Stadtratsbeschluss Carsharing soll Parkplatzproblem lösen

Carsharing-Anbieter haben in München schon fast 100 000 Kunden. Damit es in Zukunft noch deutlich mehr werden, hat die Große Koalition nun an der Gebührenschraube gedreht. Foto: dpa

Ein geteiltes Auto ersetzt drei private, rechnet eine Studie vor. Die Groko will deshalb nun die Marktbedingungen für Betreiberfirmen verbessern.

 

München - Sie heißen DriveNow, car2go oder Flinkster – und ihnen gehört nach Ansicht der schwarz-roten Stadtregierung die Zukunft.

Die Große Koalition im Rathaus hat die Marktbedingungen für Carsharing-Programme gestern deshalb deutlich verbessert. Statt nur jeweils 500 Autos dürfen die Münchner Anbieter in Zukunft unbegrenzt Fahrzeuge auf die Straße bringen. Und auch bei den Parkgebühren wollen CSU und SPD den Betreibern deutlich entgegenkommen.

Statt wie bislang 1800 Euro sollen die Carsharing-Firmen in Zukunft pro Auto nur noch 900 Euro im Jahr abdrücken müssen – plus 30 Euro Verwaltungsgebühr. Zudem sollen diese Zahlungen künftig nur noch für die ersten 600 Fahrzeuge fällig werden. Jedes Weitere parkt im Stadtgebiet dann kostenlos.

Die Große Koalition will für die Betreiberfirmen damit einen Anreiz setzen, möglichst große Flotten anzubieten. „Der heutige Beschluss“, ist sich SPD-Stadträtin Beatrix Zurek sicher, „wird dafür sorgen, dass das Carsharing in München weiterhin Fahrt aufnimmt.“

Doch auch in den vergangenen Jahren hat das Carsharing in München schon einen wahren Boom erlebt. Bei allen Anbietern haben die Kundenzahlen erheblich zugenommen, teilweise sogar um 80 Prozent. Auch Leute, die lieber mit dem Auto fahren als mit dem öffentlichen Nahverkehr, beharren offenbar nicht mehr auf einem eigenen Fahrzeug.

Vor zwei Jahren waren in München bereits 862 Carsharing-Autos gemeldet. Mittlerweile dürften es sogar noch einige mehr.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, so hofft die Stadtregierung, würde sich eines der bekanntesten Münchner Problem womöglich einfach in Luft in Luft auflösen: der notorische Parkplatzmangel. Einer Studie der Technische Universität Dresden zufolge ersetzt ein Carsharing-Fahrzeug im Schnitt nämlich drei privat genutzte Autos. Das Gedränge am Straßenrand hätte sich damit erledigt.

Die SPD frohlockt und schmiedet bereits Pläne, was mit dem frei werdenden Platz alles anzufangen wäre. „Sollte sich zeigen, dass Parkplätze überflüssig geworden sind“, sagt Beatrix Zurek, „haben wir nichts dagegen, diese anderweitig zu nutzen.“

Die CSU ist da noch weitaus zurückhaltender. Schließlich sei der Zuzug nach München nach wie vor ungebrochen, sagt Stadtrat Alexander Dietrich. „In dieser Situation ist es falsch, die Abschaffung von zusätzlichen Stellplätzen zu fordern.“

 

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