Städtische Kliniken Kliniken-Sanierung: Die 800-Millionen-OP

Die zwei Neuzugänge der bald vierköpfigen Klinik-Leitung: Axel Fischer ist ab April Sprecher der Geschäftsführung, Susanne Diefenthal Arbeitsdirektorin. Foto: AZ/Loeper

So viel Geld ist für die Sanierung der städtischen Kliniken vorgesehen – inklusive Risikopuffer. Das meiste geht für Baumaßnahmen drauf.

 

München - Die städtischen Kliniken kommen die Steuerzahler in den nächsten Jahren teuer zu stehen. Die Sanierung wird mehr als 700 Millionen Euro kosten. Zusätzlich ist ein Risikopuffer von 100 Millionen Euro eingeplant (AZ berichtete). Das geht aus dem gerade fertig gewordenen Gutachten der Boston Consulting Group (BCG) hervor.

Der allergrößte Teil dieser Summe, nämlich rund 617 Millionen Euro, soll demnach in die Sanierung, Erweiterung und den Umbau der veralteten Gebäude fließen oder für Neubauten verwendet werden. Zusätzlich stehen Investitionen in die IT an. In die Gesamtsumme ist außerdem auch eingerechnet, dass das Klinikum wohl noch weitere Defizite einfahren wird, bis es tatsächlich genesen ist.

Ein Blick auf die Bau-Investitionen: Wie sieht der Zeitplan aus? Was ist wo geplant? Und zu welchem Preis? Das haben die Unternehmensberater skizziert (siehe Grafik).

- Schon im nächsten Jahr sollen die Sanierungs- und Ausbau-Arbeiten im stark schrumpfenden Klinikum Schwabing starten. Ab 2017 bis Ende 2018 wird dort außerdem ein Neubau hochgezogen. Die Investitionskosten am Standort Schwabing belaufen sich auf 100 Millionen Euro. Am Schluss sollen dort nur noch 290 (von heute 880) Betten übrig sein – in einem lokalen Notfallzentrum und einem Mutter-Kind-Zentrum.

- Im Klinikum Bogenhausen, das künftig 1020 statt der jetzigen 985 Betten haben soll, rücken die Bagger dem Zeitplan zufolge ab 2016 an. Erst ab 2018, wenn die Erweiterung des jetzigen Gebäudebestands fast abgeschlossen ist, soll auch mit der Sanierung begonnen werden. Diese zieht sich länger hin als alle anderen Baumaßnahmen – bis 2023. In Bogenhausen wird auch der mit Abstand größte Batzen der Investitionssumme verbaut: 277 Millionen Euro.

- Die Sanierung im Klinikum Neuperlach soll bis Mitte 2016 fertig sein. Von Ende 2017 bis Ende 2019 steht dann die Erweiterung an, damit künftig 650 (statt 520) Betten Platz haben. 40 Millionen soll es kosten, den Standort im Süden auf Vordermann zu bringen.

 - Im Klinikum Harlaching wird ab Ende 2017 an einem Neubau gewerkelt, für insgesamt 160 Millionen Euro. Dort soll künftig noch Platz für 545 Patienten sein (statt 750).

- Geplant ist auch ein neues Zentralgebäude, in dem der Blutspendedienst, das Medizinische Dienstleistungszentrum „Medizet“ sowie die Zentralküche Platz finden sollen. Klinik-Sprecher Matthias Winter sagt: „Wo das entstehen soll, ist noch offen." Nach AZ-Informationen sind derzeit ein städtisches Grundstück im Euroindustriepark sowie ein Teil des Schwabinger Klinik-Geländes im Gespräch. Auch wenn die Standortsuche noch nicht abgeschlossen ist: Schon nächstes Jahr soll das Zentralgebäude errichtet werden, 40 Millionen sind dafür reserviert.

Bei Boston Consulting heißt es, die komplexen Bauvorhaben machten „die Gründung einer separaten Baugesellschaft beziehungsweise die Beauftragung eines Generalunternehmers“ erforderlich. Nach der Sanierung sollen noch 46 Abteilungen übrig sein, heute sind es 69.

Wie berichtet, ist zur Rettung des von der Insolvenz bedrohten Stadtklinikums auch ein massiver Personalabbau vorgesehen. Laut BCG-Gutachten soll jeder vierte Job gestrichen werden. Konkret geht es um die Arbeitsplätze von 2000 der insgesamt 8000 Klinik-Beschäftigten.

35 Prozent der Stellen sollen durch Fluktuation abgebaut werden, 21 Prozent durch Verrentungen, 15 Prozent durch auslaufende befristete Verträge und 24 Prozent dadurch, dass die Stadt Mitarbeiter übernimmt. Mit Auflösungsverträgen und betriebsbedingten Kündigungen – sofern diese unvermeidbar sind – wollen die Berater sechs Prozent abbauen. Das entspricht 85 Stellen.

Die Gewerkschaft Verdi hat den Umfang des Personalabbaus „mit Besorgnis zur Kenntnis genommen.“

 

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