Stadtleben, Gleise, Straßen, ... Das tut sich 2017 alles in München

Die AZ erklärt, was sich 2017 alles in der Landeshauptstadt ändert. Foto: az/dpa/imago/ho

Einen riesigen Bahntunnel, vielleicht eine neue U-Bahnlinie und auf jeden Fall jede Menge neue Wohnungen – was das neue Jahr den Münchnern bringt.

 

Das passiert...

...im bunten Stadtleben

Länger geöffnete Stadtbibliotheken, städtische Partysheriffs und ein Orientierungssystem für Touristen: 2017 ist reich an Neuerungen. Hier die interessantesten Punkte im einzelnen:

  • Am Max-Weber-Platz wird im März das Einstein 28 eröffnet. Mit über 70 Unterrichtsräumen wird es der zweitgrößte Standort der Münchner Volkshochschule sein.
  • Von Sommer an wird die Stadtbibliothek an voraussichtlich sechs von insgesamt 23 Standorten ihre Öffnungszeiten ändern und dort dann künftig auch am Samstag geöffnet sein.
  • Nachdem Stolpersteine auf öffentlichem Grund verboten bleiben, will sich der Stadtrat heuer zudem mit alternative Gedenkformen befassen.
  • Am 22. Juli, dem ersten Jahrestag des Amoklaufs am OEZ, wird es dort eine große Gedenkveranstaltung geben.
  • Das Kreisverwaltungsreferat wird heuer aufgestockt. Im April rücken die Bauarbeiter an, um auf das Hauptgebäude in der Ruppertstraße ein fünftes Geschoss draufzupacken. In der notorisch überlasteten Meldebehörde soll so Platz für dringend benötigtes Personal entstehen. 18 Monate später soll alles fertig sein und das ewige Schlangestehen endgültig der Vergangenheit angehören. Allerdings warnt das KVR auch schon einmal vor: In der Umbauphase kann es zu Beeinträchtigungen im Parteiverkehr kommen.
  • Im Lauf des Jahres führt das KVR auch eine neue Aufrufanlage ein. Beim Nummernziehen wird diese auch einen QR-Code auf den Wartezettel drucken. Über diesen Code kann man mit dem Smartphone dann überprüfen, wann man voraussichtlich dran sein wird. Der Vorteil: Statt im stickigen Wartebereich, kann man die Zeit dann auch in einem Café oder mit Einkäufen verbringen.
  • Mitte des Jahres will der Stadtrat zudem entscheiden, ob er künftig städtische Sheriffs auf Streife schickt. Dieser sogenannte „Kommunale Außendienst“ soll an Brennpunkten wie der Feierbanane patrouillieren und Dingen nachgehen, mit denen die Polizei überlastet ist: Belästigungen, Ruhestörungen, Ordnungswidrigkeiten.
  • In der Altstadt soll 2017 ein Orientierungssystem für Touristen errichtet werden. Wie komme ich vom Sendlinger Tor zum Marienplatz, wie vom Viktualienmarkt zum Stachus und wo ist dieser Alte Peter gleich noch mal? Die 15 weißen Stelen sollen über alles Sehenswerte im Umkreis informieren und Besuchern die Orientierung in der City erleichtern.
  • Der Viktualienmarkt ist mittlerweile ordentlich in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Damit es dabei nicht zu ähnlichen Verwerfungen kommt, wie beim bereits beschlossenen Umbau der drei kleinen Geschwister – dem Schwabinger Elisabethmarkt, dem Markt am Wiener Platz in Haidhausen und dem Pasinger Viktualienmarkt – will der Stadtrat Anfang des Jahres beraten, wie sich die Münchner in den Sanierungsprozess einbinden lassen. Hoch gehandelte Idee: ein umfassendes Bürgergutachten.
  • Auch die Zukunft der Großmarkthalle entscheidet sich 2017. Die alte genügt nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Deshalb soll sie abgerissen und an gleicher Stelle neu aufgebaut werden. Sogar einen konkreten Entwurf gibt es schon für den neuen „Bauch der Stadt“. Allerdings: Im Rathaus gibt es auch Stimmen, die dafür plädieren, den Standort zugunsten von Wohnungen aufzugeben. Zudem ist man in der Großen Koalition nicht gewillt, für einen Neubau jeden Preis zu bezahlen. Da dürfte es im Herbst im Stadtrat also noch einmal hoch hergehen.

