Beim FC Bayern kommen James und Tolisso aktuell nur als Joker zum Einsatz – weil die Form noch nicht stimmt und die Konkurrenz brilliert. "Jeder bei uns muss liefern", sagt Müller.

München - Stammplatz-Kampf beim FC Bayern statt Länderspielehren für Kolumbien: James Rodríguez (27) setzt dieser Tage Prioritäten, um im Team von Niko Kovac wieder den Status zu erlangen, den er unter Vorgänger Jupp Heynckes innehatte – als unumstrittener Boss im zentralen Mittelfeld.

James sei "eine hochsensible Seele, ein hochbegabter Fußballer", sagte Heynckes jüngst im AZ-Interview, ja sogar ein Kämpfer wie einst Bastian Schweinsteiger: "Das muss man als Trainer aus ihm herauskitzeln."

Die beiden Testspiele gegen Venezuela und Argentinien lässt James sausen, er trainiert lieber an der Säbener Straße. Eine nachvollziehbare Entscheidung. Bei der WM verletzte sich der kolumbianische Held an der Wade, deshalb verpasste er Teile der Vorbereitung bei den Bayern.

Thiago, Goretzka und Müller haben aktuell die Nase vorn

Und das ist der Grund, weshalb ihm im zentralen Mittelfeld aktuell andere Stars vorgezogen werden. Zuletzt in Stuttgart etwa Thiago, Leon Goretzka und Thomas Müller. James kam in beiden Bundesliga-Spielen dieser Saison erst 18 Minuten zum Einsatz. "Bei der Konkurrenzsituation bei uns muss jeder liefern. Man ist heiß, zu zeigen, welche Qualitäten man hat", sagt Müller, der schon zwei Tore erzielt und zwei Vorlagen geliefert hat.

Beim 3:0-Sieg in Stuttgart brillierte das Bayern-Zentrum mit Sechser Thiago, dem Javi-Martínez-Vertreter, sowie Goretzka und Müller auf den offensiveren Achterpositionen. James und Frankreichs Weltmeister Corentin Tolisso kamen erst in der Schlussphase ins Spiel, der Portugiese Renato Sanches stand erneut nicht im Kader. Hinweise darauf, wie groß die Qualität im Mittelfeld des Kovac-Teams ist: Weltklassespieler sitzen bei Bayern auf der Bank.

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"Wir haben so viele Spiele und brauchen jeden Spieler", sagt Neuzugang Goretzka. "Ich glaube auch, dass jeder auf seine Einsatzzeiten kommt." Insgesamt sei ein hoher Konkurrenzkampf "nur fördernd", so der Ex-Schalker. Doch das Gerangel im Mittelfeld wäre wohl kaum zu moderieren gewesen, hätte Bayern nicht Arturo Vidal und Sebastian Rudy im Sommer abgegeben. Eine richtige Entscheidung zugunsten des Kader-Friedens. Denn auch jetzt gibt es Härtefälle.

"Ich brauche Zeit, das ist klar", sagt Weltmeister Tolisso

Der Franzose Tolisso etwa, den Heynckes als "super Jungen mit einem tollen Charakter" bezeichnet, kommt wie James erst auf zwei Kurzeinsätze in dieser Saison – im Pokal gegen Drochtersen/Assel und Samstag in Stuttgart.

Es gehe bei ihm "Schritt für Schritt voran", sagte Tolisso nun dem "Kicker" und ergänzte: "Ich habe erst am 12. August wieder mit dem Training angefangen. Ich brauche Zeit, das ist klar." Mit weiteren Trainingseinheiten sei er aber überzeugt davon, "dass ich meine Form sehr schnell wiedererlange".

Zunächst aber blickt Tolisso mit Vorfreude auf die Partie gegen Deutschland am Donnerstag in München. "Es ist das erste Spiel für uns mit unserem zweiten Stern auf der Brust. Das wird ganz besonders sein. Auch für mich persönlich, weil es gegen viele meiner Mitspieler beim FC Bayern geht, weil es in meinem Stadion, der Allianz Arena stattfindet. Ich werde es genießen", sagte Tolisso.

Gut möglich, dass der 24-Jährige im Mittelfeld auch mal seinen Bayern-Kollegen Müller oder Goretzka begegnen wird. Er rechne mit einem top-motivierten Gegner, sagte Tolisso. Deutschland habe "eine große Qualität und es brennt auf  Wiedergutmachung".