Stephan Jäger in Eichenried BMW Open: Auf Heimatbesuch

Ebenfalls in Eichenried am Start: Martin Kaymer. Foto: dpa

Vor zehn Jahren wanderte Stephan Jäger in die USA aus, um Golfprofi zu werden. Jetzt kehrt er nach München zurück und tritt in Eichenried an. „Im kurzen Spiel ist er ein Genie“, sagt sein Trainer.

 

Eichenried - Stephan Jägers Zwischenbilanz nach zehn Jahren USA: Sein Dialekt verändert sich. „Wenn ich mal wieder in der Heimat bin, sagen meine alten Fußballkumpels: ,Mei, jetzt host ‘es ganz verlernt’, und in den Staaten sagen sie zu mir: ,Was hast du denn für einen komischen Dialekt? Das ist ja noch nicht mal ein deutscher Slang!’“

Doch der 26-Jährige bedauert keine Sekunde, damals mit 16 aus dem Erdinger Landkreis ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gezogen zu sein: „Ich würde es nochmal ganz genauso machen. Wenn ich dageblieben wäre, würde ich jetzt hier im Ort im Reisebüro meines Vaters arbeiten.“ Stattdessen lebt er nun in Tennessee, ist Golf-Profi und steht von Donnerstag an mit den Allerbesten der Welt auf dem Platz: bei den BMW Open in Eichenried, seiner Heimat.

Angefangen hatte alles mit einem harmlosen Schüleraustausch mit einer Privatschule in Chattanooga, Tennessee. Mit 16 entschloss sich Jäger dann, für ein Jahr an die Highschool zu gehen – aus einem Jahr wurden mittlerweile zehn, und so wie es aussieht, werden noch jede Menge folgen. Er sagt: „So schön es jedes Mal ist, vom Flughafen nach Eichenried zu fahren – aber ich könnte nicht mehr zurückkommen. Dafür ist das Golfen in den Staaten einfach zu perfekt. Wenn du in München lebst, kannst du halt drei, vier Monate nicht Golf spielen. Drüben in den USA spiele ich zwölf Monate lang, auf den besten Plätzen, gegen die stärkste Konkurrenz.“ Vor vier Jahren wurde er schließlich Profi.

„In der Regel kommt er zwei Mal im Jahr nach Hause“

Klingt so, als müsste Mama Sophie bald wieder auf ihren Jüngsten verzichten. „In der Regel kommt er zwei Mal im Jahr nach Hause“, erzählt sie, „im Juni für ein, zwei Wochen und zu Weihnachten.“ Als kürzlich das Telefon klingelte und ihr Sohn ganz aufgeregt erzählte, dass er sich gerade neben Martin Kaymer und Marcel Siem als einziger Deutscher für die US Open qualifiziert habe, sagte sie nur zwei Worte: „Ich komme!“ Sprach’s, buchte einen Flug nach Seattle und sah, wie der Sohnemann ziemlich nervös mit dem Weltklassespieler Henrik Stenson auf die Proberunde ging, wie Kaymer, Siem und auch Jägers Kindheitsidol Tiger Woods auf dem schwierigen Kurs zwar am Cut scheiterten, Jäger aber dennoch aus dem Schwärmen nicht mehr raus kam.

Kein Wunder, spielt er doch sonst auf der zweitklassigen web.com-Tour. Sein bisher bestes Resultat erreichte er in diesem Jahr mit einem geteilten vierten Platz bei der Mexico Championship. Sein großes Ziel: die PGA-Tour, sozusagen die Welt-Liga der Golfer, und dort am liebsten unter die besten Zehn. Wenn es nach seinem Trainer Ken Williams geht, steht dem wenig entgegen: „Ich traue ihm alles zu. Im kurzen Spiel ist er ein Genie, eigentlich ein Künstler“, sagt der Mann, der den kleinen Stephan im Alter von acht, neun Jahren entdeckt hatte.

Die Jägers lebten neben dem Golfplatz, „ich würde sagen 800 Meter weg,“ sagt Jäger junior, „also ein Par 5 und ein Par 3“. Er spielte Fußball, Tennis, Hockey auf der Straße und ab und an mit seinen Eltern Golf. Williams, der als Teaching Pro im Golfclub Eichenreid arbeitete, sah dem Jungen einmal beim Abschlagen zu, lief sofort ins Clubhaus und sagte zu Jägers Vater: „Klaus, aufpassen! Der Junge wird was! Das rieche ich.“ Seitdem sind Jäger und Williams ein Team. Bei den BMW Open wechselt Williams nun kurzzeitig den Job, mutiert vom Coach zum Caddie, zum Taschenträger. Er sagt: „Ein guter Caddie kann 20 Prozent des Erfolgs ausmachen – wenn er die richtigen Worte zur richtigen Zeit findet.“

An seinem Dialekt wird Stephan Jäger also nicht scheitern – er muss ja nur zuhören.

 

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