Star-Regisseur hat Krebs Helmut Dietl: So erfuhr seine Familie vom Lungenkrebs

Helmut Dietl: Lungenkrebs nach "einer Million Gitanes" Foto: dpa

Ohne die Familie zuvor zu informieren, verrät Helmut Dietl in einem Interview mit der „Zeit“: „Ich habe Lungenkrebs!“ - nach einer Million Gitanes. Seine Heilungs-Chancen beziffert er auf unter zehn Prozent.

 

München - Sharon Dietl, Tochter aus der Ehe mit Karin Wichmann, brach in Tränen aus, als sie Mittwochnachmittag von ihrem Vater am Telefon erfuhr, was Helmut Dietl zuvor in einem „Zeit“-Interview preisgegeben hatte. Der gesamte Clan wusste bis dahin nichts von Dietls Lungenkrebserkrankung. Damit war Dietl der Internet-Veröffentlichung durch die Wochenzeitung nur wenige Minuten zuvorgekommen. Sonst hätte der Dietl-Clan die Schreckensnachricht beinahe aus den Medien erfahren müssen. Sohn David, aus der Verbindung mit Marianne Dennler, ehemals Sekretärin und Vertraute von Bernd Eichinger, ist zur Zeit auf Hochzeitsreise in Indien auf einer Insel und deshalb wohl noch ahnungslos.

Dietl ist 69 Jahre, deutscher Zeitgeist-Porträtist der 70er und 80er Jahre – und war bis vor sechs Jahren bekennender Kettenraucher. Er hatte bis dahin nach eigener Berechnung ungefähr eine Million Gitanes geraucht. Die Krebsdiagnose bekam er Anfang Oktober. Aber schon zur Filmpremiere von seinem Sohn David, der seine Satire „König von Deutschland“ im Sommer auf dem Filmfest München zeigte, war Dietl nicht erschienen. Die Hochzeit seines Sohnes am Tegernsee Mitte August hatte er – nach Zögern und Zaudern – wahrgenommen.

Als Dieter Hildebrandt – der in Dietls „Kir Royal“-TV-Serie den Fotografen Herbie spielte, vor wenigen Tagen an Krebs starb und Medien von Dietl einen Kommentar dazu bekommen wollten, hatte er zu seiner eigenen Krankheit noch geschwiegen. Jetzt erklärte er, seine Ärzte räumten ihm „im günstigsten Fall“ eine Heilungschance von zehn Prozent ein – „eher drunter“.

Er sei von seiner Erkrankung nicht sehr überrascht gewesen: „Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist.“ Derzeit erkundige er sich nach Behandlungsmethoden, sei aber skeptisch, ob er sich einer Chemotherapie und einer Bestrahlung unterziehen wolle.

Wird der Lungenkrebs frühzeitig entdeckt, liegt die Überlebensrate laut American Cancer Society bei 47 Prozent. Hauptursache für Lungenkrebs ist klar das Rauchen. Lungenkrebs fordert mehr Opfer als Brustkrebs, Prostatakrebs und Dickdarmkrebs zusammen.

Dietl erinnert in dem „Zeit“-Gespräch auch an den 2010 verstorbenen Theatermacher Christoph Schlingensief, der auch an einem Adenokarzinom gelitten hatte: „Kurz vor seinem Tod, da hat er nur noch eine halbe Lunge gehabt.“ Er kenne nicht einen Kranken, der nach Bestrahlung und Chemotherapie glücklich weitergelebt hätte, sagte Dietl.

Dietls letzter Film „Zettl“ (2012) wurde ein Flop. Im „Zeit“-Gespräch sagt Dietl, er habe „unter der Häme“ und finanziellen Verlusten als Produzent schwer gelitten. Derzeit arbeitet Dietl an einem Filmprojekt mit dem österreichischen Kabarettisten Josef Hader. Das Drehbuch thematisiert einen Schlaganfall, den Dietl 2007 erlitten und bislang geheim gehalten hatte. Ob er dieses Projekt weiter verfolgen kann, ist ungewiss. Er habe seine Diagnose selbst öffentlich machen wollen.

Jetzt sagt er: „Ich möchte in Ruhe gelassen werden.“

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