Sport 1. FC Nürnberg: Leverkusen kauft Gündogan – und lässt ihn noch beim Club

Geh’ ich – oder bleibe ich hier? Das Interesse an Club-Perle Ilkay Gündogan ist ungebrochen hoch. Erst machte Hoffenheim massiv mobil. Nun hat Bayer Leverkusen einen konkreten Plan ausgeheckt: Kaufen – und noch ein Jahr in Nürnberg lassen. Foto: Wolfgang Zink

Bayer-Vorstoß: Sofort 4,5 Millionen Euro Ablöse für Nürnbergs Rohdiamanten, Transfer erst im nächsten Juli

 

NÜRNBERG Es gibt angeblich keine finanzielle „Schmerzgrenze“. An Ilkay Gündogan klebt laut FCN-Manager Martin Bader das Prädikat „unverkäuflich“. Und dennoch geht das Werben der großen oder zumindest finanzkräftigen Bundesliga-Klubs wie Wolfsburg, Hoffenheim oder dem HSV um die FCN-Perle munter weiter. Die wollen Gündogan unbedingt sofort verpflichten. Was besonders FCN-Trainer Dieter Hecking strikt ablehnt.

Maximal sechs Milionen Euro will Bayer für Gündogan zahlen

Eine für alle Beteiligten vielleicht annehmbarere Lösung haben sich deshalb die findigen Leverkusener ausgedacht. Wie die AZ bereits am Dienstag mutmaßte, wird das Geschäft nun so aussehen: Bayer schließt mit dem FCN und Gündogan einen Vorvertrag ab – und überweist sofort 4,5 Millionen Euro Ablöse nach Nürnberg. Dafür darf Gündogan kommende Saison noch für den Club auflaufen und wechselt erst zum 1. Juli 2011 offiziell zur Werkself.

Die Alternative sieht vor: Sollte der Club Ilkay wider Erwarten sofort abgeben wollen, wäre Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bereit, noch einmal bis zu 1,5 Millionen Euro draufzupacken. Damit wären dann immerhin die fünf Millionen Euro von Hoffenheim geknackt, bei denen, wie Hecking kürzlich betonte, „wir nicht mal zucken“.

Schuldentilgung über "sportliche Mehreinnahmen"

Da der 45-Jährige aber fest mit Gündogan plant, ihn trotz seiner gerade mal 19 Lenze als wichtigen Stützpfeiler seiner Stammelf sieht, macht Variante eins für den Club deutlich mehr Sinn. Trotz der 2,5 Millionen aus dem Verkauf von Dennis Diekmeier an den HSV kann der Verein weiteres frisches Geld im Moment offenbar dringend gebrauchen.

Auch wenn Bader betont, die Schuldentilgung über „sportliche Mehreinnahmen“ – also Nichtabstieg und Platzierungsprämien der Liga – schaffen zu wollen. Allein aus dem vorletzten Geschäftsjahr stehen noch 5,8 Millionen Euro Miese in den Büchern.

"Ilkay soll auf jeden fall noch diese Saison hier spielen"

Nicht auszudenken, was passieren würde, sollte sich Ilkay eine schwere Verletzung wie einen komplizierten Kreuzbandriss oder ähnliches zuziehen. Auch Bader weiß, was das bedeuten könnte: Sein Marktwert würde dramatisch absacken. Wie seinerzeit beim aktuellen FCN-Neuzugang Rubin Okotie. Den konnte sich der Club jetzt nur leisten, weil der Ösi-Bomber nach einem schweren Knorpelschaden und über neun Monaten Pause unter die Rubrik „Glückskeks“ fällt. Man weiß vorher einfach nicht, was drin steckt. Okotie hatte sich zuvor, bei der U20-WM, in die Notizblöcke der internationalen Spione gekickt.

So gesehen könnte Bader dem Vertragskonstrukt der Leverkusener einen gewissen Charme abgewinnen: „Von der Theorie her ist das sicherlich besser, als Ilkay sofort abzugeben.“ Zumal die Prämisse gilt: „Ilkay hat noch zwei Jahre Vertrag und soll auf jeden Fall noch diese Saison in Nürnberg spielen.“ Schlägt der Club die Bayer-Offerte aus, könnten die Macher am Valznerweiher der Bieterschlacht um das Ausnahme-Talent im Reifeprozess weiter relativ gelassen entgegen sehen. Denn egal wie, ein Gewinner steht schon fest: der Club. Bader: „Sind wir doch froh, dass wir Ilkay damals für nur 50.000 Euro Ausbildungs-Entschädigung aus Bochum geholt haben.“ K. Kaufmann, M. Löser

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