Streit um den Flughafen Startbahn-Debatte: „In jedem Fall beschädigt“

 Foto: ddp/dpa

In der Startbahn-Debatte ätzt CSU-Minister Söder gegen Ude: Der sei ein Verlierer, egal wie der Bürgerentscheid ausgehe. Der OB kontert sofort – und macht sich dabei sogar mit Seehofer gemein

 

München -  Das Thema zündet. Über 100.000 Münchner haben bereits ihre Briefwahlunterlagen für den Bürgerentscheid am Sonntag beantragt. Inzwischen stößt die Debatte um die dritte Flughafen-Startbahn offenbar auch bundesweit auf Interesse.

Eine Woche vor dem Bürgervotum hat das ZDF für seinen „Länderspiegel“ Gegner und Befürworter in Stellung gebracht. Christa Plötz, eine Flughafen-Anrainerin aus Attaching, klagt da also rührend vor laufender Kamera: „Warum stimmt München ab – und wir Betroffenen sind überhaupt nichts wert?“

Auch Wiesnwirte-Sprecher Toni Roiderer meldet sich im ZDF zu Wort: als Befürworter.

„Je besser der Flughafen funktioniert, desto leichter funktioniert auch die Wiesn“, sagt Roiderer – und empfiehlt, den Attachingern einen „Ersatz für ihre Heimat“ in Geld auszuzahlen: „Wenn man die gescheit abfindet oder sie mit einem ordentlichen Honorar bestückt, bin ich überzeugt, dass eine Einigung gefunden wird, die beiden Seiten passt.“

Die üblichen Verdächtigen aus der Politik gefallen sich derweil in der Rolle ewiger Streithansln. CSU-Finanzminister Markus Söder stichelt gegen SPD-Oberbürgermeister Christian Ude, der die dritte Bahn befürwortet.

Söder: „Ude ist in jedem Fall beschädigt. Entweder geht es positiv aus, dann ist die Münchner Stadtregierung am Ende, weil sie völlig zerrissen ist und die Grünen eine andere Meinung haben. Oder Ude verliert: Dann hat er als Person an Glaubwürdigkeit in der Stadt enorm verloren.“

Bei solchen Anwürfen funktionieren Udes Reflexe natürlich erwartbar prächtig.

Es sei bemerkenswert, schrieb Ude auf seinem Facebook-Account, dass Söder als Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats kein Wort zur Sache sage. Söder teile nur „die frohe Botschaft: Es ist ganz egal, wie der Bürgerentscheid ausgeht, es ist auf jeden Fall eine Niederlage für den SPD-Kandidaten!“, schreibt Ude. Und um sich gegen Söder zu wehren, macht er sich sogar mit dessen Parteichef gemein.

Ude bei Facebook: „Meine Situation nach einem Ja zur Startbahn ist im Fall von Koalitionsverhandlungen präzise dieselbe wie die von Horst Seehofer: Ich bin ein Befürworter dieses Projekts der Staatsregierung, die denkbaren Koalitionspartner sind aber dagegen. Wo also ist der Unterschied? Zudem wäre ein Nein sogar in erster Linie eine Niederlage für ein Projekt der heutigen Staatsregierung. Oder geht Söder davon aus, dass sein Chef grundsätzlich morgen etwas anderes vertritt als heute?“

Grüne Startbahn-Gegner bekommen auch Contra vom OB. In Wahrheit, sagte Ude dem ZDF, seien die Grünen doch froh, dass es den Flughafen gibt, den sie anfangs auch hätten verhindern wollen. Und auch Grüne würden den Flughafen eifrig mitbenutzen, spöttelte Ude.

Das Interview gab er übrigens mit Blick aufs Rollfeld: Der OB ist gerade aus dem Griechenland-Urlaub zurückgekehrt.

Startbahn-Gegnerin am Montag am AZ-Telefon

Die AZ lässt im Streit um die dritte Flughafen-Startbahn natürlich beide Seiten zu Wort kommen, Befürworter wie Gegner. Flughafenchef Michael Kerkloh hat in einer AZ-Telefonaktion 11000 neue Jobs in Aussicht gestellt (nachzulesen bei az-muenchen.de). Am Montag (11.06.2012) wird sich nun Doris Kraeker den Fragen am AZ-Leser-Telefon stellen. Sie ist eine der Sprecherinnen des Aktionsbündnisses „Aufgemuckt“ gegen den Bau einer dritten Start und Landebahn. Haben Sie Fragen oder Wünsche an die Startbahn-Gegnerin? Rufen Sie an. Doris Kraeker ist zwischen 17 und 18 Uhr für Sie erreichbar – unter der Nummer 2377390.

 

13 Kommentare