Svetislav Pesic im Interview Pesic, Hoeneß und die Prioriät Basketball

Svetislav Pesic: "Ich habe nicht so viel Zeit, über meine Zukunft als Trainer nachzudenken. Aber ich bin natürlich weiter im Basketball involviert." Foto: dpa

Svetislav Pesic, Ex-Coach der Basketballer des FC Bayern, spricht exklusiv in der AZ über seine Gesundheit nach der Knie-OP – und was es bedeuten würde, wenn Uli Hoeneß wieder Präsident wird.

München - Der jetzt 67-jährige Serbe war Nationaltrainer, führte die deutschen Basketballer 1993 sensationell zum EM-Titel. Von 2012 bis 2016 war er Coach der Bayern-Basketballer, gewann 2014 die deutsche Meisterschaft. Nach der vergangenen Saison zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.

AZ: Herr Pesic, vorab die Frage nach der Gesundheit: Wie geht’s den Knien? Die haben Sie schließlich gezwungen, Ihren Job als Trainer der Basketballer des FC Bayern aufzugeben.
SVETISLAV PESIC: Langsam besser, aber das dauert noch. Im linken Knie habe ich im April starke Schmerzen bekommen – weil ich das rechte zu lange geschont hatte. Dazu noch Innen- und Außenmeniskus. Das habe ich nach Saisonende operieren lassen, um das linke Knie quasi auf die schwere OP am rechten Knie vorzubereiten. Die Verletzung dort ist noch aus meiner Zeit als Spieler in den 70er-Jahren. Drei Mal hatte ich da schon eine Arthroskopie. Vor zwei Jahren hätte das operiert werden sollen, aber es hat ja nie gepasst: immer Basketball, immer Basketball. Jetzt musste ich dafür zahlen, habe ich ein neues Knie, mit künstlichem Gelenk.

Aber Sie sind guter Dinge?
Das wird schon. Es ist wie Tango tanzen: zwei Schritte vor, einer zurück.

Nur, dass Tango mehr Spaß macht als Reha. Aber langweilig wird es Ihnen so nicht, oder?
Ich war sieben, acht Wochen in Bad Wiessee im Medical Center und bin nun jeden Tag ambulant bei Dr. Müller-Wohlfahrt in Behandlung. Gehen geht schon, aber ich kann noch nicht richtig beugen und strecken.

Das erste Heimspiel Ihrer Bayern gegen Würzburg haben Sie sich nicht entgehen lassen...
Ich komme ab und zu zum Training abends – ich hab’ ja Zeit jetzt. Ich schaue ein bisschen zu, setze mich mit dem Trainer zusammen, und wir gehen essen. Eigentlich bin ich gar nicht weg. Aber ich muss jetzt auch an mich denken.

Wie haben Sie die ersten Spiele Ihres alten Teams erlebt?
Da ist wie immer ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen. Beim FC Bayern ist es immer dasselbe: Wenn wir gewinnen, ist das ganz normal. Wenn wir aber verlieren, dann machen sich alle direkt Gedanken. Die neue Mannschaft entwickelt sich meiner Meinung nach sehr gut. Sie braucht halt Zeit, und davon gibt es immer wenig. Die Leute sind ungeduldig. Wenn das alles von uns und von den Trainern abhängig ist, dann sehe ich die Zukunft durchaus optimistisch. Aber leider hängt nicht alles von uns, von der Mannschaft ab.

Ist das Team Ihrer Ansicht nach komplett oder fehlt noch der ein oder andere Spieler?
Ich glaube, dass das ein sehr gutes Team mit sehr guten Spielern ist. Alle Positionen sind toll besetzt – aber jetzt muss trainiert und gearbeitet werden. Es gibt keinen Automatismus im Spitzensport.

Ihr Sohn Marko hat unlängst gesagt, mit Ihrem Nachfolger Aleksandar Djordjevic beginne eine neue Ära. Sie kennen ihn schon sehr lange. Was macht er anders als Sie?
Jeder Trainer hat seine Methodik. Man sollte nicht zu viel philosophieren, was anders, besser oder schlechter ist. In der momentanen Phase braucht das Team viel Zusammenspiel. Sechs neue Spieler, neuer Trainer: Die müssen sich noch besser kennenlernen. Deshalb wird auch im Training viel gespielt und weniger an individuellen technischen Details gearbeitet, warum welches Bein wann wo steht oder nicht.

Es steht zu erwarten, dass Uli Hoeneß bald wieder Präsident des FC Bayern ist. Wie würde sich das auf Basketball auswirken?
Wenn er nochmal Präsident wird, bin ich zu hundert Prozent sicher, dass Basketball wieder so eine Priorität bekommt, wie damals, als ich gekommen bin.

Wie sieht Ihr Karriereplan aus? Wird es den Trainer Pesic bald wieder geben?
Ich hoffe! Es beginnt ein neuer olympischer Zyklus – ich bereite mich jetzt vor. Zuerst muss ich gesund sein. Ich bin jeden Tag beschäftigt – aber mit mir selber. Auch zuhause ist Training. Die Muskulatur hat sich 30 Jahre lang verkürzt - da muss viel gemacht werden. Deswegen habe ich nicht so viel Zeit, über meine Zukunft als Trainer nachzudenken. Aber ich bin natürlich weiter im Basketball involviert.

 

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