Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Herbert Blomstedt dirigiert Mozart

Herbert Blomstedt dirigiert den Chor und das BR-Symphonieorchester im Gasteig. Foto: Astrid Ackermann

Das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks mit Mozart unter Herbert Blomstedt

 

Er legt den linken Zeigefinger an die Lippen. Leise, liebe Streicher, leise! Bitte nicht in die kammermusikalische Intimität hineinplatzen, die da gerade entstanden ist: Marco Postinghel (Fagott), Stefan Schilli (Oboe) und Henrik Wiese (Flöte) sind nach vorne gekommen und stehen als Solistengruppe neben Sopranistin Christina Landshamer. Dieser innige „Incarnatus“ der Mozart-Messe will sanft aufgelöst werden.

Es ist einer von vielen berührenden und überraschenden Momenten, die Herbert Blomstedt an diesem Abend mit Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks im Gasteig zaubert. Nach zuletzt sehr bunten Programmen des BR-Symphonieorchesters ist dieser pure Mozart-Abend mit der c-Moll-Messe (KV 427, ergänzte Fassung von Helmut Eder) und im ersten Teil der Symphonie Nr. 39 in Es-Dur (KV 543) ein festlicher Jahresabschluss. Noch dazu steht da ein beim Publikum und Orchester gleichermaßen beliebter, seit Jahrzehnten wiederkehrender Gastdirigent – das ist eine sichere Bank.

Aber auf der ruht sich ein Herbert Blomstedt nicht aus. Der 92-Jährige schafft es, eine neue Interpretation eines 237 Jahre alten Musikstücks zu finden. Blomstedt, der ewig Neugierige, ist geistig in Bewegung und überträgt dies auf den Klangkörper: Die Posaunisten sitzen nicht im Orchester, sondern stehen neben dem Chor, ein optischer und akustischer Glanzeffekt. Sänger und Sängerinnen wechseln während des Stücks ist Positionen und bilden unterschiedliche Gruppen, sodass etwa der Doppelchor im „Gloria“ wie ein Wechselgesang erklingt. Auch Christina Landshamer und die kurzfristig eingesprungene Tara Erraught gestalten ihr Duett als Dialog unterschiedlicher Stimmfarben und Ausdrücke.

Die Kunst zwischen Demut und Jubel

Blomstedts Mozart-Messe ist ein steter Wechsel zwischen kleiner und großer Form, wisperndem Pianissimo und ausgelassenem Fortissimo, zwischen Demut und Jubel, Schrecken und Geborgenheit. Mit entschiedenen Handkantenschlägen oder auch nur mit leicht angehobener Augenbraue dirigiert er sein Orchester.

Bei der Symphonie arbeitet er weniger die Gegensätze als die Details heraus und lässt dadurch vom ersten Takt an aufhorchen: Im ersten Satz fordert er von den Streichern mit Akzenten aus dem Handgelenk extrem exaktes Spiel, was zu einer erfrischenden Leichtigkeit führt.

Er gibt den Klarinetten prominent Raum, inszeniert Holzbläserpassagen wie kleine Spiel-im-Spiel-Schauplätze und macht im vierten Satz so viel Tempo, dass er möglichen Pomp damit einfach weggewirbelt.
Am Ende des Abends reißt Blomstedt zum donnernden „Hosanna in Excelsis Deo“ beide Arme hoch zum Himmel – und lässt sie so langsam sinken, dass der letzte Klang erst im Saal, dann auch in den Herzen ausschwingen kann und vor den Applaus ein Moment echter Stille entsteht.

Das Konzert kann auf der Homepage von BR-Klassik in der Mediathek nachgehört werden 

 

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