Eine nochmalige Erweiterung des Grünwalder Stadions, der Spielstätte des TSV 1860, steht im Raum. Wie die Giesinger Bezirksausschüsse die Debatte sehen – und, was sie jetzt fordern.

Giesing - Die Bürgermeisterin war bester Laune. Lächelnd stand Christine Strobl dieser Tage in der Westkurve des Grünwalder Stadions und präsentierte die kleinen Bauarbeiten, die die Stadt für eine Erweiterung auf 15.000 Zuschauer durchgeführt hat. Wie ihre SPD-Fraktion im Rathaus auf die Zahl von 18.600 Zuschauer gekommen sei, die bald wieder ins Stadion gelassen werden könnten? Das sei kein konkretes Ziel, sagte Strobl. Es handele sich nur um einen Zahlenwitz: 18.600 Zuschauer bei 1860-Spielen.

Im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing findet man das gar nicht lustig. "Das sind Witze auf dem Rücken der Anwohner, die hier alle zwei Wochen viel erleiden müssen", sagte Bezirksausschuss-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) im Gespräch mit der AZ. Er droht damit, einen Runden Tisch einzurichten, um Missstände aufzubereiten.

Zwei Hauptkritikpunkte haben Anwohner und Bezirksausschuss vorzubringen: Ihnen sei ein Konzept zur Abwicklung der Spieltage rund ums Stadion versprochen worden, das nie präsentiert wurde. Und: Man nehme sie generell nicht ernst.

BA fordert Sicherheits- und Verkehrskonzept

Baumgärtner betonte am Dienstag zwar einmal mehr, dass sein Bezirksausschuss Sechzig-Spielen im Grünwalder grundsätzlich offen gegenüberstehe. Er sprach aber auch von einem "rotzfrechen" Vorgehen der städtischen Lokalbaukommission, die zum Beispiel für Baugenehmigungen die Parkplatz-Frage gar nicht mehr berücksichtigt habe. Die Stadt argumentiere außerdem, dass man mit den Eintrittskarten auch kostenlos den MVV nutzen könne. "Das ist doch Schmarrn", sagte Baumgärtner. "Die glauben, dass die Münchner mit dem Auto nach Riem oder zur Arena rausfahren, um dann mit der U-Bahn zum Sechzgerstadion zu fahren."

Die Erweiterung auf 15.000 und weitere Erhöhungen der Kapazität lehnt er ab. "Jahrzehntelang hat man uns erzählt, dass man den Candidplatz nicht bebauen könne, weil man ihn als Parkplatz fürs Stadion braucht. Jetzt darf dort kein einziges Auto parken – und trotzdem erweitert man einfach so das Stadion noch weiter!" Spätestens im September, droht er, werde er seinen Runden Tisch einberufen, wenn die Stadt bis dahin kein nachvollziehbares Sicherheits- und Verkehrskonzept hat. (Lesen Sie auch: Grünwalder - In die Kurve dürfen 3.500 Fans mehr)

Im benachbarten Bezirksausschuss Obergiesing schaut man etwas positiver auf die Dinge – stimmt weiteren Erhöhungen der Kapazität aber auch nicht vorbehaltlos zu. "Bei uns gibt es keine Beschwerden", betonte BA-Chefin Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne). "Ich war letzte Saison sehr begeistert und stolz auf unser Viertel." Den SPD-Antrag findet sie trotzdem "etwas übereilt". Man schlage vor, "jetzt erstmal in Ruhe anzuschauen, wie es in der dritten Liga mit 15.000 läuft".

Video: Rundgang durchs Grünwalder Stadion

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