Stadtrat vertagt Entscheidung Tunnel durch den Englischen Garten: Es sind noch Fragen offen

, aktualisiert am 26.05.2017 - 09:33 Uhr
Der Isarring, wie er heute aussieht (links): Seit 50 Jahren zerschneidet er den Englischen Garten vierspurig. Künftig soll er in einer Tunnelröhre unterm Park verschwinden (Grafik rechts). Foto: dpa/Grub-Lejeune

Der Stadtrat hat die Entscheidung zum Tunnel unter dem Englischen Garten noch mal vertagt: Die Grünen wollen nicht so viele Bäume für die geplante Röhre opfern.

Nun gut, dann also noch ein paar Wochen warten bis zum großen Freude-Klatschen über die "Wiedervereinigung" des Englischen Gartens: Die Entscheidung, in eine konkrete Planung für den Tunnel unterm vom Isarring zerteilten Stadtpark einzusteigen, hat der Planungsausschuss am Mittwoch doch noch mal vertagt – in die nächste Stadtrats-Vollversammlung am 28. Juni.

Grüne und Bayernpartei hatten Beratungsbedarf angemeldet. "Wir stehen der Idee, dass der Isarring unter der Erde verschwindet, schon aufgeschlossen gegenüber", erklärt Grünen-Stadträtin Katrin Habenschaden. Immerhin rauschen an dieser Stelle täglich 110.000 Autos mitten durch Münchens grüne Lunge. Staus gehören hier zum Alltag. Und um vom Süd- in den Nordteil des Parks zu kommen, müssen Fußgänger einen Steg überqueren.

Welche Fragen sind noch offen?

"Beim Blick in die neuen Unterlagen", so die Grüne, "tun sich bei uns aber noch einige Fragen auf." Ob es wirklich sein müsse, dass für die neue Röhre "eine so immense Zahl an Bäumen" fallen muss, etwa. Ob sich an der aktuellen Stau-Situation überhaupt etwas ändern werde. Und ob es eine zusätzliche sechste Spur braucht.

Noch ist nicht klar, wie lang der Tunnel überhaupt werden soll – es gibt drei Varianten zwischen 285 und 620 Metern Länge. Bei einer 400-Meter- Röhre entstünden an der Oberfläche viele Radl- und Fußverbindungen – allerdings müsste man dafür rund 1.000 Bäume fällen. Das wäre bei einem kürzeren Tunnel nicht der Fall.

Insgesamt soll der Tunnel in der 400-Meter-Variante etwa 125 Millionen Euro kosten. Zwar muss München den Großteil bezahlen, aber der Freistaat will sich immerhin mit 35 Millionen Euro beteiligen. Der Bund will fast drei Millionen Euro zuschießen, Sponsoren wie die Allianz-Umweltstiftung haben eine weitere Million zugesagt.

Schon vor sieben Jahren hatte das Schwabinger Architektenpaar Hermann Grub und Petra Lejeune die Idee, den Isarring in einer Röhre unterm Englischen Garten verschwinden zu lassen und so den zerschnittenen Park wiederzuvereinigen. Wenn das Stadtratsplenum nun zustimmt, geht das Projekt in die konkrete Planung. Im Rathaus rechnet man mit sechs Jahren Planungszeit. Bis der Tunnel dann fertig ist, wird wohl ein gutes Jahrzehnt vergehen.

 

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