Stadionfrage beim TSV 1860 Die lange Suche nach der Löwen-Heimat

Übergangslösung für die Löwen? Nach dem Scheitern der Arena-Pläne in Riem könnte der TSV 1860 ins Olympiastadion zurückkehren, in dem 2003 auch Thomas Häßler und Benny Lauth aufliefen. Foto: imago

Eine Löwen-Arena in Riem wird es nicht geben. Auch das Olympiastadion ist keine Dauerlösung, sagt die Olypark-Chefin. "Unser Traum lebt weiter", sagt Cassalette. Was nun? Die Fragen und Antworten.

 

Eine Sechzger-Heimat in Riem? Traum zerplatzt. Die "Messelöwen" wird es nicht geben im Münchner Osten, so viel hat Investor Hasan Ismaik durch seine Erklärung am Montag über die gescheiterten Verhandlungen mit der Stadt über ein entsprechendes Areal preisgegeben. Inklusive eines Versprechens sämtlicher Kraftaufwendungen, "damit unser Verein endlich auch ein eigenes Zuhause bekommt". Nun geht die Suche nach einer neuen Heimat in die nächste Runde.

"Wir werden uns jetzt neu orientieren", sagt Cassalette

"Riem scheidet mit dieser Entscheidung aus", erklärte Präsident Peter Cassalette am Dienstag der AZ, "wir werden uns jetzt neu orientieren." Ismaiks Aussage, die Stadt München habe den Wunsch der Löwen abgelehnt und den von OB Dieter Reiter daraufhin veröffentlichten E-Mail-Verkehr mit Ismaik, der eine aktive Distanzierung seitens der Sechzger offenbart, wollte er nicht kommentieren. Reiter ließ mitteilen, er habe so "volle Transparenz herstellen" wollen.

Oberlöwe Cassalette versichert aber: "Unser Traum vom eigenen Stadion lebt selbstverständlich weiter." Keine teure Allianz Arena mehr, wo Sechzig als Untermieter des FC Bayern noch bis 2025 jährlich knapp drei Millionen Euro Miet- und Cateringkosten entrichten muss. Doch wo und wie soll er nur Realität werden, der Sechzger-Traum? Die AZ mit den Fragen und Antworten.

Was planen die Löwen?

Cassalette träumt von einem Neubau. "Ein eigenes, von uns geplantes und nach unseren Wünschen gestaltetes Stadion wäre die präferierte Variante", so der 63-Jährige. Ismaik hatte am Montag zwar ebenfalls im Plural über die Alternativen gesprochen, aber eine genannt: das Olympiastadion. Mit einem Fassungsvermögen von gut 69 000 Zuschauern wäre es groß genug, müsste aber umgebaut werden, wie Ismaik mit seiner Ankündigung einer Machbarkeitsstudie erklärt. Cassalette: "Das Olympiastadion ist eine Option, die wir prüfen müssen. Letztendlich wäre es eine eigene Spielstätte, aber keine eigene Heimat im Unterschied zu einem von uns geplanten und neu gebauten Stadion."

Was sagt die Olympiapark GmbH zu den Plänen?

Olympiapark-Chefin Marion Schöne erklärt der AZ: "Man kann das Olympiastadion fußballtauglich machen, wenn der Verein die Kosten dafür übernimmt." Allerdings weist sie darauf hin, dass eine Rasenheizung fehlt. Sie signalisiert Gesprächsbereitschaft, es sei wichtig, "dass man prüft, wie ernsthaft der Wille der Löwen ist". Obwohl vieldiskutiert, habe man bei der Recherche ernsthafter Gespräche zwischen 60 und dem Olympiapark bis ins Jahr 2010 zurückgehen müssen, damals habe 1860 selbst Abstand von einer Rückkehr genommen.

Und auch jetzt stehen die Chancen nicht gut: "Ich muss ganz klar sagen, dass wir nur sehr ungerne an der Aufteilung: 'Fußball in der Allianz Arena, Open Air Konzerte im Olympiastadion' rütteln würden. Gerade die letzte Saison ist sehr gut gelaufen." Einer Dauerlösung schiebt Schöne einen schwereren Riegel vor: "Das Stadion ist ein Einzeldenkmal und durch das Urheberrecht des Architekten (Günter Behnisch, d. Red.) geschützt, der ganze Olympiapark steht unter Ensembleschutz. Geht es um große Veränderungen wie Überdachung, Einbau von Logen oder Ähnliches, sehe ich überhaupt keine Chancen." Ein modernes Sechzgerstadion im Olympiapark? Keine Option.

