Sport Club mit Vollgas gegen müde Hamburger

Gemeinsam Vollgas in Hamburg? Mike Frantz (links) ist gesetzt – und auch Christian Eigler scheint beim Trainer gute Karten zu haben. Foto: Wolfgang Zink

FCN-Trainer Dieter Hecking hat seiner Mannschaftein gemeinsames TV-Studium des HSV-Auftrittsin Fulham verordnet – und hofft nun auf einen „Riesenschritt“ im endlosen Abstiegs-Krimi

 

NÜRNBERG Wer sich mit dem Club einlässt, muss auch mit den Konsequenzen leben. Niemand weiß das gerade besser als Dieter Hecking. Der notorische, aber nich ganz unverständliche Pessimismus der Clubfans, den der FCN-Trainer trotz seines Outings als „Frankenversteher“ partout nicht nachvollziehen kann, ist ihm schon länger ein Dorn im Auge. Aber jetzt ist auch noch seinen Familienfrieden in Gefahr. Schließlich hatte ihm sein Filius Aaron (16), ein glühender HSV-Anhänger, bei seinem Amtsantritt aufgetragen: „Papa, du darfst überall gewinnen – nur nicht in Hamburg.“,

"Wir sind nicht relaxt"

Hecking steckt also vor dem entscheidenden Abstiegskrimi beim HSV am Samstag (15.30 Uhr) schwer in der Klemme: „Mein Sohn wird im Stadion sein. Ich hoffe, dass er mir die drei Punkte gönnt. Wenn nicht, werde ich die Vaterschaft aber weiterhin anerkennen“, schmunzelt der 45-Jährige.

Spaß beiseite! „Wir sind nicht relaxt“, gibt Hecking ob der brenzligen Lage mit Platz 15 (28 Punkte) offen zu. Aber: „Uns ist die Situation hundertprozentig bewusst.“ Wie zum Beweis hat er deshalb seiner Truppe ein gemeinsames Fernseh-Studium des Europa League-Auftritts der Hamburger beim FC Fulham (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) verordnet. „Wir werden erst gemeinsam essen und dann das Spiel anschauen. Denn ich wäre mir sonst nicht sicher, dass es sich auch jeder Spieler ansieht“, geht der Coach lieber auf Nummer sicher.

Dabei könnten die Vorzeichen für den ersten Akt des Abstiegsfinales, Teil zwei folgt gegen Köln eine Woche später, auch deutlich schlechter stehen. Hier das nach seinem Halbfinal-Rückspiel müde Hamburger Star-Ensemble um Stürmer-Star Ruud van Nistelrooy und Zé Roberto. Dort ein FCN-Team, das von seinem Trainer auf kompromisslose Attacke eingeschworen wurde. Taktieren war gestern. Die HSH Nordbank-Arena soll im Sturm genommen werden. Hecking verspricht: „Ich scheue kein Risiko! Wir werden alles versuchen, um zu gewinnen.“ Also Vollgas gegen den HSV!

"Christian sollte man auf der Rechnung haben"

In dem Zusammenhang deutet auch vieles darauf hin, dass Edeljoker Christian Eigler erneut eine prominente Rolle spielen darf – vielleicht sogar von Anfang an. Hecking: „Wir haben mehrere Optionen durchgespielt. Christian sollte man für Hamburg auf jeden Fall auf der Rechnung haben – nicht nur wegen seinem Tor gegen Dortmund.“

Es ist also alles angerichtet für den „Riesenschritt“ wie Hecking den so dringend erwünschten Dreier beim HSV nennt. Denn sollten zugleich auch noch die direkten Konkurrenten Hannover (27 Punkte) gegen Gladbach und Bochum (28) in München verlieren, spekuliert Hecking: „Sitzen wir vielleicht in Hamburg und stellen fest: „Wir sind ja schon durch!“ Da hätte dann wohl selbst Aaron nichts mehr dagegen. K. Kaufmann

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