Sport Formtief: Regina sagt leise Servus

Sie prägten die Equipe über lange Jahre: Weltmeisterin Regina Schleicher und General-Manager Herbert Oppelt, der seinen Star am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Roth/Augenklick

Rücktritt: Star der Equipe Nürnberger verzichtet sogar auf den Altstadt-Start

NÜRNBERG Beim Weltcup-Finale werden die Fans am Sonntag eine Fahrerin vermissen: Regina Schleicher, Vorzeige-Radlerin der Equipe Nürnberger und Weltmeisterin 2005, geht erstmals seit 1993 nicht bei „Rund um die Altstadt“ an den Start. „Ich fahre Rennen, um zu gewinnen", gesteht die 35-jährige Sprint-Spezialistin: „Mir fehlt die Form. Es wäre ungerecht gegenüber meinen Kolleginnen, wenn ich nominiert worden wäre." Und zieht einen Schlussstrich unter ihre Karriere.

Harte Schule hat Schleichers Kampfgeist geweckt

Nach 25 Jahren im Sattel ist Feierabend angesagt für Regina, die als Zehnjährige beim unterfränkischen RV Karbach erstmals kräftig in die Pedale trat. Equipe-Manager Herbert Oppelt, will seine Top-Fahrerin mit einer Ehrung verabschieden: „Nachdem Regina 1994 zu uns kam, löste sie als Deutsche Meisterin in der Region einen gewaltigen Schub für den Frauen-Radsport aus.“

Um Schleicher, deren Nachname nie Programm war, baute Oppelt beim „Tourenclub Nürnberg" kontinuierlich ein starkes Bundesliga-Team auf. Ihr Talent und den unbändigen Ehrgeiz erbte sie von Papa Hans. Der Senior erinnert sich: „Gewonnen hat Regina, die mit einem Kinderrad fuhr, anfangs nichts. Doch als einziges Mädchen hat sie energisch gegen größere Jungs gekämpft." Wettbewerbe für Mädchen gab es damals in Deutschland nicht. Regina hat das „nie gestört“. Im Gegenteil. „Diese harte Schule hat ihren Kampfgeist geweckt“, weiß der Vater.

Eine Kindergärtnerin, die bis in die Weltspitze radelte

1994 dann der Wechsel zum Tourenklub. Regina im Sattel, Papa Hans drei Jahre Sportlicher Leiter. Regina eilte von Sieg zu Sieg, war auch bei der Frauen-DM auf Anhieb unschlagbar. Was auch in ihrer mittlerweile zweiten Heimat Italien registriert wurde. 1998 unterschrieb sie beim Team Alfa-Lum ihren ersten Profivertrag, kaum dass sie ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin abgeschlossen hatte. Ab 2002 feierte sie Weltcup-Siege, sechs Etappensiege beim Giro sowie zahlreiche Erfolge bei Rund-und Tagesfahrten – willkommen in der Weltspitze.

Drei Jahre später die Rückkehr. Im blauen Trikot der Equipe krönte sie ihre Laufbahn mit einem weiteren DM-Titel und WM-Gold in Madrid. Am Sonntag drückt Regina ihren Kolleginnen die Daumen: „Ein Sieg wäre das schönste Dankeschön an den alten Sponsor und zusätzliche Motivation für Nachfolger Skyter.“ Manfred Marr, MaC

 

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