System oder Einstellung? Eine Krise namens Carlo: Die Fehler des Trainers

Gerät in die Kritik: Bayerns Trainer Carlo Ancelotti. Foto: EPA/MAXIM SHIPENKOV

Nach der Rostow-Pleite drohen in der Königsklasse nun Real oder Barcelona. Trainer Ancelotti kritisiert die Einstellung – dabei hat Bayern ganz andere Probleme. Rummenigge fordert: „Besser machen“.

 

München -Uli Hoeneß, der Rückkehrer. Uli Hoeneß, der Retter? Nein, so schlimm ist die Lage gewiss noch nicht beim FC Bayern nach der 2:3-Niederlage in der Champions League gegen den FK Rostow, nach dem Verlust der Tabellenführung in der Bundesliga und nur einem Sieg aus den letzten vier Spielen.

Und doch dürfte die Sehnsucht der Bayern-Fans nach ihrem früheren und auch künftigen Präsidenten am Freitagabend noch größer sein als ohnehin schon: Die Mitgliederversammlung (ab 19 Uhr im Audi Dome), bei der Hoeneß wieder ins höchste Bayern-Amt gewählt wird, wollten die Bayern eigentlich mit einer Siegesserie vorbereiten. Es sollte ein harmonischer Abend der Bayern-Familie werden, kuschelig, mit dem Hoeneß-Comeback als Höhepunkt.

Nun ist es ein Termin, der eine Stimmungswende herbeiführen soll. Genauer: Uli Hoeneß soll für diese Stimmungswende sorgen. Man wird jedem seiner Worte noch genauer lauschen. Vor allem dürfte die Bayern-Mitglieder interessieren, was Hoeneß zur sportlichen Krise sagt. Spätestens seit Mittwochabend ist die (auch) eine Krise des Trainers.

Der FCB-Coach ist enttäuscht

„Ich bin richtig enttäuscht von unserem Auftritt“, sagte Carlo Ancelotti nach der Blamage im frostigen Russland, die den Bayern jede Chance auf den Gruppensieg nahm. Nun drohen schon im Achtelfinale Gegner wie der FC Barcelona oder Real Madrid. War Carlo auch enttäuscht von sich selbst? Offenbar. „Ich übernehme die volle Verantwortung“, führte der Coach weiter aus: „Wir müssen sofort an unserer Einstellung arbeiten.“

Eine überraschende Erkenntnis. Hatte nicht Pep Guardiola, Ancelottis Vorgänger, immer wieder betont, wie toptoptop die Einstellung seiner Stars doch sei? Jedes Training, jedes Spiel am Limit, das zeichnete die Pep-Bayern aus – mit all den Nebenwirkungen, die dann im Frühjahr sichtbar wurden, als die Bayern kraftlos in der Champions League scheiterten. Aber die Einstellung? Sie dürfte das geringste Problem dieser Mannschaft sein. Sie ist aktuell vor allem eines: verunsichert.

„Die Umstellung zwischen dem System Guardiola und System Ancelotti, so es denn eines gibt, fällt schwer“, sagte Oliver Kahn im ZDF: „Der Anpassungsprozess läuft, es befinden sich gerade alle zwischen den Philosophien.“ Der Ex-Bayern-Torhüter formulierte damit einen wichtigen Punkt: Für welchen Fußball will Ancelotti eigentlich stehen? Und: Passt seine Idee überhaupt zu den Spielern des Meisters?

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Wenig Druck, kaum Positionswechsel

Der Italiener hält weiter starr an seinem 4-3-3-System fest, in dem die Bayern einen Offensivstar weniger auf dem Platz haben als unter Guardiola. Die Folge: Es fehlt an Druck nach vorne, Positionswechsel finden kaum statt, einem Spieler wie Thomas Müller, der oft an der Außenlinie klebt, werden damit die größten Stärken geraubt. Der Weltmeister ist das Gesicht der Krise und eines ihrer größten Opfer. Ancelotti lässt ihn immer häufiger draußen, auch in Rostow. Nach seiner Einwechslung wirkte Müller so, als habe er jegliches Selbstvertrauen verloren.

Das Bayern-Spiel hängt von Einzelaktionen ab, Laufwege nach vorne sind kaum zu erkennen. Aber wie auch? Ancelotti wechselt sein Team ständig durch, in Rostow waren es sechs Veränderungen zum 0:1 in Dortmund. „Auch wenn so viele Wechsel vollzogen werden, stehen immer noch so viele gestandene Nationalspieler auf dem Feld. Das darf keine Ausrede sein“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Stimmt. Leistungsfördernd war Carlos Rotation bis jetzt aber eben auch nicht.

Und so stehen die Bayern und ihr Trainer tatsächlich schon unter Beobachtung. „Wir müssen es speziell am Samstag gegen Leverkusen besser machen“, forderte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Bei einer weiteren Niederlage könnte Aufsteiger RB Leipzig schon auf sechs Punkte davonziehen. Man darf gespannt sein, was Uli Hoeneß am Freitag zu diesem Thema sagt.

 

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