Spielmacher in der Kritik Özil am Scheideweg: Deutliche Warnung von Löw

Mesu Özil steht wegen durchwachsener Leistungen in den letzten Wochen ohnehin in der Kritik. Foto: dpa

Spielmacher Mesut Özil steht seit Wochen sportlich in der Kritik. Dem 25-Jährigen droht in der Nationalmannschaft der Verlust seines Stammplatzes.    

 

Stuttgart - Den Namen Mesut Özil nannte Joachim Löw nicht explizit. Aber gerade dem Spielmacher vom FC Arsenal dürfte der WM-Weckruf des Bundestrainers gegolten haben. Drei Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft steht der 25-Jährige am Scheideweg: Sportlich gibt es in England schon seit Wochen Kritik, auch privat gab es zuletzt Schlagzeilen, die Löw nicht gefallen haben. Der Stammplatz von Özil in der Nationalmannschaft bei der WM wackelt.

Schon vor dem Länderspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) in Stuttgart gegen Chile darf sich Özil seiner Sache nicht mehr sicher sein – auch wenn er vor der Partie vom Fanclub Nationalmannschaft die Auszeichnung zum besten Nationalspieler des vergangenen Jahres erhält. Mit acht Treffern hatte Özil immerhin entscheidenden Anteil an der WM-Qualifikation.

Doch momentan erlebt der frühere Schalker und Bremer die Schattenseiten. Der verschossene Elfmeter im Champions-League-Achtelfinale gegen Bayern München (0:2) und eine grottenschlechte Vorstellung unter den Augen von Löw hat seine Position nicht verbessert. Özil wirkte mental und körperlich angeschlagen. Auch in der Premier League ließen die Leistungen des begnadeten Technikers nach einem starken Beginn in der Premier League zuletzt zu wünschen übrig.

50 Millionen hatte Arsenal vor der Saison an Real Madrid überwiesen – und damit große Hoffnungen verbunden. Doch die kann Özil (noch) längst nicht erfüllen.

"Die Uhr tickt. Nur wer sie hört, wird eine reelle Chance haben. Ich appelliere an alle, ihren Lebenslauf so optimal zu gestalten, wie es sein muss, wenn man große Ziele hat", unterstrich Löw – auch in Richtung Özil, der zuletzt wegen eines Vorfalls mit einem Fotografen in England Aufsehen erregt hatte. Dass er sich vor dem Bayern-Spiel im Superman-Kostüm präsentiert hatte, zeugte auch nicht gerade von einer seriösen Vorbereitung und missfiel offenbar nicht nur dem Bundestrainer.

Man brauche bei der WM "die aktuell besten und nicht die theoretisch besten Spieler", fügte Löw an. Özil ist aufgrund seiner erheblichen Formschwankungen im Moment definitiv nicht der Beste. Längst sind die beiden Münchner Toni Kroos und Mario Götze, die auch am liebsten die zentrale Position hinter den Spitzen einnehmen, an dem 52-maligen Nationalspieler vorbeigezogen.

Kroos ("Er ist wahnsinnig wichtig in unserem Puzzle") bekam von Löw für das Chile-Spiel bereits eine Einsatz-Garantie. Da davon auszugehen ist, dass vor der Abwehr Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger spielen, müsste Özil auf den Flügel ausweichen. Ohnehin erwartet der Bundestrainer gerade von seinen Mittelfeldspielern "eine hohe Flexibilität, defensiv und offensiv".

Doch auch hier liegt aktuell der Vorteil bei Kroos und Götze. Für die beiden spricht zudem die Tatsache, dass Löw bei der WM auf einen starken und eingespielten Bayern-Block bauen könnte.

Unbestritten hat Özil eine außergewöhnliche Veranlagung. Er erlebe in der Premier League "eine Reifeprüfung", sagte er unlängst. Er habe "so viel Selbstvertrauen, dass ich jetzt bereit bin, den nächsten Schritt zu machen".

Daran glaubt auch DFB-Kapitän Philipp Lahm. "Mesut hat gezeigt, welch überragender Fußballer er ist. Da müssen wir uns keine Sorgen machen", sagte der 30-Jährige am Dienstag. Auch Lukas Podolski sprang seinem Vereinskollegen zur Seite: "Er ist ein großartiger Fußballer. Er wird seinen Weg gehen und uns noch viel Freude bereiten."

 

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