Tabu-Thema Männterunterhosen Lang - und trotzdem sexy

Es muss nicht immer Schiesser Feinripp sein: Bunte Männerunterhosen sind angesagt.. Foto: az

Jahrzehntelang war sie als Opa-Beinkleid verschrieen. Jetzt feiert die lange Unterhose unter dem Namen Long John und mit schrillen Designs ein Comeback

 

München - Der eine ist empört: „Ich doch nicht“. Der andere meint: „Die sind doch nur was für Frauen.“ Nur einige bekennen: „Klar trage ich sie, wenn es richtig kalt ist.“ Die Rede ist von langen Unterhosen – eines der letzten Tabu-Themen der Männerwelt. Denn immer noch überwiegt die Zahl derer, die es für ziemlich uncool halten, sich gegen die Kälte mit einem Beinkleid zu schützen. Doch wie viele Männerbastionen scheint auch diese zu fallen.

Das liegt vor allem an der sich wandelnden Mode. Die Zeiten sind vorbei, in denen das zweite Beinkleid als Liebestöter, als ziemlich unsexy galt. Braune oder beige schlabbrige Teile, die fürchterlich kratzten, wurden gegen Ende der 50er Jahre abgelöst von den legendären „Schiesser Feinripp“. Unförmige Schnitte, schnell ausleiernder Bund und der berühmte „Eingriff“, der den Zugriff zum besten Stück ermöglichte, sind legendär.

Kein Wunder, dass sich Mann in denen nicht gerne vor Frauen zeigt. Und auch nicht zur wärmenden Hose bekennt. „Wenn man das erzählt, wird man eh nur veräppelt“, sagt ein 50-Jähriger, der sich als Lange-Unterhosen-Fan nicht zu erkennen geben will. Dabei können er und seine Mitträger auf eine lange Tradition zurückblicken.

Schon die alten Germanen wussten, was sie an der langen Hose hatten. Die langen Unterhosen gehen auf deren lange Beinkleider zurück, sagt die Leiterin des Modemuseums München, Isabella Belting. Im Mittelalter trugen Männer lange oder kurze Leinenunterhosen zum Schutz gegen die Kälte. Auch im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg waren lange Unterhosen regelrecht in. Wann der Wandel einsetzte, ab wann die „Langen“ als unmännlich, weichlich galten, ist nicht überliefert – und es ist natürlich ein Vorurteil.

Es sei eine „irrationale Vorstellung von Männlichkeit“, sagt der Paartherapeut Rüdiger Wacker: „Der richtige Mann hat Muskeln, ist durchtrainiert, hat Bartwuchs – und darf keine lange Unterhosen tragen.“ Natürlich sei man auch ein Mann, wenn man dieses wärmende Kleidungsstück trage. Dabei sei dieses Ding doch nichts anderes als andere spezialisierte Kleidung, wie eine Mütze, die man sich bei Kälte über die Ohren ziehe, oder eine Anglerhose. „Wer lange Unterhosen anhat, der hat ja wohl auch ein ausreichendes Selbstwertgefühl, wenn er sich um solche Vorurteile und Klischees nicht kümmert“, sagt der Psychologe.

Und die Branche reagiert auf die neue Männerrolle – auch mit Tricks. Die langen Unterhosen werden zu „Long Johns“. Der hippe Begriff meint eigentlich die knallengen Neoprenanzüge mit langen Beinen. So hat zum Beispiel der Wäschehersteller Bruno Banani eine neue Kollektion herausgebracht: eng anliegend, in gewagten Farben wie kobaltgrau, orange, giftgrün.

Den Vogel schießt Intouch ab – mit einer langen Unterhose im Rosenlook à la Romantik-Tapete. Auch von Schiesser kommen neue Designs – doch auch den Klassiker gibt es noch – für die, die sexy nicht nötig haben. [

 

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