Spielwarenmesse Nürnberg Bayern, das Spielzeug-Mekka

Seit Jahrzehnten stark auf dem Markt: Figuren von Playmobil Foto: dpa

Ob Playmobil oder Bobby Car: Viele Klassiker kommen aus Franken. Die Region behauptet sich auf einem globalen Markt.

 

Wenn der Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) zum Jahresende seinen Sitz von Stuttgart nach Nürnberg verlegt, dann ist das konsequent. Denn im Freistaat wird rund die Hälfte des in Deutschland verkauften Spielzeugs entwickelt – das meiste davon in Franken. Von dort kommen die Playmobilfiguren, Modellautos von Schuco, Fleischmann-Eisenbahnen und das Bobby Car. Wie schafft es eine Region, im globalen Kampf ums Kinderzimmer zu bestehen?

In der Spielzeugwelt zählt anscheinend auch Tradition. Die begann in Franken bereits im Mittelalter. Im 14. Jahrhundert fertigten die „Dockenmacher“ Puppen mit Armen und Beinen aus Holz. Der erste Zinnsoldat marschierte von Nürnberg in die Welt hinaus, Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Nürnberg über 50 Metallspielwarenfabriken. Selbst als der Kunststoff nach dem Zweiten Weltkrieg den Markt umkrempelte, behauptete sich die Region. Mit Bobby Cars von Big, Playmobilfiguren von Geobra Brandstätter oder Automodellen von Bruder.

Fast die Hälfte der 10000 Beschäftigten der deutschen Spielzeugbranche arbeitet in Bayern, weiß DVSI-Chef Ulrich Brobeil. Für ihn ist es kein Nachteil, dass die bayerischen Unternehmen viele Klassiker im Sortiment haben. Denn besonders bei Spielzeug für die Kleinsten werden die immer wieder gekauft. Bei Spielkonsolen ist dies anders: Neue Produkte wie Smartphones machen ihnen Konkurrenz. Was heute noch der letzte Schrei ist, kann morgen schon zum alten Eisen gehören.

Aber da ist ja noch die große Konkurrenz aus Asien. 65 Prozent der Spielwaren weltweit kommen aus China. Doch der Anteil sinkt, denn im Reich der Mitte wird die Arbeit teurer. Innerhalb von zehn Jahren haben sich dort die Löhne verdreifacht. Dafür drängen jetzt Indien, Vietnam und Indonesien mit billigem Spielzeug auf den Markt. Die Strategie der heimischen Unternehmen ist unterschiedlich. „Die einen setzen auf ,Made in Germany’, andere lassen in China produzieren – aber nach den strengen EU-Normen“, so Verbandschef Brobeil zur AZ. Geobra Brandstätter fertigt in Deutschland, Malta, Tschechien und Spanien. Damit habe er "die Qualität unter ständiger Kontrolle", so Firmeninhaber Horst Brandstätter.

Neben neuen Produkten wird an den Spielwaren-Klassikern selbst ständig gefeilt. So gab es schon ein Bobby Car mit Navi, in Spielzeugküchen zieht die Espressomaschine ein. Und beim Export müssen die Unternehmen genau hinschauen. „Denn nicht jedes Produkt verkauft sich in jedem Land“, so Isabel Weishar von der in Fürth ansässigen Simba-Dickie-Group, zu der Traditionsfirmen wie Big und Schuco gehören. In Skandinavien laufe zum Beispiel „Malen nach Zahlen“ gut – weil Kinder im Winter viel drinnen spielen.

So sind die Belegschaften der fränkischen Unternehmen bunt gemischt. Experten aus dem Ausland für die Vermarktung, aber eben auch Mitarbeiter, deren Familien schon jahrzehntelang Spielzeug fertigen. Denn die Tradition kann auch ein Standortvorteil sein.

 

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