Sport Stevic: „Nachmittags ist der Akku leer“

Zufrieden mit dem Los im DFB-Pokal: Miki Stevic. Foto: sampics/Augenklick

Miki Stevic über die Höhe seiner Handyrechnung, die neuen Multi-Kulti-Löwen, den beschwerlichen Start als Sportdirektor beim TSV 1860 und sein Verhältnis zu Geschäftsführer Manfred Stoffers.

AZ: Herr Stevic, Sie haben ständig Ihr Handy am Ohr: Wie fühlt man sich als Vieltelefonierer?

MIKI STEVIC: Es ist Transferzeit, da müssen viele Gespräche geführt werden. Als Sportdirektor lebt man von Kontakten, die muss man täglich pflegen. Es gibt schon mal Tage, da ist beim voll geladenen Handy nachmittags schon wieder der Akku leer.

Verraten Sie uns die Höhe Ihrer Handyrechnung?

(lacht) Der beste Tarif der Welt hat mir noch nicht geholfen, meine Kosten zu senken.

Sie geben dem TSV 1860 gerade ein neues Gesicht und versuchen es mit vielen ausländischen Spielern.

Für mich gibt es keine ausländischen oder deutschen Spieler, für mich gibt es nur gute oder schlechte. Mich nervt es, wenn über solche Themen diskutiert wird – nur weil der Sportdirektor von 1860 Ausländer ist. Außerdem habe ich die doppelte Staatsbürgerschaft. Aber sind wir nicht alle irgendwo Ausländer? Und als ich bei 1860 gespielt habe, und wir in der Bundesliga kurzfristig mal Zweiter waren, da hatten wir mehr Legionäre in der Mannschaft: Vanenburg, Zelic, Pelé, Nowak, Jovov, Borimirov, Cerny, Tyce, Hasi und mich. Und diese Mannschaft war gar nicht mal so schlecht.

Aber es stellt sich die Frage: Gibt es keine deutschen Spieler, die ins Profil passen?

Natürlich, uns sind auch viele angeboten worden, aber einen Holtby (das Talent aus Aachen wechselte für 4,5 Millionen Euro Ablöse zu Schalke04, d. Red.) konnten wir uns nicht leisten – und bei den anderen waren wir uns nicht sicher, ob sie uns weiterbringen. Wir werden immer nach bayerischem Rezept kochen, aber es ist egal, aus welchem Land wir uns die Zutaten besorgen.

Wie wird denn bei 1860 ein Spieler gesichtet?

Wir werten zum Beispiel Video-Material aus, ich schaue mir den Spieler live an, dann der Trainer - und wenn wir beide zur Erkenntnis kommen, ja, der ist es, dann schlagen wir zu. So wie bei Felhi.

Ihr Start bei 1860 war nicht sonderlich leicht...

Dass ich nicht gleich wieder hingeworfen habe, lag auch an Manfred Stoffers. Ich hatte viele Gegner und noch mehr schlaflose Nächte – und der Stress hört in diesem Job ja erst auf, wenn du die Kündigung kriegst. Aber wenn ich die Mannschaft sehe, wie sie arbeitet, denke ich, dass wir auf einem guten Weg sind.

Sie sind nun knapp sechs Monate 1860-Manager. Ist das für Sie ein Traumjob?

Ja, ich wollte schon immer Sportdirektor bei den Löwen werden. Als ich noch Profi in Dortmund war und ab und zu über die Grünwalder Straße gefahren bin, habe ich mir immer gesagt: „Ich will zu 1860 zurück – als Manager!“

Mit Ihnen kam Geschäftsführer Manfred Stoffers zu 1860: Wie ist Ihr Verhältnis?

Bei uns hat's von der ersten Sekunde an gepasst. Stoffers ist sehr kompetent auf seiner Ebene, rhetorisch unschlagbar – und für 1860 genau der richtige Mann auf diesem Posten.

Interview: Oliver Griss

 

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