Sport Seehofer feiert Bambergs Helden

Landesvater vom Titelgewinn hellauf begeistert. Bayerischer Sportpreis für die Baskets, die auch als Sänger glänzen. Kapitän Jacobsen soll bleiben

 

BAMBERG Nicht Berlin, Frankfurt oder Düsseldorf: Das kleine, 70000 Seelen-Städtchen Bamberg darf sich seit Donnerstag wieder deutsche Basketball-Hauptstadt nennen. In einem hochdramatischen fünften Playoff-Krimi gewannen die Brose Baskets 72:70 gegen die Frankfurter Skyliners und holten nach 2005 und 2007 innerhalb von sechs Jahren den dritten Titel. Und damit auch das Double, nachdem sie Mitte April auch Pokalsieger geworden waren.

"Bamberg ist die geilste Stadt der Welt"

Entsprechend selbstbewusst trat dann auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke gegen 1 Uhr nachts bei der Meisterfeier auf der Bühne am Maxplatz direkt vor dem Rathaus auf. Vor über 8000 Fans stimmte er immer wieder und minutenlang an: „Bamberg ist die geilste Stadt der Welt“. Bemerkenswert, wie das Stadtoberhaupt die Popularität der Korbjäger zu nutzen versteht, wo doch die Kommune den Basketball kaum unterstützt.

Stimmungskanone Suput: "Hey, was geht ab..."

Mit Sangeskünsten brillierten bei der turbulenten Party auch der Serbe Predrag Suput („Hey, was geht ab, wir feiern die ganze Nacht“) und der 20-jährige Nationalspieler Tibor Pleiß („Humba, Humba, Tätärä“), der mit einem kurz vor Schluss verwandelten Freiwurf die gigantische Fete erst ermöglicht hatte. Der 2,15 Meter-Riese wurde dafür am Freitag von Bundestrainer Dirk Bauermann mit einer Nominierung für die WM-Vorbereitung auf Mallorca belohnt.

Preiß flog in die USA

Doch bevor die „Krake“ Mitte Juli auf die Mittelmeer-Insel reist, jettete er am Freitag über den großen Teich in die USA. Dort nimmt er am so genannten Draft der NBA teil, wo die Teams der Liga die Rechte an verfügbaren Nachwuchs-Talenten erwerben können. Allerdings müssen die Bamberger keine Angst haben, dass der vielleicht beste deutsche Spieler nach Dirk Nowitzki in die NBA wechselt. Pleiß hat noch zwei Jahre Vertrag in Bamberg.

Casey Jacobsen soll bleiben

Beim frisch gebackenen Champion bleiben sollen auch Predrag Suput (AZ berichtete), der slowakische Nationalspieler Anton Gavel, der US-Spielmacher John Goldsberry und natürlich Kapitän Casey Jacobsen, dessen Frau Brittney ihr drittes Kind nach den beiden Mädchen Ellie und Peyton in Bamberg zur Welt bringen möchte. Die Chance dazu bezeichnete Michael Stoschek, der Vertreter der Gesellschafterversammlung des Hauptsponsor Brose, als realistisch: „Casey holte für uns 2007 und jetzt den Titel. Wir verstehen uns sehr gut.“ Stoschek hatte die Verpflichtung durch sein privates Engagement erst ermöglicht.

Landesvater Seehofer total aus dem Häuschen

Mit dem Basketball-Virus infiziert ist seit der rauschenden Ballnacht auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Der begeisterte Landesvater fieberte mit den Schützlingen von Cheftrainer Chris Fleming bis zu letzten Sekunde mit und gratulierte anschließend per Mikrofon: „Ganz Bayern feiert mit Bamberg diese Meisterschaft. Ich bin stolz auf euch Franken.“ Die Belohnung: Die Brose Baskets bekommen den Bayerischen Sportpreis 2010. Werner Haala

 

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