Tarifverhandlungen MVG: Droht jetzt der nächste Streik?

Kein Durchkommen - die Rolltore an den U-Bahnhöfen bleiben wohl auch bei einem zweiten Warnstreik Ende Februar zu. Foto: Petra Schramek

Die U-Bahn-, Bus- und Tramfahrer gehen es wieder an: Die dbb-Tarifunion will für 800 Münchner Mitglieder 6,5 Prozent mehr Lohn. Am 15. Mai starten die Tarifverhandlungen. Bereits 2010 stand der Verkehr im Tarifstreit still

 

MÜNCHEN - „Da sind wir wieder“, sagt Willi Russ. Der Vize-Chef der dbb-Tarifunion scheint sich zu freuen. Sein lockerer Gruß aber weckt bei den Münchnern böse Erinnerungen.

Als die dbb im September 2010 das letzte Mal von sich reden machte, gab es wochenlange Streiks im Nahverkehr: Zur Wiesnzeit fielen U-Bahnen, Trams und Busse der MVG aus, am Italiener-Wochenende kam es am völlig überfüllten Bahnhof Marienplatz fast zu einer Massenpanik, die Polizei musste eingreifen.

Damals wollte die dbb für die Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL) fünf Prozent mehr Lohn herausschlagen. Heuer will sie für ihre rund 800 Münchner Mitglieder 6,5 Prozent oder mindestens 200 Euro Monatslohn mehr. Geht jetzt alles wieder von vorne los?

Am 15. Mai startet die dbb in die Verhandlungen mit den Münchner Stadtwerken – die die Forderungen für zu hoch hält. Die Friedenspflicht dauert bis 31. Mai – bis dahin dürfen die Arbeitnehmer nicht streiken. Die dbb will mit ihrer Forderung Reallohnverluste ausgleichen. Nach den Streiks Ende 2010 hatte man sich auf Lohnerhöhungen von 1,6 Prozent und noch einmal 1,9 Prozent geeinigt. Die steigenden Lebenshaltungskosten hätten das aber „völlig aufgezehrt“, sagt dbb-Verhandlungsführer Thomas Gelling.

Fahrer verdienten zwischen 1900 und maximal 2300 Euro brutto. „Wir sprechen hier also nicht von Großverdienern“, so Gelling.

Die dbb will auch Mängel bei der Arbeitszeit beheben. Die meisten Fahrer seien viel länger als 40 Stunden in der Woche bei der Arbeit. Diese Zusatzzeiten würden aber nicht angerechnet. Darunter fallen Unterbrechungen bei Ablösungen, bei Wendezeiten an Endhaltestellen und Wege zum und vom Pausenraum. Auch die Zeit vor und nach der Schicht, bei der die Fahrer ihre Fahrzeuge vorbereiten oder Geld abrechnen, zähle derzeit nicht zur Arbeitszeit.

Die gleichen Forderungen gab es schon 2010 – sie fielen beim Abschluss unter den Tisch. Auch eine Schlichtungskommission konnte diese Fragen bis heute nicht lösen.
Hoffentlich schaffen sie es dieses Mal – ohne Streik.

 

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