Spenden Nach dem Hochwasser: Die Sperrmüll-Flut

Schrott statt Spende: 400 gebrauchte Elektrogeräte sind bereits an die Flut-Opfer verteilt worden – darunter: etliche defekte. Foto: KJR

A.bgelaufene Lebensmittel, kaputtes Spielzeug, dreckige Unterwäsche: Vieles, was als Spende in den Hochwassergebieten landet, ist Schrott. Die Helfer sind sauer – und überfordert

 

München/Deggendorf - Ein Parkhaus unweit der Autobahnabfahrt Deggendorf ist seit Wochen Anlaufstelle für die, denen das Hochwasser alles genommen hat: Im Sammellager der Stadt für Sachspenden treffen täglich tonnenweise Hilfsgüter ein und werden an die Betroffenen verteilt. Doch einige „Spender“ nutzen die Sammlung, um Lumpen und Sperrmüll kostenlos zu entsorgen – eine Beleidigung für die Flut-Opfer und ein riesiges Problem für die Helfer.

Martin Hohenberger, Geschäftsführer des Deggendorfer Kreisjugendrings, koordiniert die Arbeit im Parkhaus. 1300 Ehrenamtliche haben hier schon mitangepackt, Laster entladen, Produkte gesichtet. Und Müll weggeworfen. Besonders schlimm, sagt Hohenberger, sei es bei den Kleiderspenden, bislang knapp 80Tonnen. „Die kommen in Kartons oder Mülltüten hier an und dann heißt es: sortieren, rund um die Uhr. Denn mehr als 50 Prozent sind absolut unbrauchbar. Das kann man niemandem zumuten.“

Martin Hohenberger erzählt von zerrissenen Shirts, fleckigen Hosen und „ungewaschener Unterwäsche“. Er ist sauer. „Die Hochwasser-Opfer haben alles verloren, aber nicht ihre Würde!“

Doch die Sperrmüll-Flut ebbt nicht ab. Puppen ohne Kopf, zerfetzte Kuscheltiere, kaputte Schuhe, verdreckte Küchenutensilien, Farbreste, „mit denen man nicht mal einen Hühnerstall streichen kann, weil’s so wenig ist“ – all das hat Hohenbergers Team schon aus Kisten und Säcken gefischt. Besonders widerlich: „Es kommen immer wieder Kaffeemaschinen, in denen noch der Filter steckt, total verschimmelt. Es ist eine Frechheit, so etwas abzugeben.“

Richtig schwierig wird es, wenn kaputte Kühlschränke, Wasch- oder Spülmaschinen im Lager landen. „Die müssen wir dann entsorgen. Wir füllen gerade den dritten großen Container mit dem Zeug.“ Wer dafür aufkommt, ist noch unklar.

Auch Kornelia Göstl(37) hat mit Sachspenden schlechte Erfahrungen gemacht. Die Reinigungsfrau lebte vor der Flut mit Ehemann Alexander (43) und Sohn Sascha (10) in einer Mietswohnung in Fischerdorf. Das Wasser hat das gesamte Hab und Gut der Familie vernichtet. Sie, liebe AZ-Leser, haben ihr mit Ihren großzügigen Spenden wieder auf die Beine geholfen (siehe unten).

Doch in den ersten Tagen nach der Katastrophe waren auch die Göstls auf das Parkhaus angewiesen. Während die Eltern nach Kleidung suchten, sah sich der kleine Sascha dort nach Nahrungsmitteln um. Strahlend packte er Milch, Suppen, Kaffee, Marmelade und Nutella ein. Zu Hause dann der Schock: „Die Sachen waren alle seit einem Jahr abgelaufen. Es war schlimm“, sagt Mutter Kornelia. „Sascha hat sich so auf die Nutella gefreut – und dann die Welt nicht mehr verstanden.“

Benötigt werden derzeit Nahrungsmittel und Innenfarbe in großen Mengen. Bitte vorher absprechen: 0991/ 29792750

AZ-Leser spenden 290000

In den letzten Wochen haben wir über ein altes Ehepaar, zwei Familien und ein Start-Up-Unternehmen aus Deggendorf berichtet, deren Existenz durch die Flut bedroht ist – genau wie das Tierheim in Freilassing.

Sie, liebe Leser, haben die Rekordsumme von 290000 Euro an den AZ-Verein „Münchner helfen“ gespendet. Geld, das nun den Betroffenen zugute kommt. In den nächsten Tagen werden wir Ihnen eine weitere traurige Geschichte aus Fischerdorf erzählen.

Deshalb bitten wir Sie, auch weiterhin zu spenden. Das Geld kommt zu 100 Prozent direkt bei den Opfern an. Die AZ kann für Spenden ab 201 Euro Bescheinigungen fürs Finanzamt ausstellen (Adresse nicht vergessen!). Bei niedrigeren Beträgen gilt der Überweisungsbeleg als Bestätigung.

Das Spenden-Konto von „Münchner helfen e.V.“: Privatbank DONNER & REUSCHEL Konto-Nr.: 333 888 333 BLZ: 200 303 00

 

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