Sportliche Leiter im Interview Vor Vierschanzentournee: "Wie zu Zeiten von Schmitt und Hannawald"

Horst Hüttel ist sportlicher Leiter der deutschen Skispringer Foto: dpa

Horst Hüttel, sportlicher Leiter der Skispringer, über die Vierschanzentournee und den neuen Richard Freitag.

München - Horst Hüttel übernahm die Skisprung-Abteilung 2008 und ist seitdem mit für den Aufschwung der DSV-Adler verantwortlich.

AZ: Herr Hüttel, die Saison hätte aus deutscher Sicht kaum besser starten können. Kann ein deutscher Springer nun auch die Vierschanzentournee gewinnen?
HORST HÜTTEL: Grundsätzlich ist es so, dass wir in den vergangenen Jahren schon in zunehmendem Maße erfolgreich waren. Wir sind Olympiasieger, wir waren Skiflugweltmeister, Weltcup-Gesamtsieger. Aber in unserer Ära, seit ich zusammen mit Trainer Werner Schuster seit 2008 für die Skispringer verantwortlich bin, fehlt uns noch ein Sieg, der bei der Tournee. Und es ist definitiv so, dass wir diese auch mal gewinnen wollen. Die Vorzeichen stehen mit dem Weltcupführenden Richard Freitag und dem Weltcupzweiten Andreas Wellinger auf jeden Fall gut. Das ist aber keine Garantie für einen Tournee-Erfolg.

Dazu gibt es ja auch noch einen Markus Eisenbichler.
Richtig, Markus darf man auch nicht vergessen, er hat zuletzt in Engelberg tolle Leistungen gezeigt. Das ist alles in allem eine tolle Situation. Der Vorverkauf boomt wie zu Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald.

Von Andreas Wellinger war man schon gute Leistungen gewohnt. Woher kommt der Sprung von Richard Freitag?
Wie Werner Schuster immer sagt, gehört da ein gewisser Reifeprozess dazu. Richard hat einen solchen durchlaufen, er hat jetzt mehr Stabilität. Gut gesprungen und Weltcups gewonnen hat er ja bereits in den vergangenen Jahren.

"Gesamtsystem optimieren"

Was ist eigentlich mit der internationalen Konkurrenz? Springen die Österreicher oder Norweger derzeit unter Form?
Nein. Die Norweger haben alle drei Teamspringen sehr souverän gewonnen und mit Andre Tande haben sie den derzeit Drittplatzierten im Weltcup-Ranking in ihren Reihen. Darüber hinaus ist und bleibt Skispringen ein Tagesgeschäft. Wir freuen uns, dass es gerade so gut läuft und der Erfolg auf einer soliden Basis steht. Der ist jetzt nicht auf diesen einen Moment ausgerichtet, denn schließlich kommen auch noch die Skiflug-Weltmeisterschaften im eigenen Land und die Olympischen Spiele. Sie sind maßgeblich für den Aufschwung bei den DSV-Springern verantwortlich und haben mit Werner Schuster erstmals einen nichtdeutschen Trainer installiert.

Was haben Sie beide denn gemacht, dass es wieder so gut läuft?
Unser Ziel war es immer, das Gesamtsystem zu optimieren. Das geht von der Kindersichtung über die Schüler- und Jugendausbildung. Wir haben versucht, eben dort eine einheitliche Linie in der Trainingsauffassung umzusetzen. Ein Kind in Oberstdorf soll genauso professionell ausgebildet werden wie ein Kind aus Hinterzarten oder Oberhof.

Und wie funktioniert die Arbeit im Team, wenn ein Österreicher das sagen hat? Gibt’s da manchmal Reibereien?
Werner ist ein ausgewiesener Fachmann, die Nationalität spielt da keine Rolle. Er hat unsere Tugenden immer hochgehalten. Natürlich war es anfangs ein mutiger Schritt, doch ich war der Überzeugung, dass es zum damaligen Zeitpunkt notwendig war, jemandem ohne historischen Systemballast im Gepäck das Ruder zu übergeben.

Die AZ-App für Android und iOS

Android-App jetzt herunterladen iOS-App jetzt herunterladen!

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null