Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Was die Musiker mit Mariss Jansons planen

Mariss Jansons. Foto: BR/Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Das Symphonieorchester des BR streicht den Echo aus seiner Biografie und plant in der neuen Saison eine „Walküre“ mit Simon Rattle

Zurückgeben wird das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks seine Echos wegen der Auszeichnung für die Battle-Rapper Kollegah und Farid Bang nicht. Aber sie wurden aus der Biografie des Orchesters gestrichen. Mit einer Rückgabe wolle man sich aber nicht profilieren.

Der Preis habe ohnehin nicht so große Bedeutung, da er sich an den Verkaufszahlen orientiere und nicht rein an der künstlerischen Leistung, sagten der Orchestervorstand Stefan Tischler und der Orchestermanager Nikolaus Pont am Rand der Vorstellung der neuen Saison im Literaturhaus.

Nach Ansicht des Chefdirigenten Mariss Jansons liegt das Problem ohnehin tiefer. Wenn man es mit der Rückgabe eines Preises lösen könnte, wäre das ein sehr leichter Weg, sagte der Musiker, der 1943 im Ghetto von Riga als Sohn einer jüdischen Mutter zur Welt kam. Es habe vielmehr mit Intelligenz, Kultur und Mentalität zu tun, ob man verstehe, dass man so etwas nicht machen könne. Er habe sich mit den umstrittenen Texten von Farid Bang und Kollegah beschäftigt. „Das ist über die Grenze“, erklärte er.

Der Chef dirgiert lieber auswärts statt in München

Jansons dirigiert in der kommenden Saison 14 Konzerte des BR-Symphonieorchesters in München, eines in Nürnberg und 18 auf Tourneen, überwiegend in Japan. Die Reisen sind wichtig für das internationale Ansehen und den inneren Zusammenhalt des Orchesters. Trotzdem besteht hier eine gewisse Schieflage, weil der hiesige Gebührenzahler nicht für das asiatische Musikleben zuständig ist.

Jansons scheint das auch zu ahnen, denn bereits auf die Frage nach den nackten Zahlen reagierte er ein wenig gereizt. Bei den ebenfalls reisefreudigen Münchner Philharmonikern ist das Verhältnis ausgewogener: Valery Gergiev leitet sein Orchester im Gasteig an 22 Abenden (ohne das Festival MPhil 360 Grad) und an 24 Terminen außerhalb Münchens.

Das BR-Symphonieorchester verstärkt seine innerbayerischen Aktivitäten mit Auftritten in Ottobeuren, Weiden und Nürnberg sowie flächendeckeden Educaction-Aktivitäten im Freistaat. Aber im Zentrum bleibt das Kerngeschäft. Ein Höhepunkt – jenseits der Konzerte des Chefdirigenten – wird gewiss die konzertante „Walküre“ unter Simon Rattle im Herkulessaal. Weitere Programme leiten Herbert Blomstedt, Christoph von Dohnányi, Daniele Gatti, Iván Fischer, Bernard Haitink, Daniel Harding und Franz Welser-Möst. Der japanische Originalklangexperte Masaaki Suzuki debütiert mit Mendelssohns „Paulus“, Jakub Hruša bringt die „Asrael-Symphonie“ von Josef Suk mit.

Vor dem Einzug der Umzug

Artist in Residence ist in dieser Saison der Geiger Leonidas Kavakos, der neben seinen Auftritten als Solist auch ein Beethoven-Programm leiten wird. Außerdem wird der 70. Geburtstag des Orchesters gefeiert: am 29. Juni 2019 mit einem „Tag der offenen Tür“ im Werksviertel, dem Standort des künftigen Konzerthauses München. Dessen Planung befindet sich auf einem guten Weg, obwohl im Zuge der Kabinettsumbildung die Zuständigkeit vom Innen- ins Heimatministerium gewechselt ist. Mit einem baldigen Kabinettsbeschluss zum Bau ist zu rechnen.

Jansons rechnet, an diesem Vormittag etwas melancholisch gestimmt, nicht damit, den neuen Saal zu eröffnen. Bevor der Neubau fertig wird, wird das BR-Symphonieorchester 2021 allerdings noch wie die Philharmoniker ins Gasteig-Provisorium an der Brudermühlbrücke umziehen. Orchestermanager Nikolaus Pont freut darüber, dass sich die Stadt für die große Lösung mit 1800 Plätzen entschieden hat, wirkt aber weniger begeistert von der Aussicht, dass der Wechsel mitten in der Spielzeit stattfinden wird. Und: „Der Umzug ist eine Herausforderung für alle – auch für die privaten Veranstalter. Es besteht die Chance, dass wir in Thalkirchen ein neues Publikum dazugewinnen“, sagt Pont. „Aber es ist genau so wichtig, die treuen Abonnenten zu halten.“

Die Saisonbroschüre kann über die E-Mailadresse symphonieorchester@br.de kostenlos angefordert werden

 

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