Tag der Muttersprache Banatschwäbisch: "Do ess mer Worscht un Kraulsalot"

Harald Schlapansky ist stolz darauf, Banatschwäbisch zu sprechen. Foto: Petra Schramek

Harald Schlapansky aus Pullach spricht Banatschwäbisch – ein Dialekt, der ums Überleben kämpft.

München - Wenn Harald Schlapansky aus Pullach gebeten wird, doch mal etwas in seiner Muttersprache zu sagen, trägt der 44-Jährige der Einfachheit halber gerne ein Gedicht vor: "Ich bin a Schob vom Schwoweland. Ich hab fünf Fingre an jeder Hand. Esse und tringe kann ich gut. Un rede tu ich wie’s mer kummt. Meine Heimat is Banot. Do ess mer Worscht un Krautsalot. Schlachte im Johr fünf bis sechs Stick Schwein. Un tringe herzu a gude Wein."

Was beim ersten Hören wie eine reichlich verwirrende Mischung aus Pfälzisch, Fränkisch und Bairisch klingt, ist in Wahrheit Banatschwäbisch. Eine Mundart, die ihren Ursprung im sogenannten Banat, einer Region zwischen Donau, Theiß, Marosch und den Ausläufern der Südkarpaten hat.

Aus taktischen Gründen siedelten die Habsburger nach dem Rückzug des osmanischen Reichs im 18. Jahrhundert hier nach und nach Deutsche an. Die vornehmlich aus Franken, Hessen, Bayern, dem Elsass und aus Lothringen stammenden Siedler brachten ihre Heimatdialekte mit und vermischten sie je nach Region auch mit österreichischen, ungarischen und rumänischen Einflüssen. So entstand eine Vielzahl an Dialekten. Heute sind sie unter dem Namen Banatschwäbisch zusammengefasst.

Schlapansky selbst kommt aus Bakowa in Rumänien. Bis zu seinem 17. Lebensjahr hat er dort gelebt – und Mundart gesprochen. "Banatschwäbisch war bei uns zuhause Umgangssprache und somit die erste Sprache, die ich gelernt habe, noch vor Hochdeutsch und später in der Schule Rumänisch", erzählt er.

Auch als die Familie nach Deutschland zog, blieb der Dialekt. "Noch heute rede ich mit meinen Eltern Banatschwäbisch", erzählt Schlapansky.

Für ihn spielt die Mundart, die viele zunächst ungewöhnlich finden, auch sonst im Alltag eine große Rolle. Schlapansky ist Stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben und leitet die Jugendorganisation des Vereins. Für ihn ist die Vereinsarbeit eine Möglichkeit, seine Liebe zum Dialekt auch an die nachfolgende Generation weiterzugeben.

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Die Jugendlichen lernen bei den Treffen, Lieder in der Mundart zu singen, und wenn alle zusammensitzen, wird sich auch mal auf Banatschwäbisch unterhalten. "Sich so unter Gleichgesinnten auszutauschen, freut mich immer sehr," sagt Schlapansky.

Dabei sah es lange Zeit nicht gut aus für den Dialekt. Insbesondere unter Spätaussiedlern, die erst im Laufe der 90er Jahre wieder nach Deutschland kamen, war die Mundart lange verpönt. Zeigte sie doch sofort an, woher man kam. Eltern gaben sich in dieser Zeit besonders große Mühe, mit den Kindern nur Hochdeutsch zu sprechen.

Erst vor zehn Jahren habe sich dieser Trend wieder umgedreht, so Schlapansky. So sei es heute nichts Ungewöhnliches, dass Jugendliche, die zwar in Deutschland geboren wurden, dank ihrer Eltern und Großeltern heute trotzdem noch den Dialekt sprechen. Das freut Schlapansky. "Einige Familien pflegen das. Das finde ich sehr gut. Banatschwäbisch sprechen zu können, ist etwas, worauf man stolz sein kann."

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