Sport Hecking sauer: Zu viel Show im Fußball!

Verurteilt Theatralik: Club-Trainer Dieter Hecking. Foto: Wolfgang Zink

Der Club-Trainer läuft gegen die ausufernde Schauspielerei in der Bundesliga Sturm – und freut sich schon auf das Nürnberg-Gastspiel von Diego

 

NÜRNBERG Klar, Tätlichkeiten gehören nicht in den Fußball. Aber wenn Dieter Hecking etwas noch mehr auf den Senkel geht, ist es der Trend zur „Theatralik“, der seit einiger Zeit um sich greift. Der Club-Trainer fordert deshalb: Stoppt endlich diese Schauspieler!

Anlass für Heckings Brandrede ist der Fall Diego. „Ich freue mich auf Diego, und unsere Fans haben auch ein Recht darauf, die besten Spieler der Bundesliga zu sehen – und Diego gehört da sicher dazu“, erwartet der 46-Jährige auch gegen den Club einen Gala-Auftritt des Brasilianers.

Dabei hätte der VfL Wolfsburg bei seinem Gastspiel in Nürnberg am Samstag (15.30Uhr) um ein Haar auf seinen begnadeten Spielmacher verzichten müssen. Denn nach dessen Tritt am letzten Wochenende gegen Leverkusens Arturo Vidal bei der 2:3- Pleite der Wölfe und den damit verbundenen Ermittlungen des DFB waren die Chancen groß, dass Diego aufgrund der TV-Bilder noch nachträglich gesperrt wird.

"Habe Bilder auch nicht als so schlimm empfunden"

Zum Glück, findet Hecking, hat das Sportgericht aber auf eine Anklage verzichtet. „Ich habe die Bilder auch nicht als so schlimm empfunden“, sagt der Club-Coach. Und liegt damit kurioserweise mit VfL-Manager Dieter Hoeneß ganz auf einer Linie. Der hatte unter der Woche bereits von einer Hetzjagd auf seinen 16- Millionen-Euro-Einkauf gesprochen.

So weit würde Hecking nicht gehen, sagt aber klipp und klar: „Ich finde es unmöglich, wenn ich sehe, dass sich nach einem Tritt ein Sebastian Kehl oder jetzt ein Vidal hinschmeißen. Natürlich muss Diego wissen, wo seine Grenzen sind. Aber ob das nun ein bewusster Tritt war, möchte ich nicht entscheiden.“ Und weiter: „Ich gebe Dieter Hoeneß Recht, wenn ich sehe, mit wie viel Schauspieleinlagen mittlerweile gearbeitet wird, nur um eine Gelbe oder Rote Karte für einen Gegenspieler zu provozieren. Es gehört zur guten Kinderstube, in so einem Fall stehen zu bleiben.“

Noch wurde der Club von derartigen Sperenzchen des Gegners verschont. Aber viel gefehlt hat nicht, wenn sich Hecking an Cacaus peinliche „Talk-Show“ beim 2:1-Heimerfolg gegen den VfB erinnert. „Beim Stuttgart-Spiel ist auch immer wieder ein Gegenspieler von Andy Wolf herumgelaufen und hat behauptet: ,Der hat den Kießling kaputt getreten.’ Das gehört sich nicht!“ Besonders nicht, wenn es auch noch ein Ex-Cluberer war, der versuchte, Kapitän Wolf bei Schiri Jochen Drees (Münster) anzuschwärzen.

Um dem ganzen Affenzirkus in der Bundesliga endlich Herr zu werden, plädiert Hecking für härtere Strafen: „Wenn ein Spieler eine Tätlichkeit begeht, ist er zu verurteilen. Wenn aber Spieler beim leichtesten Schubser wie vom Blitz getroffen umfallen, dann haben diese auch mindestens die Gelbe Karte verdient. Denn das ist einfach unsportlich!“ Krischan Kaufmann

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