mit einem gestohlenen Mazda CX-5 das Panzerglas des Eingangs. Doch der massive Sperrriegel an der Türinnenseite hielt. Der Coup scheiterte. Fluchtauto war, wie im Münchner Fall, ein gestohlener Golf.

Am 29. April 2019 war ein Juwelier in der Stuttgarter Kirchstraße das Ziel. Mit einem VW-Transporter rammten die Täter in der Nacht die Ladenscheibe, doch das Panzerglas hielt.

Auch in Bamberg hat die Camouflage-Bande offenbar zwei Mal zugeschlagen. Am 26. November 2019 rammten Männer mit einem gestohlenen Audi A6 gegen 4.15 Uhr morgens mehrmals den Eingang eines Juweliers. Die Panzerglasscheibe hielt. Die Täter gaben auf und flohen ohne Beute.

Am 14. Januar hatten vier Männer in einem gestohlenen Mazda SUV gegen 4.15 Uhr morgens die Panzerglasscheibe eines Juweliers am "Grünen Markt" durchbrochen. Sie trugen laut Zeugen dunkle Tarnkleidung und waren vermummt. Sie entkamen unerkannt mit Luxus-Uhren und teurem Schmuck.

Experte: "Ein Einbruch ohne Rolex ist sinnlos"

Ein Uhren- und Schmuck-Experte, der namentlich lieber nicht genannt werden will, sagt zur AZ: "Aufgrund der Rolex-Krise werden sie keine Rolex-Uhren erbeutet haben. Rolex gibt es momentan nicht zu kaufen – und auch nicht zu klauen. Ein Einbruch ohne Rolex ist sinnlos." Der Insider weiter: "Bei gestohlenen Uhren, ob Omega oder Hublot, geht es um den Wiederverkauf. Und der bringt ohne Papiere so gut wie nichts, denn jeder Käufer weiß, dass es sich um Diebesware handelt. Bei Rolex ist die Wiederverkaufssumme aufgrund des weltweiten Hypes so riesig, dass Käufer auch ohne die entsprechenden Papiere wissen, dass sie die Rolex-Uhren für viel Geld verkaufen können."

Der Experte glaubt: Von der geklauten Ware werden den vier Dieben nur 100.000 Euro bis 150.000 Euro bleiben.

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