Staatsregierung denkt um Schwenk zurück zum G9

Noch eine Wende in der Bildungspolitik? Kultuminister Ludwig Spaenle, Ministerpräsident Horst Seehofer (v.l.). Foto: Gregor Feindt

Die CSU-Regierung will das Volksbegehren der Freien Wähler nicht stoppen – sondern nun ein eigenes Alternativmodell zum Turbo-Abi vorlegen. Die nächste Wende in der Bildungspolitik

München -
Eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Bayern wird immer wahrscheinlicher: Wie am Freitag bekannt wurde, will sich die Staatsregierung dem Volksbegehren der Freien Wähler nicht in den Weg gestellen, sondern im Gegenteil ein eigenes Alternativkonzept zum G8 vorlegen. Damit wäre nach dem Aus für die Studiengebühren auch das letzte Projekt der Ära Edmund Stoiber entsorgt.

 

Ein entsprechender SZ-Bericht wurde in CSU-Kreisen bestätigt. Demnach wird die Staatsregierung nicht versuchen, auf juristischem Weg das Volksbegehren der Freien Wähler für eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 zu stoppen. Es steht kurz vor der Einreichung, gerade werden noch die letzten der 25 000 nötigen Unterschriften geprüft.

Wenn es also kommt, will die CSU-Regierung ein eigenes Gegenmodell vorlegen. „Etwas Neues“, heißt es in der Partei, also ein Alternativangebot zum Turbo-Abi, das seit seiner Einführung vor zehn Jahren für andauernde Proteste sorgt. Aber was jetzt? Während die SZ berichtet, dass „alle Szenarien“ möglich seien, meldet dpa unter Berufung auf die CSU, dass das G8 nicht ganz abgeschafft und es keine Komplettrückkehr zum G9 geben wird. Also beide Optionen parallel? „Wir brauchen eine Lösung, die auf dem Land wie in der Stadt funktioniert“, sagt Max Schmidt, Chef des Philologen-Verbandes.

Eine Schlüsselrolle für die Lehrer

Ihm kommt nun offenbar eine Schlüsselrolle zu: Denn die in seinem Verband organisierten Gymnasiallehrer wollen ein eigenes G9-Konzept vorlegen. Wie es hieß, soll Ministerpräsident Horst Seehofer sehr offen dafür sein. Die Staatsregierung werde das Konzept der Lehrer prüfen. „Sehr rasch nach den Kommunalwahlen“ werde man sich dann zusammensetzen.

Das heißt: Die CSU will sich vorerst nicht festlegen – aber gleichzeitig vor den Kommunalwahlen dezent signalisieren, dass auch sie nicht mehr auf Teufel komm raus das ungeliebte G8 verteidigt. Aber zu sehr darf es auch nicht nach Wende aussehen. Offiziell teilte die Staatskanzlei mit: „Es bleibt beim G8 und seinen flexiblen Möglichkeiten.“

Was tatsächlich kommt, soll beraten werden, wenn der Urnengang vorbei ist. Am wahrscheinlichsten ist schon, dass das neunjährige Gymnasium wieder zum Standard wird. In allen Bundesländern, wo Eltern zwischen G8 und G9 wählen können (etwa Baden-Württemberg), geht die Abstimmung mit den Füßen deutlich aus – zugunsten der neun Jahre. Auch die Gymnasiallehrer, an deren Konzept sich die Staatsregierung ja orientieren will (jedenfalls Stand heute), wollen mehr Zeit bis zum Abitur. Und die CSU hat offenbar eingesehen, dass ihre Versuche, mit Herumgedoktore Druck aus dem Turbo-Abi zu nehmen, wenig fruchten. Die letzte Idee von Kultusminister Ludwig Spaenle, eine Art freiwilliges Durchfallen („Flexijahr“), hat so gut wie kein Schüler wahrgenommen.

 

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