Südkurven-aktion Die Angst vor den Fans

Bayern-Fans rasten beim Gladbach-Spiel aus: „Wer den Blauen Millionen zuschiebt, hat unser Vertrauen nicht verdient. Hoeneß, du Lügner“, war auf Plakaten zu lesen. Foto: firo


Auch zwei Tage nach der Südkurven-Aktion mag sich der FC Bayern nicht äußern - die Diskussion wird erst einmal aufgeschoben.

 

München - Es gibt nicht viele Sportvereine, die mehr Mitglieder haben als der FC Bayern. Bei Benfica Lissabon sind es 200000, beim FC Barcelona kaum weniger und beim deutschen Rekordmeister 195710 (Stand Februar 2011). Im abgelaufenen Geschäftsjahr setzte Bayern 39 Millionen Euro mit Merchandising um. Die Mitglieder sind organisiert in 2830 Fanklubs. Doch einige von ihnen sind nicht gut auf die Führung ihres Klubs zu sprechen. Sie sind sauer, und zwar dermaßen, dass sie den Klubpräsidenten im Stadion 90 Minuten lang mit einer Plakat-Aktion beleidigen. Und was tut der FC Bayern? Schweigt. Aus Angst vor den eigenen Fans?

Auch an Tag zwei nach der plakativen Hoeneß-Beschimpfe fehlt von der Vereinsführung (bis auf Christian Nerlingers „Eine Schande für den FC Bayern“) bislang jegliche Stellungnahme. Auf den bereits in der vergangenen Woche veröffentlichten Offenen Brief der Fanclub-Organisation „Club Nr. 12“ an Uli Hoeneß bekamen die Fans noch keine direkte Reaktion. „Es hieß in einem kurzen Telefonat nur ’Wir müssen darüber ausführlich sprechen’“, meinte Stefan Viehauser vom „Club Nr. 12“, „ansonsten können wir noch nichts Handfestes vermelden“ Man werde praktisch dazu erzogen, diesen eher heftigeren Weg der Plakat-Aktion zu gehen, da man sonst ja nicht gehört werde, so hhauser. Das Ganze sei vor allem ein Kommunikations-Problem: „Es wurde vom Verein viel gesagt und dann aber anders gehandelt. Deshalb haben wohl viele Fans das Gefühl, belogen worden zu sein.“

Der „Club Nr. 12“ ist im Stadion nicht präsent, ist kein Fanklub, sondern eine Art Dachorganisation aktiver Fanklubs und war auch laut Viehauser bei der Aktion vom Samstag „nicht involviert“, so Viehauser, „das sind ja unterschiedliche Fanklubs, nicht nur die ’Schickeria’“.

Dass es sich bei den Protestlern nicht nur um ein kleines Häufchen chronisch Renitenter handelt, war am Samstag nicht zu übersehen. Schon vor der Partie hatten mehr als 130 Fanklubs inhaltlich den Offenen Brief an Hoeneß unterstützt, selbst die sonst so Hoeneß-freundlichen „13 Höslwanger“. Mehr als 2000 Anti-Löwen-T-Shirts waren in der Südkurve zu sehen. Es ist also nicht nur die „Schickeria“, die aufbegehrt und deren Auseinandersetzungen mit dem Verein und Uli Hoeneß im Speziellen schon Tradition haben. Unvergessen auch Hoeneß’ Wutrede gegen die Fans bei der Jahreshauptversammlung im November 2007 („Wer glaubt ihr eigentlich, wer euch finanziert? Das sind die Leute in der Loge, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen").

So unflätig und deplaziert der Plakatprotest auch ausfiel: Bei der Kommunikation mit den eigenen Fans liegt vieles im Argen. Raimund Aumann, der Fan-Beauftragte, kommt in den Internet-Foren nicht gut weg. Aumann kenne sich auf der Haupttribüne aus, nicht aber in der Kurve, so der Tenor. Aumanns Reaktion bisher ist die des FC Bayern: Schweigen.

 

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