Sprinter unter Hausarrest "Oscar ist zu Hause": Pistorius aus Haft entlassen

Der Paralympics-Athlet Oscar Pistorius hat seine damalige Freundin Reeva Steenkamp erschossen. Foto: dpa

Prothesensprinter Oscar Pistorius ist einen Tag früher als geplant aus der Haft entlassen worden. Der 28-Jährige verließ am späten Montagabend das Gefängnis Kgosi Mampuru II in Pretoria und wurde in den Hausarrest überstellt.

Pretoria/Köln -  Die schweren Stahltore des Kgosi-Mampuru-II-Gefängnisses in Pretoria öffneten sich Oscar Pistorius im Schutz der Dunkelheit. Knapp ein Jahr hatte der Prothesensprinter hier ein Leben hinter Gittern geführt und im orangefarbenen Overall ein Fünftel seiner fünfjährigen Haftstrafe abgesessen. Seit Montagabend hat sich die Situation des 28-Jährigen deutlich gebessert, einen Tag früher als geplant und damit unbehelligt von den Medien wurde er in den Hausarrest überstellt.

"Wir sind glücklich, dass Oscar zu Hause ist", ließ Pistorius' Familie am Dienstag in einer Mitteilung verlauten. Der ehemalige Paralympics-Star, der für die fahrlässige Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 verurteilt wurde, tauscht seine Zelle gegen das Haus seines Onkels, ein Backstein-Gebäude im Villenviertel Pretorias. Hier soll Pistorius den Rest seiner Strafe absitzen.

Seine Familie wies darauf hin, "dass seine Strafe fortbesteht. Das Strafmaß wurde nicht verkürzt oder reduziert." Pistorius werde sich strikt an seine Auflagen halten. So muss er sich weiter einer Psychotherapie unterziehen, auch sein Recht auf Waffenbesitz ist stark eingeschränkt.

Pistorius hatte Reeva Steenkamp durch eine geschlossene Badezimmertür erschossen. Laut seiner Aussage vermutete er einen Einbrecher hinter der Tür.

Steenkamps Angehörige reagierten mit Gleichgültigkeit auf die Nachricht von Pistorius' Entlassung. "Sie leiden noch immer unter dem Schmerz. Seine Freilassung aus dem Gefängnis macht keinen Unterschied, sie wird ihr Kind nicht zurückbringen", sagte Tania Koen, Anwältin der Steenkamps, der Nachrichtenagentur AFP. Die Eltern seien auf die Entlassung vorbereitet gewesen, "sie wussten, dass es passieren würde". Pistorius' Auflagen sollen laut Berichten ein Treffen mit June und Barry Steenkamp erlauben. Ob sich die Eltern des Opfers darauf einlassen, wird sich allerdings erst in den kommenden Wochen entscheiden. Denn die südafrikanische Staatsanwaltschaft hatte Berufung gegen das ursprüngliche Urteil eingereicht, diese wird am 3. November in Bloemfontein verhandelt.

Der Staatsanwalt verfolgt eine Anklage wegen Mordes, Pistorius würde in diesem Fall eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren drohen. Erst wenn endgültig Klarheit herrscht, komme ein Treffen infrage. "Im Moment liegt ihr Fokus auf der Heilung ihrer Wunden", sagte Koen. Womöglich wird Pistorius dafür ohnehin keine Gelegenheit haben. Ist die Staatsanwaltschaft mit ihrem Anliegen erfolgreich, könnte Pistorius die Villa seines Onkel schon bald wieder gegen die Zelle im Kgosi-Mampuru-II-Gefängnis eintauschen müssen.

 

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