Streit über Linke-Doppelspitze Gysi wehrt sich gegen Wagenknecht

Linksfraktionschef Gregor Gysi führt die Partei seit fünf Jahren alleine. Bisher hat er sich immer gegen die Installation einer Doppelspitze erfolgreich gewehrt. Foto: dpa

Seit Jahren sträubt sich Gregor Gysi dagegen, dass eine Frau an seine Seite in die Fraktionsspitze aufrückt. Selbst von einem Parteitagsbeschluss über eine Doppelspitze lässt er sich nicht beeindrucken. Er pocht auf die Souveränität der Fraktion.

Berlin – Linksfraktionschef Gregor Gysi will sich nicht auf die baldige Wahl einer Doppelspitze in seiner Fraktion festlegen lassen. Ein entsprechender Parteitagsbeschluss sei für die 64 Bundestagsabgeordneten nicht bindend, sagte er am Dienstag am Rande einer Fraktionsklausur in Berlin. "Zu gegebener Zeit wird das die Fraktion sicherlich sehr souverän entscheiden."

Damit wies der 67-jährige Gysi einen neuerlichen Vorstoß seiner Stellvertreterin Sahra Wagenknecht für die Wahl einer Doppelspitze im kommenden Herbst schroff zurück. "Ich weiß auch nicht, ob es so schlau war, sich jetzt dazu zu äußern", sagte er an die Adresse der 45-jährigen Wortführerin des linken Parteiflügels.

Der zum gemäßigten Parteiflügel zählende Gysi führt die Linksfraktion im Bundestag seit fünf Jahren alleine und hat in dieser Zeit alle Versuche abgewehrt, eine Doppelspitze zu installieren. Im vergangenen Mai forderte der Parteitag - das höchste Parteigremium - die Bundestagsfraktion mehrheitlich dazu auf, noch vor Ende 2014 einen Mann und eine Frau als Vorsitzende zu wählen.

Diesen Termin ließ die Fraktion tatenlos verstreichen. Der nächste reguläre Wahltermin für den Fraktionsvorstand steht im Herbst an. In der Partei gibt es bereits seit 2010 eine Doppelspitze aus einem Mann und einer Frau. Parteichefin Katja Kipping wollte sich am Dienstag nicht zu dem Streit äußern.

Gysi hat bisher offen gelassen, ob er im Herbst noch einmal als Fraktionschef antritt. Neben Wagenknecht gilt Fraktionsvize Dietmar Bartsch als aussichtsreichster Nachfolgekandidat.

Bei ihrer zweitägigen Fraktionsklausur verständigte sich die Linke auf ein Arbeitsprogramm mit sieben Schwerpunkten. Unter anderem wollen sich die Abgeordneten für gleiche Löhne und Renten in Ost und West, die Erhöhung des Kindergeldes und eine Kehrtwende in der europäischen Sparpolitik einsetzen. Weitere Schwerpunkte sind die Verteidigung des Streikrechts und eine Kampagne gegen prekäre Beschäftigung. "Die große Koalition braucht noch mehr Gegenwind", sagte Oppositionsführer Gysi. Die Linke ist seit der Bundestagswahl erstmals drittstärkste Kraft im Parlament.

 

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