Streit mit der Stadt "Das alte Isar-Standl retten"

Das alte Standl ist hübsch mit Blumen dekoriert. Viele Gäste fühlen sich hier wohl... Foto: ah

Die Gerüchteküche um das älteste Münchner Standl brodelt. Ist der Betrieb wegen der Auflagen gefährdet?

 

Untergiesing - Was wäre die Isar ohne ihre Standl? Trotzdem: Das wohl älteste Standl in München aus dem Jahr 1847 neben der Wittelsbacherbrücke ist in die Kritik geraten. Nicht etwa, weil sich Gäste beschwert haben. Nein, es ist die Stadt, mit der Standl-Betreiber André Löwig sich angelegt hat. Viele Gäste fürchten nun, dass das Standl womöglich schließen muss. Stadtteilpolitiker und Stadträte gehen auf die Barrikaden. Sie fordern: „Münchens ältestes Standl an der Wittelsbacherbrücke muss gerettet werden!“

Das ist der Konflikt: Obwohl das Standl an die Straße angrenzt, liegt es im ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet des Isarraums. „In Landschaftsschutzgebieten sind gastronomische Nutzungen aber grundsätzlich nicht vorgesehen“, betont das Baureferat. „Der Standlbetrieb ist daher derzeit nur über eine Ausnahmebewilligung in beschränktem Umfang möglich.“ Aufstellen darf André Löwig streng genommen zum Beispiel höchstens vier Tische und 16 Stühle. „Der Kiosk-Inhaber wünscht jedoch eine Erweiterung des derzeit genehmigten Umfanges“, erklärt das Baureferat den Konflikt. In der Vergangenheit habe sich der 54-Jährige nicht immer an die Vorgaben gehalten. Mal war es ein fünfter Biertisch, mal waren es zusätzliche Bänke, die die Stadt mit Argwohn betrachtet.

Aber auch wegen der großen Regentonne, die das Wasser von der Dachrinne auffängt, oder wegen der zweiten Toilette, die das Standl für Isarbesucher geöffnet hat, gab es schon Diskussionen, wie es vor Ort heißt. Gestritten werde um den „biergartenartigen Charakter“, den das Standl vermitteln könnte. „Sogar wegen der vielen Blumenkübel wurde schon gemeckert“, erzählen Stammgäste.

Was sagt der Standl-Besitzer zu dem Streit? Auf Anfrage wollte sich André Löwig aktuell nicht äußern. Er kündigt aber an, bei der heutigen Bezirksausschuss-Sitzung dabei zu sein. Dort ist heute (ab 19.30 Uhr, Gaststätte Gartenstadt am Mangfallplatz) ein Antrag zu seinem Standl Thema.

„Der BA möge das älteste Standl Münchens unterstützen“, fordert Stadtteilpolitikerin Melly Kieweg. Im Unterausschuss findet sie Zuspruch. „Es ist ein Treffpunkt für die alte Ur-Giesinger Bevölkerung und von hoher sozialer Bedeutung.“ Die Preise seien „human“, die „Kontakte vor Ort“ wichtig. Kieweg fordert einen „Kompromiss“, sie betont: „Ein Kiosk, der nur wenige Monate im Jahr bei schönem Wetter gutes Geschäft macht, Mitarbeiter angestellt hat und auch noch vielen Auflagen Genüge tun muss, kämpft permanent ums Überleben.“

Auch einige SPD-Stadträte fordern, das alte Standl zu „retten“. Auch für andere Standl könnte der Fall Relevanz haben. Die Stadt solle erläutern, „ob eine dauerhafte Ausnahmegenehmigung“ möglich wäre, „sofern die Standl-Betreiber alle zwingenden Auflagen verlässlich erfüllen“, regen die Stadträte an. Die Stadt verspricht, „man werde die örtlichen Möglichkeiten erneut ausloten“. Noch in den Ferien sei ein Ortstermin mit dem BA geplant. „Das Baureferat organisiert derzeit die konkreten Termine mit den Beteiligten.“

 

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