Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Daniel Harding und Isabelle Faust mit Schönberg

Isabelle Faust probt mit Daniel Harding und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Herkulessaal. Foto: Peter Meisel/BR

Isabelle Faust, Daniel Harding und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Schönberg und Beethoven

Auf 50 Aufführungen von Alban Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ kommt, vielleicht, eine von Arnold Schönbergs Beitrag zu dieser Gattung. In diesem 1940 uraufgeführten Werk gibt es keine Zwölftonreihen, die letztlich doch wieder auf die gute alte Spätromantik hinauslaufen. Und auch kein Kärntner Lied und keine Erlösung im Geist von Johann Sebastian Bach. Es ist eine harte, sperrige und gegen Ende auch absichtsvoll grimmig-böse Musik. Typischer Schönberg eben.

Im Herbst spielte Patricia Kopatchinskaja das Schönberg-Konzert mit dem Staatsorchester unter Kirill Petrenko im Nationaltheater. Nun wagte sich Isabelle Faust mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Daniel Harding im Herkulessaal an dieses spröde Werk. Und wiederum zeigte sich: Wenn dieses Violinkonzert mit vollem Einsatz und mit Überzeugung gewagt wird, kann es einem durchaus ans Herz wachsen.

Knirschender Prunk

Im Unterschied zur Kopatchinskaja, die das Verspielt-Virtuose von Schönbergs Musik betonte, brachte Isabelle Faust das Wort von der „Strenge mit knirschendem Prunk“ zum Klingen, mit dem der Musikwissenschaftler Rudolf Stephan einmal dieses Konzert charakterisierte. Die verfremdeten Walzer und Anfälle überbordender Heiterkeit unterschlug die Geigerin keineswegs. Aber das war Teil einer bohrenden Ausdrucksmusik, die Isabelle Faust mit dunkel glühender G-Saite zum sinnlichen Ereignis machte, das bei Schönberg bis heute selten genug hör wird, obwohl es dem Komponisten mindestens so wichtig ist wie die ausgetüftelten Zwölftonreihen.

Die Begleitung erfolgte im Herkulessaal ähnlich kongenial wie im Nationaltheater. Daniel Harding vermied mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks den typischen massigen Schönberg-Sound. Er lichtet auf, betonte das Filigrane und sorgte beim vollen Orchester für eine Beimischung von beißender Schärfe. Wie sehr sich die anfängliche Heiterkeit im langsamen Satz verdüstert und wie sehr es sich im Marsch-Finale um einen grotesken Totentanz mit katastrophischem Schluss handelt, machte Harding unmissverständlich klar.

Seidiger Klang

Als Zugabe spielte Isabelle Faust nicht den üblichen Bach, sondern – dem Vernehmen nach – einen Satz aus einer überraschend gegenwärtig klingenden Solo-Sonate des vergessenen spätbarocken Komponisten Georg Pisendel. Dann folgte Ludwig van Beethovens „Pastorale“, deren minimalistische Klangflächen in mittleren Aufführungen durchaus edle Langeweile verbreiten können.

Keine Spur davon an diesem Abend. Das Orchester wahrte das Gleichgewicht zwischen Bläsern und Streichern, die einen sehr seidigen Klang mit sorgfältig dosiertem Vibrato kultivierten. Nie ließ sich das Orchester zu jener vollsaftigen Musikantik hinreißen, mit der beim BR gerne die Routine überspielt wird.

Harding wählte vergleichsweise rasche, aber nicht überhetzte Tempi in dieser Symphonie ohne langsamen Satz. Die Vogelstimmen-Episode bildete den Ruhepunkt in einem steten Fluss mit sanft an- und abschwellender Dynamik. Nur am Ende stellte sich nicht ganz die gelöste Heiterkeit ein. Aber das könnte auch interpretatorische Absicht gewesen sein. Ein aufregendes Konzert.

Eine Aufzeichnung des Konzerts online in der Mediathek von BR-Klassik
 

 

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