Sprint-Weltmeister im Fokus Doping-Vorwürfe: Wie schmutzig ist Gatlin?

5. August 2017: Justin Gatlin nach seinem Sieg im 100-Meter-Finale der Männer bei der WM in London. Foto: Adam Davy/Press Association/dpa

Wie schmutzig ist Gatlin? Neue Doping-Vorwürfe gegen den Sprint-Weltmeister

100-Meter-Weltmeister Justin Gatlin steht möglicherweise wieder einmal im Zentrum eines Dopingskandals. Ein Undercover-Bericht stellt vor allem seinen Betreuerstab ins Zwielicht.

Berlin - Hat Justin Gatlin es schon wieder getan? Zweimal ist der amtierende 100-Meter-Weltmeister wegen der Einnahme verbotener Substanzen bereits hochgegangen. Doch der nächste Zündsatz tickt.

Dass der öffentlich so reumütige US-Amerikaner nun wieder im Fadenkreuz der Doping-Fahnder steht, "verdankt" er einigen seiner engsten Vertrauten. Sie gerieten im Gespräch mit englischen Undercover-Journalisten ins Plaudern.

Die Quintessenz: Gatlin sei gar nicht so geläutert, wie er immer tat. "Sie denken Justin tut es nicht? Jeder macht es", sagte Robert Wagner, ein Berater Gatlins, den Reportern der englischen Tageszeitung The Telegraph zu den angeblichen Dopingpraktiken seines Schützlings.

Mit diesen Anschuldigungen kommt neuer Schwung in den Fall Gatlin, er selbst aber will von nichts wissen. Schon am Montagabend hatte Gatlin über Anwälte die Vorwürfe dementiert und auf seine sauberen Dopingtests der vergangenen fünf Jahre verwiesen. "Ich nehme keine leistungssteigernden Mittel und habe dies auch nicht getan", erklärte Gatlin am Dienstag bei Instagram.

Schon 2001 (ein Jahr Sperre wegen Amphetaminen) und 2006 (vier Jahre Sperre wegen Testosteron) war Gatlin aufgeflogen. Als er in diesem Jahr in London noch vor Jamaikas Superstar Usain Bolt den WM-Titel über 100 Meter holte, waren in der Öffentlichkeit erneut Zweifel laut geworden.

Und auch die neusten Enthüllungen sorgen bei Präsident Sebastian Coe vom Weltverband IAAF für Bauchschmerzen. "Diese Vorwürfe sind extrem schwerwiegend und ich weiß, dass die AIU im Rahmen ihres Auftrages ermitteln wird", sagte der Brite.

Gatlin: "Ich war geschockt"

Die unabhängige Integritätskommission (AIU) der IAAF und die US-Anti-Doping-Agentur USADA nahmen bereits Ermittlungen auf. Die deutsche Leichtathletik-Öffentlichkeit gab sich indes noch zurückhaltend. "Die bislang bekannten Fakten stellen noch keinen Beweis im juristischen Sinne dar. Insofern gilt es, die Ergebnisse der eingeleiteten Ermittlungen abzuwarten", sagte Clemens Prokop, ehemaliger Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): "Wenn es sich bestätigen sollte, dass die Vorwürfe zutreffen, wäre es aber natürlich ein unglaublicher Skandal."

Doch wie kam es zu den neuen Anschuldigungen? Wagner und Gatlins Coach Dennis Mitchell, selbst Staffel-Olympiasieger, wogen sich in Sicherheit - sie dachten, es handle sich um ein Filmprojekt. Die Reporter des Telegraph hatten vorgegeben, einen Leichtathletik-Spielfilm zu drehen.

Wagner und Mitchell sollten den Hauptdarsteller trainieren. Mit der nötigen medizinischen Betreuung natürlich. Und die beiden sprangen darauf an. Für 250.000 US-Dollar boten sie dem Filmteam angeblich illegale Substanzen wie Testosteron und Wachstumshormone an.

Wagners eindeutige Aussagen bleiben

Über einen Arzt in Wagners Heimat Österreich sollten die Mittel besorgt werden. Vor allem, dass sein Trainer Mitchell in die Affäre verwickelt ist, sorgte bei Gatlin für Unmut. "Ich war geschockt und überrascht, als ich erfahren habe, dass mein Trainer mit dem Aufkommen dieser Anschuldigungen etwas zu tun hatte. Ich habe ihn gefeuert, sobald ich davon erfuhr", so Gatlin.

Zuvor hatte Mitchell im Gespräch mit den Reportern jedoch angegeben, dass Gatlin seit Beginn der Zusammenarbeit im Jahre 2011 sauber gewesen und er selbst nie am Dopen von Sportlern beteiligt gewesen sei.

Doch Wagners eindeutige Aussagen bleiben. Wie glaubwürdig er tatsächlich ist, gilt es jedoch noch zu klären. Seit fast 30 Jahren arbeitet er als Berater, auch in der DDR hatte er viele namhafte Klienten. Aber wie eng ist er mit Gatlin verbandelt? Dessen Agent Renaldo Nehemiah sagte dem Telegraph, Wagner habe für den Sportler nicht mehr als zwei oder dreimal gearbeitet und sei bei Gesprächen über verbotene Mittel gar nicht anwesend gewesen.

Nach dem Undercover-Gespräch von den Reportern auf seine Aussagen angesprochen, ruderte Wagner komplett zurück. Ihn habe nur das Engagement für das Filmprojekt interessiert. "Ich war nicht in Doping involviert. Ich habe offensichtlich nur mitgespielt, weil ich wollte, dass sie anbeißen." Dies sei auch die Version, die er der AIU erzählt habe.

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