Spitzenspiel am Samstag Die Rückkehr nach Dortmund: Hummels' Härtetest

Nach achteinhalb Jahren BVB wieder ein Roter: Bayern-Star Mats Hummels. Am Samstagabend trifft er im Signal-Iduna-Park auf seinen ehemaligen Verein. Foto: dpa

Bayerns Verteidiger Mats Hummels kehrt nach Dortmund zurück, es drohen wie im Supercup Pfiffe. "Das war schon ein bisschen ungewohnt für Mats", sagt sein Vater – und verrät, was Hummels nach der Karriere vorhat.

 

München - Am Mikrofon: Hummels. Er kommentiert jetzt, macht auf TV-Experte. Diesen Herbst einmal für "Sport1", zuletzt beim 3:0 von Brasilien in der WM-Qualifikation gegen Argentinien, auf dem Online-Kanal "DAZN" an der Seite eines Profis. Hummels sieht es als Chance, als Ausbildung – neben dem Psychologie-Studium, das er fortsetzen will. Mit dem Ziel Master.

Denn Jonas Hummels, der mit 26 Jahren eineinhalb Jahre jüngere Bruder von Mats, hat seine Karriere im Mai beenden müssen. "Diese Entscheidung wurde vom Körper getroffen", sagt er. Ohne Gram, ohne Frust. Zwei Kreuzbandrisse, zahlreiche Arthroskopien, immer wieder muskuläre Probleme zerstörten seinen Traum vom ganz großen Fußball. Dennoch war er bei der SpVgg Unterhaching glücklich, in der dritten oder vierten Liga, neun Jahre lang. Durch Mats war er trotzdem nah dran am Puls des Profi-Geschehens. Mit Höhepunkten und Nebenwirkungen. 13 Tage, nachdem Mats Weltmeister wurde, riss Jonas zum zweiten Mal das Kreuzband.

Karriere beendet: Jonas Hummels. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Vom Jäger zum Gejagten

Unterschiedlicher könnten zwei Karrieren nicht verlaufen. Der eine ganz oben, der andere musste in den besten Jahren seine Laufbahn beenden. Nun kann Mats, im Sommer nach achteinhalb Jahren bei Borussia Dortmund in seine Heimat München zurückgekehrt, seinem Bruder nicht mehr zuschauen. Umgekehrt schon. Wie eigentlich immer. Ohne Neid. Die Hummels verstehen sich, helfen sich, unterstützen sich. Brüder, auch im Geiste.

Für Mats hat es eine große Rolle gespielt, zurückzukehren. Nach München, zu seiner Familie, zu seinen Wurzeln, alten Freunden. In die Heimat seiner Frau Cathy, die er auch in München geheiratet hat. Und zu seinem Jugendverein FC Bayern. Am Samstag kehrt Mats zurück-zurück. Als Tabellenführer mit sechs Punkten Vorsprung nach Dortmund. Nun ist er ein Gejagter im roten Trikot, kein Jäger in schwarz-gelb wie in den letzten Jahren. Wer beim FC Bayern spielt, hat immer mehr zu verlieren als zu gewinnen, darauf musste sich der Innenverteidiger erst wieder einstellen. Das ging schnell.

Weniger fix zu verarbeiten war: Hummels, der ehemalige Kapitän der Dortmunder, Meister 2011 und 2012, Pokalsieger 2012, kommt als Verräter. Ungemütliches, teils Unflätiges dürfte aus den Kehlen der BVB-Fans unter den etwas mehr als 81.000 Zuschauern im Signal-Iduna-Park kommen. Eiszeit fünf Wochen vor Weihnachten. Einen Vorgeschmack hatte Hummels bereits Mitte August im Supercup bekommen. Bayern siegte 2:0, der Abtrünnige wurde bei jedem Ballkontakt mit Pfiffen bedacht. "Das war schon ein bisschen ungewohnt für Mats, aber solche Dinge gehören einfach dazu", sagt Vater und Berater Hermann Hummels zur AZ.

Boateng: "Mats ist ein super Spieler"

Doch es war kein Hass, der ihm entgegenschlug wie einst Mario Götze im November 2013 im Bayern-Trikot. "Emotional erwischt und aufgewühlt", sei Hummels gewesen. "Es war sehr seltsam, ein ungewohntes Gefühl, hat mich auf keinen Fall kalt gelassen. Das kann ich nicht behaupten, auch wenn man gerne über sich behaupten würde, dass man so abgezockt ist." Klar, zum damaligen Zeitpunkt hatte er 225 Bundesligaspiele für den BVB und eins (im Jahr 2007) für den FC Bayern gemacht. Mittlerweile sind neun hinzugekommen, dennoch kann er seine Vergangenheit nicht wie ein Trikot einfach abstreifen. "Ich gucke mit zwei Herzen die Spiele der Dortmunder", sagt Hummels, "einerseits sind sie Konkurrenten, andererseits kann ich eine gewisse Zuneigung für große Teile der Mannschaft auch weiterhin nicht leugnen." Er nennt den BVB trotz des Sensationszweiten RB Leipzig "weiterhin Verfolger Nummer eins".

Pfiffe gegen seinen Sohn werde es auch diesmal geben, ist sich Hermann Hummels sicher, "vielleicht hört das auf, wenn Mats zum vierten oder fünften Mal als Bayern-Spieler nach Dortmund zurückkehrt". Und wenn nicht? Auch kein Problem, meint Abwehrkollege Jérôme Boateng: "Mats ist ein super Spieler. Er kann sich bestimmt gut konzentrieren, auch bei Pfiffen."

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Hummels, Boateng – und Manuel Neuer: Das Defensivdreieck der deutschen Nationalelf hat sich inzwischen auch bei Bayern eingespielt. Hummels musste sich in ein neues Gefüge einfinden, was problemlos gelang. Er ordnete sich auch in der Hierarchie sofort recht weit oben ein, hinter Kapitän Philipp Lahm, den Stellvertretern Neuer und Boateng sowie Thomas Müller, der guten Seele des Teams. Auch Hummels ist ein Sprecher, eher der Typ Analytiker. Er stellt sich den Medien nach Spielen mittlerweile genau so oft wie Lahm. Geduldig und eloquent erklärt Hummels Fußball, seziert jede Partie. "Wir haben in der Erziehung darauf geachtet, dass man Sätze ausformulieren soll", verrät Hummels senior. Riecht nach einer zweiten Karriere als TV-Experte. Mama Ulla arbeitete lange beim ZDF, später für den Sportsender DSF und den BR: "Das liegt ja nahe", sagt Papa Hermann und lacht: "Die Mutter Sportjournalistin, der Vater früher Jugendtrainer – würde also passen."

Bruder Jonas, sonst immer im Schatten seines Bruders, könnte ihm dann sicher Tipps geben. Vielleicht wird Mats aber auch Sportdirektor, "in 15 Jahren können wir drüber reden", meinte er neulich, als er verriet, online Managerspiele zu machen. Oder Trainer. "Er hat mir gesagt, dass er sich den Job vorstellen kann", sagt Hermann Hummels: "Vielleicht macht er aber auch etwas ganz anderes."

Was Mats Hummels am Samstag macht, ist klar: Er verteidigt für den FC Bayern. Bei seiner aufregenden Rückkehr nach Dortmund.

 

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