Sportdirektor nach Pleite in Dresden Gerhard gnadenlos: Poschner will aussortieren!

Der neue 1860-Sportdirektor: Gerhard Poschner erstmals auf der Löwen-Bank. Aus dem 2:4 bei Dynamo Dresden will er Konsequenzen ziehen. Foto: sampics/AK

Nach der Dresden-Pleite will der neue Sportdirektor Poschner bei den Löwen den Kader ausmisten – und nimmt keine Rücksicht. Die Fans sind sauer und blockieren den Bus

München -Eigentlich wollten die Löwen-Profis am Dienstagmorgen um 4 Uhr nur noch nach Hause. Das Debakel in Dresden und die lange nächtliche Busfahrt hätten für eine unruhige Nacht gereicht. Weil aber etwa 30 aufgebrachte Fans den Bus bei der Rückkehr an der Grünwalder Straße stoppten und die Spieler zum Dialog forderten, ging die Nacht in die Verlängerung. „Das war am Anfang eine extreme Situation. Ein bisschen aggressiv. Gegen Ende ist es dann harmloser geworden“, sagte Löwen-Verteidiger Christopher Schindler der AZ. Der 23-Jährige zeigte sich nachdenklich ob der 20-minütigen Diskussion, konnte die Fans nach der 2:4-Niederlage bei Dynamo Dresden aber auch verstehen.

Auch Gerhard Poschner hatte in dieser Nacht viel Zeit zum Nachdenken. Noch in der Nacht nach dem Spiel machte sich der neue Sportchef des TSV 1860 mit seinem Privat-PKW auf den Weg von Dresden nach München.

Poschner, so viel ist klar, wird sich solche Auftritte nicht lange anschauen. Das Team steht unter scharfer Beobachtung. Seit Montagabend noch viel mehr. „Die Spieler müssen den Druck spüren. Klar sollen sie auch Spaß haben. Aber es muss ihnen bewusst sein, um was es geht.“

Poschner will auf niemanden Rücksicht nehmen. Um die Löwen auf lange Sicht für den Aufstiegskampf aufzustellen. Der aktuelle Kader ist dafür jedenfalls viel zu schwach.

Weil die Löwen noch vier Spiele haben und bis zur neuen Saison noch Zeit bleibt, sieht Poschner jetzt einen „wunderbaren Moment“ gekommen. Einen Moment, alles in Frage zu stellen. „Es bleibt viel Arbeit. In den kommenden Wochen, Monaten und Jahren“, sagt Poschner. Gerhard gnadenlos!

Die AZ zeigt, was Poschner plant. Und welche Probleme sich dabei ergeben:

Kader ausmisten: Jeder Löwen-Spieler, der am Montag nicht auf dem Feld gestanden hatte, dürfte am Ende froh gewesen sein. Poschner jedenfalls war alles andere als angetan von der Leistung: „Das war ganz schlecht.“ Poschner plant gravierende Veränderungen. Gerne abgeben würde er Spieler wie Volz, Wojtkowiak, Tomasov, aber auch Andreas Ludwig und durchaus die Routiniers Daniel Bierofka und Benny Lauth.

Die Drucksituation: Druck ist bei den Löwen nichts Ungewöhnliches. Das Problem dabei: Immer dann, wenn der Druck zuletzt zu groß wurde, versagten den Spielern die Nerven. Aktuelles Beispiel: Die Partie in Dresden. Poschner hatte im Vorfeld deutliche Worte gesagt. Das Resultat: Verunsicherung in allen Teilen – selbst der stets konstante Gabor Kiraly patzte. Doch Poschner legt nach: „Das wird ein Prozess sein, bei dem wir nur die mitnehmen können, die dafür auch bereit sind.“

Vertragslaufzeiten: Fast eine ganze Elf will Poschner austauschen. Das Problem dabei: Bis auf Andreas Ludwig, Daniel Bierofka und Benny Lauth besitzt kein Spieler einen auslaufenden Vertrag. Bleibt die Frage: Wer soll gealterte und gut verdienende Profis wie Moritz Volz, Grzegorz Wojtkowiak oder auch Kapitän Vallori verpflichten? Für Poschner kommt es einer Mammutaufgabe gleich, den Kader auszudünnen.

Sympathien verspielt: Die nächtliche Aktion der Fans ist nur ein Beispiel dafür, dass die Löwen dabei sind, auch die letzten Sympathien zu verspielen. Bei den finalen Heimspielen gegen Arminia Bielefeld und den VfL Bochum dürfte die Allianz Arena mal wieder weitestgehend leer bleiben. Und dann ist da noch die Sponsorensuche. Auch hier brauchen die Löwe dringend neue Partner. Nach Vorstellungen wie am Montag dürften die Interessanten aber kaum Schlange stehen.

 

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