Sport Schweißen & schwitzen

„Mister 20.000 Volt“: Auch beruflich ist bei Norisring-Rennleiter Thomas Dill Hochspannung angesagt. Foto: Berny Meyer

Rennleiter Thomas Dill über Sicherheits-Vorkehrungen, das „echte Norisring-Wetter“, die Leiden der Piloten in der Cockpit-Sauna, den Zuschauer-Boom, das BMW-Comeback – und wem er die Daumen drückt

 

AZ: Das ist jetzt Ihr dritter Norisring als Rennleiter. Kehrt da so etwas wie Routine ein?

THOMAS DILL: Routine wird’s nie, es ist jedes Mal eine neue Herausforderung. Sonst wär’s ja auch langweilig. Die Rennen sind ohnehin aufregend, da kann so viel passieren, da muss man immer hellwach bleiben. Klar, beim ersten Mal war ich deutlich aufgeregter. Meine Frau Ingun hat mich schon gefragt, warum ich diesmal so entspannt bin. Das war früher ganz anders. Aber eine gewisse Anspannung ist schon immer noch vorhanden.

Im letzten Jahr gab’s ja viel Aufregung, um einen Gullydeckel, der sich gelöst hatte . . .

Wir haben heuer alles Menschenmögliche getan, um das zu verhindern. Alle Deckel wurden verschweißt oder verschraubt. Bei der Streckenabnahme wird darauf auch besonders geachtet werden.

"Das ist endlich mal wieder echtes Norisring-Wetter"

In diesem Jahr kommt die Hitze erschwerend dazu.

Auch da haben wir Vorkehrungen getroffen. Das Rote Kreuz verstärkt seine Einsatzkräfte, Getränke gibt’s reichlich. Die Zuschauer sollten aber nicht vergessen, Hüte aufzusetzen. Auch für unsere Aufbauhelfer ist das bei 36 Grad im Schatten – wenn irgendwo überhaupt einer ist – ein Knochenjob. Da hilft nur: viel trinken.

Und die Fahrer?

Also, ich beneide die Jungs nicht. In den Cockpits wird’s 60 bis 70 Grad heiß, der Fahrbahnbelag 45 bis 50 Grad. Teilweise fahren die Piloten auch mit Kühlwesten. Aber daran können wir nun mal nichts ändern, das Norisring-Rennen ist schließlich eine Freiluft-Veranstaltung. Besser so, als wenn Regen vorhergesagt wäre. Das ist endlich mal wieder echtes Norisring–Wetter.

Und eine Super-Kulisse . . .

Also, ich geh’ mal von insgesamt 150.000 Zuschauern an den drei Tagen aus. Und vielleicht werden’s wegen der Live-Übertragung des WM-Viertelfinalspiels Deutschland gegen Argentinien am Samstag (siehe Extra-Bericht rechts) ja auch noch ein paar mehr und wir können den Rekord von 2008 knacken. Damals konnten wir 153.000 Besucher begrüßen.

"Jamie Green könnte den Hattrick schaffen"

Die DTM boomt – zumindest in Sachen Zuschauer-Gunst. Aber nach wie vor kämpfen mit Audi und Mercedes lediglich zwei, wenn auch hochkarätige, Hersteller um die Nummer eins im Tourenwagensport. Aber angeblich steht ja BMW in den Startlöchern.

Mit der Rückkehr von BMW rechne ich nicht vor 2012. Die brauchen ja auch eine gewisse Vorlaufzeit, um wirklich konkurrenzfähig zu sein. Dann hätten wir mit Audi aus Ingolstadt und BMW aus München am Norisring ein Heimspiel für zwei bayerische Marken. Das könnte dann auch für einen zusätzlichen Schub bei den Zuschauer-Zahlen sorgen.

Wer hat diesmal am Norisring die Nase, respektive die Kühlerhaube vorn?

Einerseits wünsche ich mir, dass Audi nach 2002 mal wieder in Nürnberg gewinnt. Andererseits könnte Mercedes-Pilot Jamie Greene nach 2008 und ’09 den Hattrick schaffen. Ich drück’ beiden die Daumen. Super wär’s, wenn’s wieder so ein spannendes Rennen wie im Vorjahr würde, damit die Zuschauer ihren Spaß haben. Unfallfrei, versteht sich.

"Ich habe mit 20.000 Volt zu tun"

Und was macht ein Rennleiter eigentlich , wenn das Rennen vorbei ist?

Am Montag frei, am Dienstag geh’ ich wieder ins Büro. Da war ich über eine Woche nicht, da warten bestimmt 450 E-Mails auf mich.

Sie sind bei Siemens in Erlangen Vertriebsingenieur für gasisolierte Mittelspannungs-Schaltungen. Können Sie das mal übersetzen?

Sagen wir mal so: Ich hab’s mit 20.000 Volt zu tun. Interview: Gerhard Schmid

Mehr über das bevorstehende Norisring-Wochenende lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Freitag, 2. Juli.

 

0 Kommentare