...auf den Gleisen

Der öffentliche Nahverkehr in München ist immer ein Aufreger: Die U-Bahnen sind zu voll, das S-Bahn-Netz fragil und über neue Tram-Linien diskutiert der Stadtrat lieber jahrelang, anstatt kurzerhand Verbesserungen zu beschließen, so könnte man granteln.

Natürlich werden sich all diese potenziellen Ärgernisse auch 2017 nicht einfach in Luft auflösen. Ein bisschen was geht aber schon vorwärts.

  • Die Tram-Westtangente wurde im Endspurt 2016 vom Stadtrat dann doch noch beschlossen. Der Verlängerung der Linie 12 Richtung Sendling steht damit nichts mehr im Weg. Ein paar Kleinigkeiten müssen aber noch abgestimmt werden. Das passiert gleich zu Jahresbeginn.
  • Auch bei der viel diskutierten U9 soll es heuer konkret werden. Die Querverbindung von der Münchner Freiheit zum Hauptbahnhof soll unter dem Pinakothekenviertel hindurchführen und wird dringend gebraucht, um die notorisch überlastete Strecke der U3/U6 zu entlasten. Im Laufe des Jahres will sich der Stadtrat zu dem Projekt bekennen.
  • Auch der bislang fast ausschließlich von Güterzügen befahrene Nordring soll 2017 nochmal daraufhin abklopft werden, ob er sich nicht ins S-Bahnnetz integrieren lässt.
  • Schon fix im Kalender anstreichen kann man sich den 5. April. Dann wollen Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Hauptbahnhof feierlich den Spaten in die Erde rammen, um den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke einzuleiten.
  • Auch neue Buslinien gibt es 2017. So wird von April an mit dem X 98 ein neuer Expressbus vom Hauptbahnhof zum Tierpark Hellabrunn fahren. Insgesamt weitet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ihr Angebot heuer um 2,7 Prozent aus.
  • Teil des Puzzles ist dabei auch das Mietradsystem MVG-Rad. Nach erfolgreichem Start wird dieses 2017 deutlich ausgebaut: 40 neue Verleihstationen mit rund 2000 Rädern sollen im Stadtgebiet entstehen. Das entspricht einer Verdreifachung des Angebots.

... auf den vielen Baustellen

München wächst und wächst. Bis 2030 sollen hier über 1,7 Millionen Menschen leben. Klar, dass da beim Wohnungsbau ordentlich rangeklotzt werden muss.

  • Viele Neu-Münchner werden am westlichen Stadtrand unterkommen, in Freiham, dem europaweit größten Neubaugebiet. Irgendwann sollen hier 25 000 Menschen leben. Für den nördlichen Teil des Gebiets, in dem 4000 Wohnungen entstehen sollen, will die Stadt heuer die ersten Grundstücke vergeben und weitere ausschreiben. Dann können sich Baugesellschaften darum zanken.
  • Auch die ehemalige Bayernkaserne soll zu einem neuen Wohnquartier für 12 500 Münchner umgestaltet werden. Bis Ende des Jahres soll der dafür nötige Bebauungsplan genehmigt werden.
  • Und auch am sogenannten Werksviertel am Ostbahnhof rücken die Bagger an. Erst waren hier Firmen wie Pfanni, Optimol und Zündapp zu Hause, später wurde das Gelände zur Heimat der Nachtschwärmer – und jetzt soll hier auf 40 Hektar ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Heuer beginnen die Erschließungsarbeiten für die geplanten Wohnungen, Schulen, Büros – und ein neuer Konzertsaal soll hier ja auch noch hin.
    Um die Geschichte des Geländes nicht ganz auszuradieren, bleiben ein paar der alten Industriehallen stehen. Ein bisschen um- und anbauen, dann sollen auch sie für eine neue Nutzung zur Verfügung stehen.
  • Bei so vielen Neubauprojekten muss natürlich auch die Infrastruktur ausgebaut werden. Im Februar 2016 hat der Stadtrat deshalb bereits ein erstes Paket mit 39 Schulbauten beschlossen. Seitdem entstehen für 1,8 Milliarden Euro vor allem neue Grundschulen. Dieses Jahr steht nun ein zweites Paket zum Beschluss an. Und dieses wird nach derzeitigem Stand der Planung die Dimension des ersten Bauprogramms sogar noch übersteigen.
  • Sechs Schulen werden schon dieses Jahr fertig und sollen spätestens im September zum Start des neuen Schuljahrs einsatzbereit sein, darunter vier Grundschulen: eine am Bauhausplatz (ehemals Funkkaserne), eine an der Ruth-Drexel-Straße (ehemals Prinz-Eugen-Kaserne), eine in Freiham-Mitte und eine in Freiham-Nord. Dazu wird das frisch sanierte Schulzentrum Moosach und das neu errichtete Schulzentrum an der Grandlstraße fertig.
  • Für das Kreativquartier an der Dachauer Straße soll Mitte des Jahres zudem ein erster architektonischer Entwurf vorliegen. Das Tüftlerzentrum ist ein gemeinsames Projekt von der Stadt und BMW-Erbin Susanne Klatten. Kreative Köpfe sollen dort eine Plattform finden, um ihre Ideen weiterentwickeln zu können.

