Stimmen zur Pauli-Pleite Bülow: "Waren nie raus aus dem Abstiegskampf"

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Der TSV 1860 hat sein Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Samstag mit 1:2 verloren. " Wir haben Geschenke verteilt", urteilte Löwen-Trainer Vitor Pereira nach der Partie. Die Stimmen zum Spiel...

 

München - Heimserie gerissen, Polster dahingeschmolzen. Der TSV 1860 hat nach sieben Partien ohne Pleite beim 1:2 gegen den FC St. Pauli am Samstag wieder einen dreifachen Punktverlust hinnehmen müssen. Während Trainer Vitor Pereira Pauli-Coach und Ex-Löwe Ewald Lienen zum Sieg gratulierte und die Geschenkvergabe der Sechzger kritisierte, freute sich der Gästecoach über einen "dreckigen" Sieg, von dem man sich "keine Videokassette anfertigen lässt, die man sich noch fünfmal ansieht"

Auch Urlöwe Stefan Aigner und Kai Bülow legten den Finger in die Wunde, sprachen über die Pleite, deren Gegentore und die Standortbestimmung der Giesinger.

Die Stimmen...

Vitor Pereira (Trainer TSV 1860): "Glückwunsch an Pauli zum Sieg und an den Trainer. Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben gut gespielt, auch organisiert gespielt, das 1:0 erzielt. Dann haben wir ein Geschenk hergegeben, eine Elfmetergeschenk. Das darf uns nicht passieren. Danach wurden wir instabil, haben nicht gut gepresst. Dann haben wir noch ein zweites Geschenk gemacht. In der zweiten Halbzeit sind wir wieder gut reingekommen, aber es ist nicht einfach, gegen einen Gegner, der sich hinten reinstellt, Tore zu schießen, Wir hatten zwei, drei Torchancen, aber haben sie nicht gemacht. Wir haben St. Pauli gut im Griff gehabt, auch im Konterspiel von dem wir wussten, dass sie gut sind. Details haben das Spiel entschieden. Wir müssen jetzt auch auswärts Persönlichkeit zeigen, dürfen keine Angst haben, wenn wir auswärts spielen. Wir müssen uns stabilisieren, nicht nur taktisch, sondern auch mental und im Kopf."

Ewald Lienen (Trainer FC St. Pauli): "Es war ein hartes Stück Arbeit für uns. Wir haben vorher gewusst, dass es ein sehr schweres Spiel wird, weil 1860 eine richtig gute Mannschaft zusammengestellt hat. Sie haben schon im Sommer eine ganze Reihen Verpflichtungen geholt und im Winter nochmal nachgeholt. Das sind Top-Leute. Das ist schon eine hohe Qualität, und das haben sie auch gezeigt. Sie haben die letzten drei Heimspiele gewonnen, die letzten sieben Spiele keine Niederlage zu verzeichnen gehabt. Sie spielen auch ein System, das nicht so leicht zu verteidigen ist. Man muss sich immer überlegen: Wer deckt jetzt wen? Das haben wir in der ersten Halbzeit nicht so gut unter Kontrolle bekommen. Zum Glück haben wir nur ein Tor und nicht so viele Chancen zugelassen. Nach der Pause hatten die Löwen noch einige Chancen. Wir konnten viele Kombinationen spielen mit unseren kleinen flinken Leuten, den Ball in die Zwischenräume bringen und dabei hat 1860 schon Probleme gehabt. Daraus sind dann auch die Tore entstanden. Vielleicht war es nicht unverdient, zur Halbzeit knapp zu führen. Nach der Pause war es kein schönes Spiel mehr. Es war ein schmutziges, ein dreckiges Spiel - keines, von dem man sich eine Videokassette anfertigen lässt, die man sich noch fünfmal ansieht. Für uns geht es nicht darum einen Schönheitspreis zu gewinnen, sondern um das Überleben. Es war nicht sehr attraktiv, aber zielführend."

Stefan Aigner über...

die Niederlage: "Es ist natürlich bitter, wenn du über 90 Minuten ein gutes Spiel ablieferst, in Führung gehst und in fünf Minuten zwei Tore kassierst. Es ist auch bitter, wie das 1:1 entstanden ist. Wir haben den Ball schon, schaffen es nicht zu klären. Dann bekommt Abdoulaye Ba den Ball aus drei, vier Metern an die Hand. Das war schon eine entscheidende Situation vom Spielverlauf. Dann kriegst du auch noch das 1:2, kommst trotzdem nochmal gut aus der Kabine uns schaffst es nicht, den Ball über die Linie zu bringen. Amilton hatte eine große Chance, wir hatten noch zwei, drei weitere - aber wir machen sie nicht rein. Und dann verlierst du dieses Spiel."

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seinen Assist zum 1:0: "Klar freut es mich. Ich weiß, dass ich jetzt wieder annähernd meine Form habe, Selbstvertrauen gehört auch dazu, da brauchen wir nicht drumherum zu reden - da tut so ein Spiel auch mal gut. Aber wenn du verlierst, bringt man das leider auch nix."

seine Auswechslung: "Was heißt ich war überrascht? Ich habe es akzeptiert. Wenn ich auf dem Platz bin, gebe ich Gas. Wenn ich reinkomme, gebe ich Gas. Ich kann es nicht beeinflussen und nehme es so, wie es kommt."

die Schlussphase: "Die letzte Konsequenz hat gefehlt, aber man darf nicht vergessen, dass Pauli auf eine Fünferkette umgestellt und dann alles nach vorne gejagt hat. Wir hatten wenig Anspielstationen, so dass wir keine entscheidenden Chancen mehr kreieren konnten. Wir haben dann mit hohen Bällen agiert und versucht Ecken herauszuholen, aber es hat nicht gereicht."

eine Standortbestimmung der Sechzger: "Wir sind im Abstiegskampf. Da brauchen wir gar nicht drum herumreden. Es war sehr wichtig, dass wir gegen Nürnberg und den KSC gewonnen haben. Hätten wir heute nachgelegt, wären wir erstmal raus gewesen. Aber schon verlierst du wieder zwei Spiele hintereinander, dann bist du wieder mittendrin."

Kai Bülow über...

das Spiel: "Das ist sehr frustrierend. Wir waren dominant in der ersten Halbzeit, gehen in Führung und bringen uns danach selbst aus der Fassung und bringen uns komplett aus der Ordnung. Die letzten 10 Minuten in der ersten Halbzeit dürfen uns nicht passieren. So verschenken wir das Spiel. Der Knackpunkt war das erste Gegentor. Wir haben es nicht geschafft, uns rechtzeitig zu finden. Nach der Pause kommen wir nochmal zurück, vergeben aber unsere Chancen. Natürlich nehmen wir uns vor, in der Schlussphase nochmal Druck zu machen. Am Ende hat vielleicht auch ein bisschen die Luft gefehlt."

den Abstiegskampf: "Wir waren nie raus aus dem Abstiegskampf. Wir hatten ein kleines Poster, das war wichtig und gut. Aber uns war schon bewusst, dass wir in der Saison auch bis zum Schluss nach unten kucken müssen. Wir müssen weiter sehen, dass wir Punkte sammeln und uns absetzen. Aussagen, dass der Abstiegskampf schon rum ist, kommen ja nicht von uns aus der Mannschaft."

die Elfmetersituation: "Ich glaube, der Ball geht klar an die Hand, aber ich möchte Abdoulaye Ba keine Absicht unterstellen, er lässt die Arme hängen."

 

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