Der EHC und die Eisbären treffen zum entscheidenden Finalspiel aufeinander. "In Spiel sieben kann alles passieren", sagt EHC-Kapitän Wolf. Die AZ erklärt, was nun für München spricht – und was für Berlin.

München - Es ist ein Spiel, das Ex-Bayern-Trainer Louis van Gaal mit "Tod oder Gladiolen" umschreiben würde. "Do or die", sagt der nordamerikanisch geprägte Eishackler dazu, zu deutsch etwa: "Siegen oder sterben."

Wenn der EHC Red Bull München, der Double-Meister, und die Eisbären Berlin, der DEL-Rekordtitelträger, am Donnerstag (19:30 Uhr/telekomeishockey.de) zum alles entscheidenden Spiel sieben dieser packenden, dieser dramatischen, dieser atemberaubenden Finalserie aufeinandertreffen, dann wird deren bisherige Intensität, Härte und Emotionalität noch einmal einen Höhepunkt erreichen.

Siebtes Spiel im DEL-Finale: München oder Berlin? 

Der Sieger hat den Titel – dem Verlierer bleibt ein Trauma. "Es ist das große Finale. Ganz Eishockey-Deutschland freut sich drauf – und wir uns auch", sagte EHC-Stürmer Patrick Hager vor dem Showdown. Allerdings hätten Hager und Co. auf dieses Spiel liebend gerne verzichtet: Mit 3:1 nach Siegen hatte der EHC nach dem vierten Spiel geführt, der Titel-Hattrick schien nur noch Formsache zu sein.

Doch dann vergaben die Red Bulls beim 5:6 nach Verlängerung zu Hause und beim 3:5 am Dienstagabend in Berlin zwei Matchpucks. Noch nie hatte der EHC ein Finalspiel auswärts verloren, noch nie mehr als fünf Partien in einer Playoff-Serie bestreiten müssen – doch ein Gegner wie die Eisbären Berlin, die nie aufsteckten und über ebenso große Siegermentalität wie der EHC zu verfügen scheinen, wurde den Münchnern vielleicht auch noch nicht serviert.

"Keiner hat gedacht, dass wir mit 4:0 oder 4:1 durch die Serie marschieren“, meinte Hager, "dementsprechend haben wir uns von Beginn an auf eine lange Serie vorbereitet." Kapitän Michael Wolf ergänzte: "Wir müssen die Niederlage abschütteln. Jetzt haben wir Spiel sieben, in dem kann alles passieren."

Die AZ zeigt drei Faktoren, die nun für den EHC sprechen – und drei für Berlin...

EHC gegen Eisbären - der Heimvorteil

In weniger als zehn Minuten war die Partie am Dienstagabend mit 6.142 Zuschauern ausverkauft, schon am Sonntag pushten die Münchner Fans ihr Team pausenlos nach vorne. "Wir haben den Heimvorteil. Und mit unseren Fans im Rücken wollen wir ein großes Spiel abliefern", sagte Hager.

EHC gegen Eisbären - das Sieger-Gen

Zwei Meisterschaften in Folge hat der EHC in den vergangenen beiden Jahren geholt, der Stamm der Mannschaft ist derselbe geblieben. Keine Frage, das Team weiß, wie man Titel gewinnt, zeigte sich in entscheidenden Momenten stets wach, kaltschnäuzig und effektiv. "Wir haben eine super Mannschaft, das haben wir in den letzten Jahren bewiesen", meint Wolf. "Ich bin sehr zuversichtlich."

EHC gegen Eisbären - die Statistik

Noch nie hat ein Finalist einen 1:3-Serienrückstand noch in ein 4:3 gedreht. In den Playoffs ist das einzig den Frankfurt Lions vor zehn Jahren im Viertelfinale gegen Iserlohn gelungen.

EHC gegen Eisbären - das Momentum

Nach zwei Siegen hintereinander sind die Eisbären pychologisch im Vorteil, Form und "der berühmte Schwung" (Eisbären-Trainer Uwe Krupp) sprechen für Berlin. EHC-Kapitän Wolf hält dagegen: "Das Momentum haben sie jetzt vielleicht, aber wenn wir gut aus der Kabine kommen, kann sich das ganz schnell wieder drehen."

EHC gegen Eisbären - die Frische

In Spiel sechs am Dienstag wirkte Berlin spritziger, fitter – was selbst Hager einräumte. "Berlin war in den entscheidenden Situationen schneller und frischer", sagte der Rosenheimer. Sein Gegenrezept: "Wir müssen von der Strafbank wegbleiben, denn Strafen kosten immer Kraft."

EHC gegen Eisbären - der Erfolgshunger

Die meisten EHC-Stars haben in den vergangenen zwei Jahren zwei Titel gewonnen, die Berliner hingegen wollen ihre titellose Zeit nach fünf Jahren endlich beenden – gibt dieser Erfolgshunger in der engen Serie am Ende den Ausschlag?

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