...auf den Straßen

Die Eröffnung des Luise-Kiesselbach-Tunnels, die Megabaustelle am Isarring: Münchens Stadtautobahn war in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen gut. Auch dieses Jahr tut sich am Mittleren Ring wieder einiges. Was genau und was verkehrsmäßig sonst noch in der Stadt passiert – das lesen Sie hier.

  • Interessant wird sicher, wie es in der Debatte um den Parktunnel am Englischen Garten weitergeht. Während der Großbaustelle am Isarring wurden schon einige Vorarbeiten erledigt. Ob der Tunnel aber wirklich gebaut wird, entscheidet der Stadtrat erst dieses Frühjahr.
  • Das Thema Luftreinhaltung wird uns sicher auch 2017 begleiten – schon allein deshalb, weil momentan noch ein Bürgerbegehren dazu läuft. Konkrete Maßnahmen – Einfahrtsverbote, Citymaut, Diesel-Plakette – sind für dieses Jahr zwar eher unwahrscheinlich. Im städtischen Umweltreferat rechnet man aber schwer damit, dass nach der Bundestagswahl im Herbst noch einem Schwung in die Diskussion kommt.
  • Auch Elektroautos könnten viel zur Luftreinhaltung beitragen. Nur leider: Das Zeitalter der Elektromobilität kommt nur schwer in Gang. Vor allem die Preise und die lückenhafte Infrastruktur schrecken die Verbraucher vom Kauf eines E-Flitzers ab. Dagegen will die Stadt heuer aber etwas tun. Für 6,6 Millionen Euro sollen innerhalb des Mittleren Rings hundert Stromtankstellen gebaut werden, manche davon sogar mit Schnellladesäulen. Die Zapfsäulen sollen gut sichtbar im öffentlichen Straßenraum entstehen. Leuten, die damit liebäugeln, sich ein Elektroauto zuzulegen, soll so signalisiert werden: Schau, du musst keine Angst haben, irgendwo stehenzubleiben. Du kannst überall Strom nachtanken.
  • Auch beim Radverkehr tut sich was. Da soll München 2017 zum Versuchslabor für einige Experimente werden. Um den selbst auferlegten Titel Radlhauptstadt zu rechtfertigen, soll unter anderem geprüft werden, ob man in den derzeit 58 Fahrradstraßen die Rechts-vor-links-Regel aushebeln und den Radlfahrern dort grundsätzlich Vorfahrt einräumen kann. Dafür müsste jedoch die bundesweit gültige Straßenverkehrsordnung geändert werden.
  • Ein Pilotversuch in der Clemensstraße in Schwabing soll zeigen, ob ein solcher Vorstoß sinnvoll wäre. Zudem will das KVR grüne Rechtsabbieger-Pfeile für Radler testen und in der Schellingstraße an der Uni die Grüne Welle auf Radltempo anpassen.
 

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