Szene-Lokal auf der Leopoldstraße Roxy schließt: Das Ende einer Legende

Clemens Hagen.
Sitzen konnte man hier zu jeder Jahreszeit – und zum Schauen hat es immer was gegeben vor dem Roxy in der Leopoldstraße. Foto: AZ-Archiv

Nach 27 Jahren macht das ehemalige In-Lokal Roxy an der Leopoldstraße Platz für eine Pizzeria. Die AZ schaut ein bisserl wehmütig zurück.

 

München - Auf der Internetseite wird zwar immer noch ein „Koch (m/w) für asiatische und deutsche Küche“ gesucht – doch im Roxy auf der Leopoldstraße bleibt die Küche kalt. Wieder stirbt ein Stück älteres Schwabing, wieder macht ein Straßencafé dicht, in denen das Sehen und das Gesehenwerden das Allerwichtigste war. Das Aus nach 27 Jahren.

Ein Sitzplatz, front row, versteht sich, also direkt am Trottoir, wo im Sommer miniberockte Schönheiten, oft ein Eis schleckend, entlang flanierten – mei, was gab’s Schöneres für einen Münchner Buam? (Gut, den Touristen, die einen der heiß begehrten Plätze ergattern konnten, dürfte die Aussicht auch gefallen haben.)

Nun hat es also auch das Roxy erwischt, so wie viele Jahre zuvor schon das legendäre Eiscafé Venezia diagonal gegenüber auf der anderen Seite der „Leo“ – und so viele andere coole Plätze auf Münchens berühmtem Prachtboulevard. Stattdessen gibt’s jetzt diverse orientalische Shisha-Bars, in denen man Wasserpfeife mit Wassermelonen-Geschmack rauchen kann.

Wer’s mag. Im Roxy rauchte man zum Espresso noch gepflegt seine Gauloises oder Marlboro oder Camel oder was auch immer – Hauptsache echten Tabak halt. Tempi passati.

Besonders beliebt bei der Schwabinger Jugend

Nun lohnt es nicht, in den ewigen Früher-war-alles-besser-Trott zu verfallen. Die Speisen im Roxy waren nämlich eigentlich nie wirklich gut, abgesehen vom Frühstück. Aber was kann bei Spiegel- oder Rührei auch schon groß schiefgehen? Im Gegensatz zum Essen waren die Drinks übrigens angesichts der für die Lage moderaten Preise ganz okay, sieht man einmal vom „Leo“ ab, einer eher dubiosen Weinmix-Eigenkreation mit – richtig – Wassermelonensirup.

Die Schwabinger Jugend und die vermeintlich Junggebliebenen schätzten das Roxy dennoch. Man traf sich dort abends zum Vorglühen und am nächsten Tag zum „Katerbrunch“ gleich wieder. In welchem Schwabinger Lokal war bzw. ist das sonst noch so möglich (vom Café Reitschule vielleicht einmal abgesehen)? Ein Highlight im Roxy war das eiskalte Bier „to go“, das man sich holen konnte, wenn nach einem großen Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft auf der Feiermeile „Leo“ mal wieder die Nacht zum Tag gemacht wurde. Eine Anlaufstelle, die bei der Europameisterschaft gerade manchem defintiv doch gefehlt hat.

Ein Italiener übernimmt

Ja, was bleibt denn nun vom Roxy neben den Erinnerungen an die etwas angestaubte Einrichtung mit den Holztischen, den dicken Säulen, der geschwungenen Deckenbeleuchtung und dem prominenten Ex-Besitzer Gabriel Lewy (der das Roxy 2008 verkauft hatte), dem Ex-Lebensgefährten der noch viel prominenteren Iris Berben? Im Gedächtnis haften geblieben sind vor allem eben jene schönen Nachmittage und Abende, die man, miteinander ratschend, im Roxy verbracht hat, während die Schönen der Stadt in einem scheinbar endlosen Tross an einem vorbeizogen. Großes Kino war’s.

Jetzt wird, Ende Juli wohl, an gleicher Stelle das Via Appia eröffnen, ein Italiener, dessen Name von der berühmtesten antiken Straße der Welt herrührt, die Rom über 540 Kilometer mit Brindisi tief im Süden Italienes verband. Gerade wird das Roxy entkernt und neu eingerichtet, mit offener Küche und Platz für 170 Gäste und mediterranem Flair, wie der neue Geschäftsführer der AZ erzählt.

Ein fettes Plakat am Bauzaun vorm alten Roxy verrät übrigens, dass das Land Bayern das neue Via Appia mit staatlichen Mitteln fördert. Eine siebenstellige Investitionssumme in die Zukunft.

Spezialität in der neuen Italo-Kette wird übrigens Pizza sein, die im Via Appia am laufenden Meter angeboten werden wird. Einen Koch für asiatische und deutsche Küche braucht’s da wohl keinen mehr.

 

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