Streit um Tiefgarage Josephsplatz: Stadt setzt Bulldoggen ein

Sein Einsatz sorgt für Empörung: American Bulldog Rocky hält Anfang April Wache hinterm Gitterzaun. Foto: tg

Das Baureferat räumt den Platz, um mit dem Bau einer Tiefgarage zu beginnen. Damit keiner die Arbeiten stört, greift der Wachdienst zu äußerst fragwürdigen Methoden.

 

Maxvorstadt - Weißes Fell, braune Ohren, schwarze Schnauze, scharfe Zähne: American Bulldog Rocky soll dafür sorgen, dass niemand den Park am Josephsplatz betritt. Im Auftrag der Stadt.

Das Baureferat will hier, im Schatten der Pfarrkirche St. Joseph, eine Tiefgarage bauen. Viele Anwohner wollen das verhindern. Seit Februar haben Mitglieder des Vereins „Freunde des Josephsplatz“ Stände und Zelte aufgebaut. Jeden Tag hielten sie hier Wache. Die Tiefgarage sei dreckig, gefährlich und unnütz, sagen sie. Die drei Ahornbäume wollen sie auch bewahren. Sie sind über 100 Jahre alt. Käme die Tiefgarage, würden sie abgesägt.

Genau das soll jetzt passieren: Am Freitag um 5.30 Uhr haben Arbeiter im Auftrag des Baureferats die Infostände abgebaut. Der Platz wurde im Dunkel der Nacht geräumt und eingezäunt. „Sie waren so leise, dass die Anwohner nicht einmal aufgewacht sind“, sagt Tiefgaragen-Gegner Michael Lange.

Dann kommt Rocky. Am Freitagmorgen streift der eineinhalb Jahre alte Rüde über den Rasen neben dem Spielplatz neben seinem Herrchen - nachts soll sein Vater Jacky hier Wache halten. Die Wachmänner dürfen die Hunde führen.

Ein Wachmann hat Rocky am Freitagmorgen am zwei Meter hohen Bauzaun entlang geführt. Einmal außen, einmal innen. „Jetzt weiß er, das ist sein Revier“, sagt der Mann.

Wer den Zaun übersteigt, kommt nicht weit. Rocky ist dazu abgerichtet, jeden Eindringling mit seinem massigen Körper umzurennen. Gefahr drohe nicht, sagt sein Herrchen. „Er beißt nicht, ohne dass ich es sage.“ Und wenn man sich wehrt? „Ja, wenn man aggressiv wird, wird Rocky auch aggressiv.“

Der American Bulldog, der in den USA zur Wildschweinjagd eingesetzt wird, steht in Bayern auf der Rasseliste für Kampfhunde, also Hunden "bei denen auf Grund rassespezifischer Merkmale, Zucht oder Ausbildung von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren auszugehen ist".

Er ist in der Klasse 2 eingeordnet. Das bedeutet: "Die Eigenschaft als Kampfhund wird vermutet, solange nicht für den einzelnen Hund ein entsprechender Negativnachweis geführt ist."

Die Anwohner sind stinksauer: Am Vormittag haben sich Menschentrauben um den Zaun versammelt. „Kampfhunde gegen Kinder! Krieg am Josephsplatz“, empört sich eine Nachbarin. „Pure Gewalt! Ist das unsere Stadt?“

Die „Freunde des Josephsplatzes“ wollen versuchen, den Bau noch zu verhindern. 1200 Unterschriften hätten sie noch, sagt Michael Lange. Die wolle man OB Ude überreichen.

Das wird wohl nichts mehr nützen. Das Baureferat ist entschlossen, den Platz samt Spielplatz und Park abzureißen. In den nächsten Wochen werden Spielplatz und Boden abgetragen und das Gelände auf Blindgänger untersucht. Ein Eilantrag zweier Anwohner sei am Donnerstag vom Gericht abgelehnt worden, sagt Baureferats-Sprecherin Dagmar Rümenapf. „Wir hatten mit den Gegnern vereinbart, zu warten, bis das Gericht entschieden hat.“ Das sei nun geschehen.

Der massive Protest zeigt wenigstens beim American Bulldog Wirkung: Freitagmittag zieht das Baureferat den Hund ab.

 

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