Wie reagiert die Stadt?

Sie sieht nun den Verein am Zug: "Wir werden den Verein weiterhin nach Kräften unterstützen, auch bei der Suche nach geeigneten Standorten. Grundsätzlich liegt die Verantwortung aber bei 1860, dort muss man klären, welche Standorte in Frage kommen", sagte eine Sprecherin von OB Reiter der AZ. Mit der Option Olympiastadion beschäftigt man sich aber noch nicht: "Das prüfen wir gerne, allerdings muss erst der Verein Interesse signalisieren."

Welche Alternativen gibt es?

Cassalette kündigt Grundstückssuche und Verhandlungen an. "Wir werden jetzt erneut alle Optionen in Erwägung ziehen und prüfen, es gibt weitere Gespräche mit der Stadt und OB Reiter." Zum jetzigen Zeitpunkt sei "noch nichts spruchreif". Das Grünwalder Stadion sei kein Thema, da "dort kein Bundesliga-Fußball möglich" sei. Gut möglich also, dass 1860 angesichts rarer Bauflächen nicht nur aus der Arena aus-, sondern auch vor die Tore Münchens ziehen muss.


Löwen-Reaktionen zur Stadionfrage

Peter Grosser (Meisterlöwe): "Ich bin von der Absage nicht überrascht, weil es sich wegen der Größe ja leider schon abgezeichnet hat. Jetzt einen neuen Standort zu suchen, wird allerdings eine ganz schwierige Aufgabe. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Bevor man ins Grünwalder oder Dantestadion ausweicht, wäre das Olympiastadion sicher das kleinere Übel. Andererseits ist es kein richtiges Fußballstadion und ein Umbau ist meiner Meinung nach Wunschdenken."

Michael Hofmann (Ex-1860-Torhüter): "Das ist natürlich ärgerlich, dass es in Riem nicht klappt. Es muss endlich eine Heimat her, die hohen Kosten an die Bayern müssen eingestellt werden. Mir gehört leider kein so großes Grundstück, sonst würde ich gleich eine Arena für 30 000, 40 000 Zuschauer hinstellen. Im Ernst: Die würde doch auch für die Bundesliga reichen. Lieber 17 Mal voll als ein halbleeres Stadion."

Dr. Markus Drees (Verwaltungsrats-Boss TSV 1860 und Vorsitzender der Freunde des Sechzgerstadions): "Mit den Strukturen nach englischem Vorbild, die Hasan Ismaik da will, wundert es mich nicht, dass die Messe zu klein ist. Ich bezweifle, dass etwas Adäquates innerhalb Münchens zu finden ist. Im denkmalgeschützten Olympiapark wird auch nie das sein, was sich die Löwen oder Ismaik wünschen – eine Heimat. Wenn man es politisch machen dürfte, könnte man ja das Grünwalder wegbaggern und in den Hang ein neues Stadion mit einer Kapazität von 40 000 Zuschauern bauen. Oder Bayern baut einen neuen Tempel, wenn man bedenkt, dass man gegen Real Madrid 200 000 Karten verkaufen könnte – und überlässt uns die Arena…"

Karsten Wettberg (Kult-Trainer): "Das hat sich leider abgezeichnet, sonst wäre die Entscheidung pro Riem schon viel früher gefallen. Irgendwann musste man ja sagen, dass es nicht geht. Schade. Es wäre doch nun eine Blamage für die Stadt, wenn 1860 außerhalb von München in einen umliegenden Ort zieht. Der Verein müsste politisch Druck ausüben. So wichtig muss auch 1860 noch für die Stadt München sein, um ein Grundstück zu bekommen!"

Franz Hell (Allesfahrer): "Das Messegelände widerspricht den hochtrabenden Plänen, die der Investor hat – ein Stadion und ein Nachwuchsleistungszentrum dazu. Schuldzuweisungen zwischen Ismaik und der Stadt sollte es da nicht geben! Weder die Stadt ist schuld, noch 1860, sondern wohl die Rahmenbedingungen. Wir müssen eben aus München raus, wenn in der Stadt kein Platz ist. Ich glaube, Ismaik und Ian Ayre denken in ganz anderen Größenordnungen."

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