Suche mit Hunden und Kameras Passau: Dieb versteckt sich fünf Stunden in Kanalisation

Ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Stadtwerken suchte nach dem Dieb. Der kletterte nach fünf Stunden wieder an die Oberfläche. Foto: Tobias Köhler/ mediendenk

Ein Dieb in Passau versteckt sich vor der Polizi in der Kanalisation. Am Ende rückt die Feuerwehr an und steigt in den Schacht, um den Mann zur Aufgabe zu bewegen. Der Einsatz dauert über sechs Stunden.

 

Passau - "Es geht längst nicht mehr um Strafverfolgung, sondern um die Rettung einer Person", sagte nach vier Stunden erfolgloser Suchaktion ein Polizeibeamter. Die Einsatzkräfte befürchteten, dass der Geflüchtete möglicherweise irgendwo im Untergrund feststeckt und sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien kann. In Nässe und Kälte drohten ihm Unterkühlung. Die Lufttemperatur lag bei 10 Grad. Auch Sauerstoffmangel und gefährliche Gase konnten dem Mann gefährlich werden.

Die Polizei forderte Kanaltechniker an, damit diese mit ihren Spezialkameras das Kanalrohrsystem absuchten. Augenzeugenberichte belegten, dass sich der Gesuchte von einem Kanalauslass am Fluss durch einen Hauptschacht stadteinwärts bewegt hatte. Die Rohrkameras, ausgerüstet mit LED-Lampen, konnte ihn nicht sichten. Er versteckte sich vermutlich in einem der Nebenrohre, die einen Durchmesser von nur gut einen halben Meter haben.

Zigarettenkippe und Bierdose als Lebenszeichen

Ein Einsatz mit einem Polizeispürhund war abgebrochen worden, weil mit dem Tier die Treppen in den Schächten nicht bewältigt werden konnten. Zwei Feuerwehrmänner, die mit Schmutzanzügen (Einweganzügen) und Atemschutzmasken in das Kanalsystem gestiegen waren, versuchten das Versteck des Geflüchteten ausfindig zu machen. Sie fanden eine Getränkedose und eine Zigarettenkippe, die offenbar von dem Gesuchten stammten. Immer wieder nahmen sie verdächtige Geräusche wahr.

Das Drama hatte am Freitag kurz vor 14 Uhr begonnen. Ein 46-jähriger Hausbewohner, der gerade beim Aufbruch ins Ausland war, hatte für einen Moment seinen Reisekoffer unbeaufsichtigt vor der Tür stehen lassen. Er entdeckte den Kofferdieb, dunkler Typ, aufgeschnallter Rucksack, der sich mit seiner Beute ans Flussufer begeben hatte. Ein Fischer, der Augenzeuge wurde, kam dem Bestohlenen zu Hilfe. Er verfolgte den Dieb, der am Flussstrand entlanglief, in ein Abwasserrohr kroch und verschwand. Die Polizei wurde alarmiert, später 30 Feuerwehrleute hinzugezogen. Diese halfen, die umliegenden Straßen abzusperren und Kanaldeckel abzuheben.

"Ich habe gesehen, wie er aus einem der geöffneten Kanaldeckel herausgeschaut hat", erzählt ein Polizeibeamter. Als der Gesuchte ihn erblickte, kroch er wieder zurück. Seinen Rucksack hatte er an dieser Stelle wahrscheinlich wegen der Enge abgestreift und zurückgelassen. Die Beamten konnten ihn sicherstellen. Der Inhalt: Wolljacke, schwarze Handschuhe, eingepacktes Brot, Handyladekabel.  Hinweise auf die Identität des Mannes fanden sich nicht.

Nach fünf Stunden in der Kanalisation endet die Flucht

Der Kanaldeckel mitten auf der Straße am Fuchsbauerweg, an welchem der Polizeibeamte den mutmaßlichen Dieb kurz gesehen hatte, liegt 200 Meter Schachtlänge vom Einstiegsloch am Innufer entfernt. Fünf Stunden sollte an dieser Kanalöffnung das Drama später sein glückliches Ende nehmen.

Der Dieb kletterte wieder ans Tageslicht. Der lange Aufenthalt in der übel riechenden dunklen Tiefe hatte ihm wohl zugesetzt. Er ließ sich stumm und bereitwillig von den Polizeibeamten abführen. Diese reichten ihm eine Flasche Wasser und stellten ihre erste Frage: "Haben Sie Ausweispapiere dabei?"

Weil er unterkühlt war, brachte ihn ein Rettungsdienst in die Klinik. Den gestohlenen Koffer fanden die Einsatzkräft übrigen nicht - er wurde wohl in den Inn geworfen. Der Beuteschaden: ungefähr 500 Euro.

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