Streit im Bücher Verärgerter Altkanzler Kohl wehrt sich

Zwei Bestseller thematisieren das Leben des Altkanzlers: Nun beklagt er sich über die „Zurschaustellung und Vermarktung seines Privatlebens” – und sieht Grenzen überschritten

 

Berlin - Genug ist genug, findet Altkanzler Helmut Kohl: Anfang des Jahres hatte sein Sohn Walter ein Buch veröffentlicht, in dem er das zerrüttete Verhältnis zum Vater beschreibt. Vor wenigen Wochen erschien eine Biografie von Kohls Frau Hannelore, die Privates ebenso öffentlich macht. Jetzt meldet sich Helmut Kohl selbst zu Wort - und prangert die Verletzung seiner Privatsphäre an.
Er kritisierte, dass sich Veröffentlichungen seit Monaten „ausführlich” mit seinen privaten Angelegenheiten beschäftigten.

In einer Erklärung hieß es: „Die öffentliche Zurschaustellung und Vermarktung meines Privatlebens durch Dritte empfinde ich als unangemessen, zumal die Veröffentlichungen die Grenzen von Geschmack und Anstand weit überschreiten und in wesentlichen Punkten mit der Wahrheit nicht in Einklang stehen.” Er werde sich zu privaten Angelegenheiten öffentlich nicht äußern, so Kohl. Er bitte um Respekt für seine Privatsphäre und überlasse es der Öffentlichkeit, „selbst zu beurteilen, welche Interessen den Publikationen in Wahrheit zu Grunde liegen.”

Die beiden Bücher, die eine breite Berichterstattung ausgelöst haben, sind Bestseller. In „Leben oder gelebt werden. Schritte auf dem Weg zur Versöhnung”, beschreibt Sohn Walter das schwierige Familienleben im Hause Kohl. Der Autor Heribert Schwan hat mit der Biographie „Die Frau an seiner Seite – Leben und Leiden der Hannelore Kohl” das Bild einer einsamen Frau gezeichnet, die an vielen Zwängen leidend schließlich zu Grunde ging.

Nach Informationen seines Berliner Büros hat Kohl eine Teilnahme an einem Gedenkkonzert der ZNS-Stiftung für Verletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems in Speyer abgesagt, das zu Ehren seiner Frau Hannelore abgehalten wird. Grund dafür sei die Tatsache, dass er vor zwei Jahren aus der Stiftung ausgeschieden sei und an seiner Stelle nun seine Söhne Walter und Peter in den Gremien vertreten seien. Hannelore Kohl litt an einer schmerzhaften Lichtallergie. Vor zehn Jahren wählte sie den Freitod. 

 

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