Strafprozess Brutaler Freisinger vor Gericht: Ein Fall von Gewalt-Exzess

Das Landgericht muss sich mit einem besonders grausamen Fall beschäftigen. Foto: Lennartz/Fotolia

Sein ganzes Leben misshandelt ein 33-jähriger Freisinger andere. Sogar das eigene fünf Monate alte Töchterchen. Jetzt wurde die Freundin Opfer...

 

Landshut - Zynisch. Aber man kann sagen, sollte es sich im Juni 2017 in einer Wohnung in Landau wie angeklagt abgespielt haben, nämlich dass Andres V. seine damalige Freundin im Streit auf ein Sofa schubste und ihr Mund und Nase zuhielt, so dass Lena L. kurzzeitig das Bewusstsein verlor, und sie später den von ihm vorgeschlagenen "Versöhnungssex" über sich ergehen ließ, "um noch mehr Brutalität zu vermeiden", so hatte die mutmaßlich Geschädigte noch Glück im Unglück.

Denn: Im Verlauf des dritten Verhandlungstages vor der vierten Strafkammer des Landgerichts zeigte sich, dass der 33-jährige Freisinger äußerst brutal ist. So war er 2005 zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden, weil er und seine damalige Lebensgefährtin das gemeinsame Baby schwer misshandelten.

Hintergrund: Am 14. Januar 2004 suchten Andres V. und seine Lebensgefährtin mit dem fünf Monate alten Mädchen das Klinikum Fürth auf. Die Ärzte stellten einen Oberschenkelbruch fest. Zudem ältere Frakturen an den Armen und Hämatome unterschiedlichen Alters über den gesamten Körper verteilt - allein die Verlesung der detaillierten Auflistung der Hämatome durch Vorsitzenden Richter Theo Ziegler dauerte zehn Minuten.

Das Baby wird mit  voller Wucht in sein Gitterbettchen geworfen

Wie die damaligen Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, war das Baby in sein Gitterbett geworfen und wieder hochgerissen worden. Der Täter übersah, dass ein Beinchen zwischen zwei Gitterstäben feststeckte. Zudem soll der Kopf des Mädchens beim Baden von seinen Eltern mehrmals unter Wasser gedrückt worden sein. Ein Zeuge sah, wie er seiner Tochter einen schweren Geldbeutel mit Münzen an den Kopf warf.

Das Landgericht Nürnberg konnte nicht mehr feststellen, wer von den beiden für welche Verletzung verantwortlich war; Andres V. selbst kam mit vier ins Heim. Mit 15 berichtet die Gruppenleiterin, V. habe "einen Hang zu Brutalität und Gewalt". Seine Aggressivität richte sich gegen Mädchen, die oft eine sexuelle Komponente hätten. 2001 misshandelte er einen Mitbewohner. Mit dabei, die Frau, die die Mutter von Andres V.s Töchtern wurde. Ehe er sie schwängerte, musste V. für die Tat erst einmal eineinhalb Jahre hinter Gitter.

Zum aktuellen Fall: Lena L. gegenüber gab er während der über drei Monate langen Beziehung an, ein Mitglied der Familie Quandt zu sein; dementsprechend mächtig sei seine Position bei BMW. Im Juni drohte er der 27-Jährigen und ihrem Vater, dass sie beide ihre Jobs beim Automobilhersteller verlieren könnte. Dabei arbeitete V. in Wirklichkeit als Pizza-Ausfahrer.

Andres V. hat nur den Schubser auf das Sofa eingeräumt. Es handle sich um einen Racheakt der Ex. Die machte Schulden bei ihm, wollte sich aber ein Auto kaufen - "da habe ich nachgefragt, wie es mit meiner Kohle ausschaut". Der Prozess geht am 9. April weiter.

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